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Die Zukunft des Heimatmuseums bleibt weiterhin ungewiss

Bürgerversammlung Caldern Die Zukunft des Heimatmuseums bleibt weiterhin ungewiss

Harte Schale, weicher Kern: Holzwürmer und Schimmel haben dem Heimatmuseum Caldern schwer zugesetzt. In der Bürgerversammlung wurde über das weitere Vorgehen diskutiert. 

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Einsturzgefahr: Das Heimatmuseum Caldern muss dringend von Grund auf saniert werden.

Quelle: Tobias Hirsch

Caldern. Marode Tragbalken, undichte Ecken, feuchte Stellen, unsachgemäße Sanierungs- und Füllmaterialien, dazu unterdimensionierte Bohlen. Der Bericht des Diplomingenieurs Oliver Meyer von der Firma Pfeiffer und Schmidt zum Zustand des Heimatmuseums Caldern fiel alles andere als rosig aus. Unter der Oberfläche haben Holzwürmer, Schimmel und Mäuse den tragenden Balken des Gebäudes schwer zugesetzt. „Da rieselt alles weg, wenn Sie mit einem Hammer dagegenklopfen“, so Oliver Meyer.

Am vergangenen Mittwoch wurde im Rahmen einer Bürgerversammlung erneut über die Zukunft des Gebäudes debattiert. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Situation so schlimm ist, wobei ja schon eine Bestandsaufnahme aus 2004 zu keinem guten Ergebnis kam“, sagte Bürgermeister Manfred Apell und ergänzte: „Auch die Besitzverhältnisse sind jetzt noch einmal neu geklärt, so dass wir nun davon ausgehen können, dass die Gemeinde der Eigentümer ist.“

Ein erhaltenswürdiges Denkmal

Damit sind allerdings auch etwaige Sanierungskosten von der Kommune aufzubringen – und das kann richtig teuer werden. „Wir dürfen dabei durchaus von 500.000 Euro ausgehen – netto“, schätzte Meyer, der als gelernter Zimmermann bereits Erfahrung mit Fachwerkhäusern hat. Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege kam nach einer Begehung von außen zu einer anderen Einschätzung, die er der Kommune schriftlich mitteilte. Das Gebäude sei, obwohl es bereits einmal komplett den Standort gewechselt hat, ein erhaltenswürdiges Denkmal, das möglicherweise auch durch eine Teilsanierung gerettet werden könne.

„Unserer Ansicht nach kommt eine solche Teilsanierung überhaupt nicht in Frage. Das Holz mag von außen noch solide wirken, aber man kann mit der Hand große Brocken herausbrechen, nach den ersten zwei bis  drei Zentimetern ist da nur noch von Holzwürmern zerfressenes Material. Wenn da jetzt stückweise gearbeitet wird, dürften sich nur noch mehr Schäden einstellen und die Kosten werden noch höher“, so Meyer.

Weiteres Gutachten wird angefordert

Dessen Büro hat allerdings noch keine konkreten Erfahrungen bei Sanierungsarbeiten mit dem Amt für Denkmalpflege gesammelt, so dass die Gemeinde nun ein weiteres Gutachten in Absprache mit diesem beauftragen wird. Dabei geht es auch darum, etwaige Vorwürfe zu entkräften, die Gemeinde hätte das Gebäude vorsätzlich verkommen lassen, um einen kostengünstigen Abriss durchsetzen zu können.

Bürgermeister Apell räumte dabei ein, dass bisherige Sanierungsarbeiten mit ungeeigneten Materialien die Lage eher verschlimmert hatten, wies allerdings auch darauf hin, dass diese Vorgehensweisen damals üblich waren. „Immerhin hat Herr Buchstab uns in seinem Schreiben auch finanzielle Unterstützung vom Land in Aussicht gestellt, je nachdem wie diese ausfällt, wäre das natürlich eine große Hilfe. Leider ist er aber unserer Einladung, bei der Bürgerversammlung persönlich mit uns zu sprechen, nicht nachgekommen“, bemerkte Apell.

Das Museum soll erhalten bleiben

Wenn es die Möglichkeiten zulassen, möchte der Vorsitzende des Heimatvereins das Museum trotz allem gerne erhalten, weswegen er die Anwesenden dazu aufrief die weiteren Ergebnisse geduldig abzuwarten. Eine letztendliche Entscheidung soll erst fallen, wenn die Kosten einer vom Amt für Denkmalpflege akzeptierten Sanierung sowie etwaige Zuschüsse bekannt sind. Für diesen Kurs gab es allgemeine Zustimmung.

„Grundsätzlich habe ich viel Sympathie für das Museum, aber auch bei öffentlichen Trägern müssen solche Sanierungsarbeiten kostentechnisch zumutbar sein, schließlich finanzieren wir aus diesen Kassen unsere Busse oder Schulen und die haben Vorrang“, sagte Apell abschließend.

von Marcus Hergenhan

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