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Die Göttinger sind nicht amüsiert

"Schildbürgerstreich" Die Göttinger sind nicht amüsiert

Im Juli soll der erste Bauabschnitt der Ortsumgehung der B252 begonnen werden. Der fünf Kilometer lange Abschnitt zwischen Wetter und Goßfelden soll bis Herbst 2017 fertiggestellt sein. Doch er sorgt nicht nur für Freude.

Göttingen. „Ich habe zunächst an einen Druckfehler in der Zeitung gedacht“, sagt Wolfgang Kutsche aus Göttingen. Und so ging es wohl nicht nur ihm, als der OP-Bericht über die Verkündung des Baubeginns durch Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) am 16. Mai erschien. In ihrer jüngsten Ortsbeiratssitzung am Mittwoch beschäftigten sich die Göttinger nun genauer mit diesem Planungen. Und waren irritiert, dass sie noch immer wenig Konkretes wissen, aber sicher sein können, dass sie auf Jahre hinaus weiter auf ihren Teil der Umgehung warten müssen.

Wenig Verständnis für die Pläne zeigte in Göttingen auch Lahntals Bürgermeister Manfred Apell (SPD). Er sei bis zuletzt auch davon ausgegangen, dass der Bau bis Göttingen führen würde. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich zu Ende gedacht worden ist“, meinte Apell mit Blick auf mögliche Rückstaus an den jeweiligen Enden der Teilstrecke bei Goßfelden und Wetter, wo kurz darauf Bahnübergänge oder wie in Göttingen Ampeln folgen. Schnell machte am Mittwochabend das Wort „Schildbürgerstreich“ die Runde, denn so richtig helfe der Abschnitt zwischen Goßfelden und Wetter keinem, wenn nicht zumindest auch ein Anschluss südlich oder nördlich mitgebaut werde.

Nun gibt es zwar durchaus eine Entlastungswirkung auch durch diese Teilstrecke, doch vor allem in Göttingen und nördlich von Wetter fürchten die Bewohner, dass der Bau ihrer Ortsumgehungen in weite Ferne rückt, weil das vom Bund zur Verfügung gestellte Geld in Höhe von 20 Millionen Euro in einen Abschnitt fließt, der ihnen kaum Entlastung bringt.

In Todenhausen, Simtshausen und Münchhausen ändert sich demnach vor 2017 gar nichts, für Göttingen fällt mit der Fertigstellung der ersten Teilstrecke wohl vor allem der überregionale Verkehr weg, der auf der B62 in Richtung Frankenberg unterwegs ist und nicht schon in Biedenkopf auf die im Ausbau befindliche B253 (Sackpfeife) fährt. Profitieren werden unzweifelhaft Niederwetter und die Anlieger an der B252 in Wetters Osten. Die Umgehung verläuft künftig westlich von Wetter bis zur neuen Kreisstraße 123 zwischen Wetter und Amönau und würde dann vorläufig zurück auf die alte B252 geführt.

Lokal bringt das Teilstück „Goßfelden-Wetter“ wohl denen einen kleinen Zeitvorteil, die von Marburg über den Weißen Stein und Goßfelden Richtung Wetter fahren. Möglicherweise verstärkt sich dieser Verkehr dann auch nachts, weil die Schnellstraßenverbindung über B3, Cölber Eck und Göttingen nach Wetter demgegenüber an Attraktivität einbüßt, nicht zuletzt weil man zugleich einige Blitzanlagen und Tempo-30-Zonen umgehen könnte.

Im Ministerium sieht man das anders. Konkretere Informationen waren zwar gestern aus dem Ministerium nicht zu erhalten. Bei der Vorstellung der Pläne am 15. Mai hatte Rentsch aber betont, das geplante erste Teilstück habe einen „eigenständigen Verkehrswert“. Die Ortsdurchfahrten von Wetter, Niederwetter und Göttingen erführen eine deutliche Entlastung vom Durchgangsverkehr.

Die Göttinger waren da deutlich skeptischer. „Wisst ihr was das heißt?“, zürnte Ortsvorsteher Otto Selbmann: „Nix kriegen wir hier.“ Vielleicht, so Selbmann, müsse man deshalb auch wieder an eine Protestaktion wie beim „Herbstputz“ denken.

von Michael Agricola

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