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Die Angst vor höherem Tempo wächst

Mobilen Radarkontrollen und die Grenzen Die Angst vor höherem Tempo wächst

Seit Juni sind die stationären Blitzer auf den Bundestraßen 62 und 252 in den Kommunen Cölbe, Lahntal und Wetter ausgeschaltet. Das hat verschiedene Auswirkungen.

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Steht nur noch so da: Der Blitzer an der B 252 in Göttingen ist ebenso inaktiv wie seine „Kumpels“ weiter nördlich in Wetter und an der B 62 in Lahntal.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Lahntal. Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka sagte dieser Tage, dass er haushaltstechnisch mit einem Ausfall von 100000 Euro rechne, was allein darauf zurückzuführen sei, dass die Blitzer in Wetter und den Stadtteilen außer Dienst genommen werden mussten (siehe Hintergrund). Auch in Lahntal „schweigen“ die Blitzer. Die waren sowieso nicht alle gleichzeitig „scharf“, aber allein ihre­ Präsenz erinnerte Autofahrer daran, mal einen Blick auf den Tacho zu werfen, um zu checken, ob man noch im grünen Geschwindigkeitsbereich fährt.

So langsam hat es sich rumgesprochen, dass die Blitzer außer Dienst gestellt sind. Deshalb mehren sich auch die Befürchtungen, dass das innerörtliche Tempo wieder anzieht - dass wieder schneller gefahren wird.

Rainer Kieselbach, Mitglied der SPD-Fraktion im Lahntaler Gemeindeparlament, stellte deshalb eine kleine Anfrage an den Gemeindevorstand mit der Zielrichtung, dass „nur deutlich verstärkte mobile Radarkontrollen ein halbwegs ausreichender Ersatz für die außer Betrieb gesetzten stationären Anlagen sein können“.

Bürgermeister Manfred Apell bezog während der jüngsten­ Gemeindevertretersitzung im­ Sitzungssaal in Sterzhausen Stellung. „Tatsächlich ist durch den Wegfall der stationären Überwachung der Schwerpunkt nunmehr auf die mobile Geschwindigkeitsüberwachung zu legen. Dies sollte aus Sicht der Gemeinde sinnvollerweise ­innerhalb des Ordnungsbehördenbezirks der Nordkreiskommunen erfolgen.“

Doch schiebt er aber gleich ­eine Einschränkung nach: „Dabei ist jedoch zu bedenken, dass aufgrund der personellen Gegebenheiten und der technischen Ausstattung eine Erhöhung der Messtage in vier Kommunen nicht möglich ist.“ Die personellen Gegebenheiten und die technische Ausstattung sind eben nur ein System samt Fahrzeug und zwei Hilfspolizisten.

Nun doch selbst tätig zu werden, hält der Bürgermeister nicht für zielführend. Unter ­anderem aus Kostengründen hatte sich die Gemeinde seinerzeit für das Mietmodell der stationären Anlagen entschieden. Ohne konkreter zu werden sagte er, dass „vielmehr ein Dienstleistungsmodell favorisiert wird, welches den aktuellen rechtlichen Anforderungen entspricht“.

Kieselbach setzt deshalb auf eine zweite verkehrsberuhigende Maßnahme in Sterzhausen, die aber nicht in der Entscheidungskraft der Kommune liegt, weil es sich ja um eine Bundesstraße handelt. Die Gemeindevertretung hatte bereits im Mai den Gemeindevorstand damit­ beauftragt, mit den zuständigen Verkehrsbehörden über ­eine Ausweisung einer Tempo-30-Zone zu sprechen. Um auch Zahlen zu haben, hatte die Gemeinde mit einer Geschwindigkeitsmessanlage eine Verkehrszählung in der Wittgensteiner Straße (B62) vorgenommen. 85 Prozent der erfassten Fahrzeuge überschritten dabei nicht die Geschwindigkeit von 49 Stundenkilometern. Letztendlich betrug die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit 40 Stundenkilometer. Allerdings vertritt Apell die Meinung, dass eine solche Messung noch einmal zu unternehmen sei, wenn die stationären Messsäulen abgebaut sind. „Auch ohne System entfalten diese derzeit noch eine abschreckende Wirkung“, so Apells Begründung.

Eine andere Möglichkeit, ­eine Geschwindigkeitsreduzierung zu erreichen, könnte möglicherweise über den Lärmschutz gehen. Allerdings sieht da Apell eher nur Chancen für die Abend- und Nachtstunden, da die Schwellenwerte in den Tageszeiten deutlich höher liegen. Ein solcher Antrag wurde aber noch nicht gestellt.

Sterzhausen wird wohl auch auf lange Sicht mit dem Durchgangsverkehr zu kämpfen haben. Anders verhält es sich an den anderen Blitzer-Standorten Niederwetter, Wetter, Todenhausen, Simtshausen und Münchhausen. Bürgermeister Peter Funk reagiert auf die Blitzer-Abschaltung ohnehin etwas entspannter, weil Münchhausen nicht von dieser Regelung betroffen ist. Zudem kommt die Ortsumgehung. „Wenn der überregionale Verkehr aus unseren Orten raus ist, wird es ruhiger sein“, meint Funk. Derzeit genießt er privat als Anlieger der B236 ganz ungewohnte Ruhe, weil dort aufgrund der Bauarbeiten die Straße in Richtung Wollmar und Battenberg gesperrt ist. Er geht davon aus, dass der Restverkehr in Münchhausen nicht mit Blitzern dazu gebracht werden muss, sich an die „50“ zu halten. Und die Perspektive für Cölbe-Schönstadt? Dort freut man sich wenigstens, wenn die A49 bis nach Stadtallendorf ausgebaut wird. Dann darf auch dort mit Entspannung gerechnet werden.

von Götz Schaub

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