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„Die Stiftung ist der richtige Weg“

Bürgeln „Die Stiftung ist der richtige Weg“

Wenn am Montag die Cölber Gemeindevertreter zusammenkommen, werden sie der Gründung einer Kulturstiftung Cölbe, die zunächst den Erhalt der Alten Kirche in Bürgeln zum Ziel hat, wohl mehrheitlich zustimmen.

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Das historische Gebäude ist das wohl wichtigste Kulturdenkmal in der Gemeinde Cölbe.Foto: Michael Agricola

Cölbe. Die Diskussionen im Haupt- und Finanzausschuss (HF) sowie im Sport-, Kultur- und Sozialausschuss (SKS) in dieser Woche brachten klare Empfehlungen für die Gründung einer kommunalen Kulturstiftung. Allerdings wurde auch kritisch nachgefragt - von einzelnen CDU-Abgeordneten, vor allem aber aus der Bürgerliste.

„Wir müssen uns das leisten wollen“ - so fasste der Hauptausschussvorsitzende Peter Jacobs (Grüne) die vorhergegangene Diskussion zusammen. Andere Gemeinden müssten noch viel mehr Geld für den Denkmalschutz aufbringen. Maximal 3000 Euro würde die Gemeinde Cölbe jährlich in die kommunale Kulturstiftung stecken müssen, sofern die Gemeindevertretung in der Sitzung am Montag die Empfehlung der Ausschüsse in die Tat umsetzt.

Nötig ist die Diskussion um die Alte Kirche, weil der bisherige Träger - der Förderkreis Alte Kirchen - das Gebäude lang­fristig nicht mehr wird halten können. Dies stellte Dr. Kurt Bunke, Vorsitzender des Kulturvereins, der die Alte Kirche seit Jahren für kulturelle Veranstaltungen nutzt, bei der Sitzung noch einmal klar. Er hat im Auftrag des Magistrats auch das Konzept für die vorliegende ­Stiftungslösung erarbeitet.

Eine drohende Insolvenz des Förderkreises führte nach seinen Worten dazu, dass das Gebäude der Gemeinde zufiele und von ihr künftig gesichert werden müsste. Eine Übernahme des Gebäudes durch die Gemeinde war vom Parlament bereits abgelehnt worden, es wäre zudem durch eine bestehende Grundschuld über 100000 Euro nicht finanzierbar. Auf diese könnte die Sparkasse gegenüber einer Stiftung gegebenenfalls verzichten, nicht jedoch gegenüber der Gemeinde, weil dies als versteckte Gewinnausschüttung gewertet würde, wie Bürgermeister Volker Carle erläuterte.

Bunke betonte, dass die Gemeinde mithilfe einer Stiftung maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung und Entwicklung von Kulturgütern in der Gemeinde nehmen könne - die Stiftung wäre prinzipiell auch um andere Objekte erweiterbar -, ohne dass sie das Eigentum daran erwerben müsse. Denn im Stiftungsvorstand hätten laut Entwurf Bürgermeister und Ortsvorsteher das Sagen, im Aufsichtsgremium die Gemeindevertretung.

Angst vor Folgekosten

Dass etwas getan werden muss, um das Denkmal zu erhalten, da waren sich alle Ausschussmitglieder einig. Allerdings wurden auch Sorgen formuliert. So befürchtet etwa Heinz Wilhelm Wasmuth (Bürgerliste), dass die Stiftung wegen Überalterung über kurz oder lang die gleichen Probleme bekommen werde wie sie heute der Förderkreis habe. „Am Schluss ist dann wieder die Gemeinde dran, weil man die ­finanziell packen kann“, fürchtet Wasmuth.

Die Christdemokraten stünden dagegen in der Mehrheit hinter dem Antrag, meinte Fraktionsvorsitzender Christian Hölting im Haupt- und Finanzausschuss: „Die Stiftung ist der richtige Weg, ich werde den Antrag unterstützen.“ Er fügte hinzu, dass die Stiftung wesentlich mehr Fördergelder zum Beispiel für eine Sanierung akquirieren könne als ein Verein oder die Gemeinde.

Während Uta Hoppe und Michael Timme (beide Grüne) im SKS deutlich zugunsten der Stiftungsidee argumentierten, lehnte Werner Bodenbender von der Bürgerliste den Beschlussvorschlag für die Gemeindevertretersitzung am kommenden Montag ab. Michael Damian (CDU), der in der Diskussion Sympathie für die Stiftung erkennen ließ, enthielt sich im SKS der Stimme.

Bodenbender zog schon in Zweifel, dass das Gebäude im Fall einer Zahlungsunfähigkeit oder Auflösung des Förderkreises Alte Kirchen an die Gemeinde fallen würde. Er sieht das Land Hessen als logischen Nachfolger. Klären ließ sich diese Frage im Ausschuss nicht.

Einen besseren Vorschlag habe er auch nicht, räumte Bodenbender auf Hoppes Nachfrage ein. Er ließ aber durch­blicken, dass er die Alte Kirche lieber dem Land, „den Bürgelnern“ oder jemand anders, der das Gebäude übernehmen möchte, überlassen würde, als die Gemeinde ins Boot zu holen.

Auch wenn die jährlichen Kosten, die die Gemeinde bei der Stiftung übernehmen würde, auf maximal 3000 Euro beschränkt wären, sei dies über einen längeren Zeitraum doch sehr viel Geld, mit dem an dem Gebäude nur das Notwendigste gemacht werden könnte. Angesichts steigender Gebühren und dem Einschränken von Leistungen, um den Gemeindehaushalt ausgeglichen zu gestalten, hielt er das Engagement an dieser Stelle für nicht angemessen, zumal eine grundlegende Sanierung, die wohl mindestens 150000 Euro kosten würde, damit nicht zu verwirklichen wäre.

Zustiftungen wirkungslos

Neben dem jährlichen Zuschuss der Gemeinde sollen private Spenden und die Erlöse von Kulturveranstaltungen in der Kirche die Stiftung handlungsfähig machen. Zustiftungen wären angesichts der derzeitigen Zinsen nahezu wirkungslos.

„Die Gemeinde kann den baulichen Zustand, den die Kirche verdient, nicht finanzieren. Wir müssen hier auf Spenden hoffen. Die Lösung über eine Stiftung bringt den Vorteil, dass Menschen, die dem Staat ungern noch mehr Geld geben möchten, vielleicht so eher bereit sind, etwas zum Erhalt der Kirche dazuzugeben“, warb Bürgermeister Carle um Zustimmung. Mit Erfolg: Die Abstimmung in beiden Ausschüssen führte zu Empfehlungen an das Parlament, mit jeweils drei Ja- und einer Neinstimme bei einer Enthaltung.

von Michael Agricola

und Alexander Graf

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