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Die Karriere beginnt mit einem Pfiff

Jung-Schiedsrichter Die Karriere beginnt mit einem Pfiff

Im Alter von nur 14 Jahren entschied sich Adrian zu einer Laufbahn als Schiedsrichter im Fußball. Die OP hat ihn in seinem ersten Spiel begleitet und zeigt, dass der Job nicht nur aus dem Pfeifen besteht.

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Der Anfang einer Schiedsrichter-Karriere: Adrian Herzberg beim Einsatz im Spiel der JSG Michelbach gegen den FV Wehrda.

Quelle: Michael Hoffsteter

Cölbe. „So langsam steigt die Aufregung“, sagt Adrian. Der Schüler aus Cölbe wird in einer halben Stunde sein erstes Spiel als Schiedsrichter leiten. JSG Michelbach/Marbach gegen FV Wehrda, D-Jugend, noch auf Kleinfeldtore, dafür aber schon mit Abseits.

„Ich glaube, die Abseitsentscheidungen werden am schwierigsten sein“, meint er vor seiner ersten Partie als Unparteiischer. Linienrichter, die den Schiedsrichter bei so etwas unterstützen, gibt es selbst im Seniorenbereich erst ab der Gruppenliga. Dafür steht ihm Jonas Stehling zur Seite, der stellvertretende Kreisschiedsrichterobmann der Schiedsrichtervereinigung Marburg ist heute der Beobachter von Adrian. „Ich bin für Adrian in erster Linie Ansprechpartner“, sagt er, „und will ihm dabei helfen, sein erstes Spiel zu meistern“.

Beobachter werden den jungen Referees in ihren ersten Spielen immer zur Seite gestellt, denn Schiedsrichter sein, das ist mehr als das bloße Pfeifen. Außerdem schaut ihm heute sein Bruder Marten zu. Marten ist erst 12 Jahre alt, hat aber genau wie sein größerer Bruder den Anfängerlehrgang für Schiedsrichter erfolgreich absolviert und wird einen Tag später selbst sein erstes Spiel als Schiedsrichter leiten.

"Völlig neue Perspektive" auf das Spiel

Vor dem Spiel muss Adrian sich umziehen, den Spielberichtsbogen kontrollieren, seine Spielnotizkarte vorbereiten, die Passkontrolle abhalten und er muss den korrekten Aufbau des Platzes prüfen. Eine Checkliste, die er von seinem Anfängerlehrgang dabei hat, erinnert ihn an alle Punkte. Er ist einer von 20 jungen Schiedsrichtern, die in diesem Jahr den Abschlusstest bestanden haben und in diesen Tagen ihre ersten Spiele leiten. „Natürlich machen Schiedsrichter auch Fehler“, gibt sein heutiger Mentor Jonas Stehling zu bedenken, „aber man muss einfach lernen, mit Kritik umzugehen. Ein Schiedsrichter muss Entscheidungen nicht nur treffen, sondern sie auch vertreten können“. Meistens entscheidet sich bei jungen Schiedsrichtern wie Adrian etwa nach zehn Spielen, ob sie die Pfeife wieder an den Nagel hängen oder ob sie der Schiedsrichterei treu bleiben. Adrian pfeift an, schnell geht Wehrda in Führung, genauso schnell fällt der Ausgleich.

Bis zur Halbzeit führen die Hausherren mit 2:1, das Spiel geht ohne große Aufreger über die Bühne, entsprechend wenige knifflige Entscheidungen muss der junge Schiedsrichter fällen. Trotzdem wirkt er nach dem Pausenpfiff ein wenig aufgeregt wegen der vielen neuen Eindrücke: „Es ist eine völlig neue Perspektive auf das Spiel, die ich heute erlebe. Wenn man selber spielt, nimmt man so eine Partie völlig anders wahr“, sagt der Spieler der JSG Lahntal nach seiner ersten Halbzeit in der Rolle des Schiedsrichters.

In der Pause ist auch eine erste Zwischenbilanz fällig. In der Kabine nimmt sich Jonas Stehling seinen Schützling zur Brust und lobt ihn für sein erstes Spiel. Adrian habe zwei Abseitssituationen gut beurteilt, sollte aber noch etwas näher am Spielgeschehen sein und bei Auswechslungen das Spiel durch einen Pfiff hörbar unterbrechen. Kleinigkeiten, die der 14-Jährige in der zweiten Hälfte besser machen will.

Die beginnt, wie die erste aufgehört hat, das Spiel verläuft weiter ruhig. Eine Viertelstunde vor Schluss gelingt Wehrda aber der Ausgleichstreffer und es wird hektischer. Beide Trainer rufen jetzt häufiger ins Spielgeschehen und auch einige Akteure zeigen Nerven. Einmal ist ein Trainer unzufrieden mit einer von Adrians Abseitsentscheidungen und macht seinem Unmut Luft. „Aber in dem Moment habe ich mir gedacht: Ich habe es so gesehen und entschieden, damit ist es einfach so“, sagt Adrian nach dem Spiel über diese Szene.

Auch in einer anderen Situation muss sich der junge Unparteiische mit Protesten auseinandersetzen, obwohl er sich seiner Entscheidung sicher ist: Die Außenstehenden wollen eine Ecke zugesprochen bekommen, Adrian entscheidet aber auf Abstoß für den Gegner. „Das war auf der anderen Seite des Spielfelds und ich war viel näher dran“, verteidigt er diese Entscheidung im Nachhinein, „deswegen konnte auch nur ich sehen, dass ein Stürmer den Ball noch berührt hat, bevor er ins Toraus ging“.

Eine Lehre für die Laufbahn

Trotz der gestiegenen Hektik in der Partie waren das die beiden einzigen kniffligen Situationen für Adrian in der zweiten Hälfte. Schlusspfiff, die Mannschaften trennen sich mit einem 2:2- Unentschieden, Zeit für ein Fazit. Etwas erschöpft, aber zufrieden, sitzt Adrian nach Spiel-ende in der Schiedsrichterkabine. „Ich weiß, heute lief noch nicht alles so, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt er, „aber ich werde meine Lehren daraus ziehen und freue mich schon auf die nächste Aufgabe als Schiedsrichter“.

Auch bei den Außenstehenden hinterlässt Adrian einen guten Eindruck. „Er war heute sehr höflich und unaufgeregt“, meint etwa JSG-Trainer Mirko Wordell über Adrians Premiere als Unparteiischer, „und genauso ist es richtig. Aus ihm wird mal ein guter Schiedsrichter werden“.

von Thomas Engelmann

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