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Die Betonfassade bröckelt

Sarnauer Kirche Die Betonfassade bröckelt

Der Marburger Architekt Michael Schneider-Lange und Pfarrer Wilhelm Hammann erläuterten dem Kirchenvorstand und Gemeindemitgliedern den Stand der Überlegungen zur Renovierung der Sarnauer Kirche.

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An der Fassade der Sarnauer Kirche wurden zu Demonstrationszwecken drei Felder angebracht, links Schiefer, rechts zwei aus Titanzinkblech. Das obere hat die richtige Form, das untere die richtige Farbe.

Quelle: Manfred Schubert

Sarnau. Die vom Marburger Architekten Berthold Himmelmann entworfene und nach etwa eineinhalb Jahren Bauzeit 1968 eingeweihte Kirche gelte heute als Pionierbau von der Gestaltung und Technologie her. Der Stahlbetonbau habe den Status eines Einzelkulturdenkmals, erläuterte Pfarrer Hammann und lobte die „Power“ und den Mut der Sarnauer, damals diese „super Kirche“ zu bauen.

Allerdings hat wie andernorts auch der Zahn der Zeit an der Außenfassade genagt, an einigen Stellen tritt die Eisenbewehrung zutage und zeigt Rost, Einsturzgefahr bestehe aber noch nicht. Anfang 2009 wurde ein Betongutachten erstellt, die Kostenschätzung für eine Sanierung mit Spritzmörtel lautete etwa 220.000 Euro. Mitte 2010 schlug Berthold Himmelmann wegen der Schadensanfälligkeit von Spritzmörtel stattdessen eine Verkleidung mit Schiefer vor. Das Landeskirchenamt fragte, ob auch eine Verkleidung mit Zinkblech in Frage käme. Beide Varianten werden mit etwa 180.000 Euro veranschlagt. Die Variante Kupferblech habe man laut Hammann wegen höherer Kosten und der Diebstahlgefahr des begehrten Metalls verworfen.

Dr. Bernhard Buchstab, zuständiger Bezirkskonservator beim Landesamt für Denkmalpflege in Marburg, gab zu bedenken, dass die jetzt hellgraue Kirche mit einer Schieferverkleidung viel dunkler und verschlossener und die Fenster wie Schießscharten wirken würden. Er empfahl, unbedingt Musterflächen anzulegen, was zum Sanierungsgespräch an der Vorderseite erfolgte.

Architekt Michael Schneider-Lange erläuterte den 23 Teilnehmern der Informationsveranstaltung, dass sich die Ansicht des Gebäudes ändern werde, egal, was passiere. Bis zur zweiten Fuge über dem Boden könne der dort schwere Beton saniert und in den ursprünglichen Zustand versetzt werden, darüber müsse man sanieren und schützen. Die unteren zwei Meter sollen nicht verkleidet werden, sonst sähe es aus, als ob die Kirche „aufsetze“.

Titanzinkblech sei heute in verschiedenen Farben, auch hellem Grau, verfügbar. Dabei handle es sich um durchmischtes Material, die Farbe ändere sich auch nach längerer Zeit, außer durch Schmutz, nicht. Ein Vorteil der Verblendung sei, dass man dahinter Dämmmaterial anbringen könne.

Der Kirchenvorstand muss sich nun für eine Variante aussprechen, vermutlich wird dies das helle Zinkblech sein. Die Landeskirche wird Ende des Jahres über die Genehmigung der Sanierungsmaßnahme entscheiden. „Je höher unser Eigenanteil an den Kosten, desto wahrscheinlicher wird die Sanierung genehmigt. Die in den geschätzten 180.000 Euro Gesamtkosten enthaltenen 11.000 Euro für das Gutachten sind bereits bezahlt. Von der Pfarrhausrenovierung sind noch 7.000 Euro übrig, etwa 4.000 bis 5.000 Euro an Spenden sind schon eingegangen, außerdem haben wir noch Geld aus einem Nachlass“, gab sich Hammann optimistisch.

Am 8. Mai gestaltet der Bläserkreis der Kurhessischen Kantorei um 17 Uhr ein Benefizkonzert in und für die Kirche.

von Manfred Schubert

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