Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Der neue Anlauf in den Ruhestand

Karl-Ludwig Voss Der neue Anlauf in den Ruhestand

Wenn in der Stiftskirche am Sonntag Gemeindeglieder, Weggefährten, Familie und Freunde zu Ehren von Karl-Ludwig Voss zusammenkommen, feiern sie zum zweiten Mal Abschied vom Dekan „im Ruhestand“.

Voriger Artikel
„Heftige Schläge waren Standard“
Nächster Artikel
Schriftzüge, die die Welt nicht braucht

Dekan i.R. Dr. Karl-Ludwig Voss an seinem Klavier. Für die Musik hat er mit dem Ende seiner letzten Vakanzvertretung in Wetter nun mehr Zeit. Heute ist aber erstmal Grund zum Feiern: Voss wird 75 Jahre alt.Foto: Michael Agricola

Wetter. Um 14 Uhr hat die evangelische Gemeinde Wetter zum Kirchspielgottesdienst eingeladen, im Anschluss daran gibt es ein gemeinsames Kaffeetrinken, zu dem unter anderem auch Gäste aus Voss‘ ehemaliger Schwälmer Pfarrgemeinde und sogar ein Probst aus Malmö erwartet werden, der gemeinsam mit Dr. Voss ordiniert wurde.

Im Alter von fünf Jahren musste der gebürtige Breslauer 1945 mit seiner Mutter aus Danzig flüchten, kam erst nach Mecklenburg, dann ging es weiter bis nach Lübeck. Seine Jugend verbrachte der heute in Reddehausen lebende Dekan i.R. schließlich in Lüneburg.

Eines lässt sich auf jeden Fall sagen: Karl-Ludwig Voss, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, ist in seinem Leben viel rumgekommen. Und irgendwie ist er dabei immer seinem Herzen gefolgt - und gut damit gefahren. Nach dem Abitur in Lüneburg schloss er sich seinem besten Schulfreund an, der gern in Marburg studieren wollte.

Der junge Karl-Ludwig schrieb sich an der Theologischen Fakultät ein. In Marburg traf er 1962 Margareta, eine schwedische Studentin, die für ein Sommersemester an der Philipps-Universität zu Gast war. Sie wurde zur Liebe seines Lebens. Ihretwegen lernte Voss Schwedisch, folgte Margareta in ihre Heimat und wechselte nach dem ersten Examen an die Universität in Lund. Er absolvierte in Schweden sein Vikariat und wurde dort ordiniert. Seine erste Pfarrstelle trat der gebürtige Breslauer in Helsingborg an, der fünftgrößten Stadt in Schweden.

Zurück in die Gemeinde

Doch nach drei Jahren in einer großstädtisch geprägten Pfarrgemeinde bevorzugte Voss den Wechsel in eine eher ländliche Gegend. „Ich hatte das Gefühl, dass ich hier noch näher an die Menschen herankommen konnte“, sagt er. Es zog ihn also mit seiner Familie zurück nach Deutschland, wo er in der Schwalm, in Niedergrenzebach bei Ziegenhain, als Gemeindepfarrer anfing - und 26 Jahre blieb.

Auf Wunsch des damaligen Bischofs Christian Zippert trat Voss schließlich im Jahr 1994 sein Amt als Dekan des Kirchenkreises Marburg-Land an und blieb auch dieser Aufgabe elf Jahre treu. Zum Jahresbeginn 2005 wurde er in den Ruhestand verabschiedet, der sich am Ende allerdings als „Unruhestand“ entpuppte.

Denn Karl-Ludwig Voss rückte nach der Zeit als Dekan noch einmal „näher“ an seine Schäfchen heran. Er übernahm in den vergangenen zehn Jahren mehrere Vakanzvertretungen in Kirchengemeinden, vorwiegend in Wetter, aber auch in Schönstadt - und war auch sonst ein gern gesehener Gast in den Kirchen des Landkreises.

Auch mit 75 soll damit nicht völlig Schluss sein, verspricht Voss. „Ich höre mir gern an, was an mich herangetragen wird und entscheide dann, was ich mache.“ Eine längere Verpflichtung, etwa eine weitere Vakanzvertretung auf einer Pfarrstelle oder eine Konfirmandengruppe, werde er aber nicht mehr übernehmen.

Mehr Zeit will er jetzt seinen beiden anderen Leidenschaften widmen: dem Reiten und der Kirchenmusik. Als Texter und Komponist von Chorälen und Liedern, aber auch als Übersetzer von schwedischen Kirchenliedern ist Voss bekannt, er hat unter anderem zwei Liederbücher veröffentlicht.

„Reiten hält mich fit“

Im Mai wird eine von ihm ins Deutsche übertragene schwedische Messe im Tangostil unter dem Titel „Tanzen hat seine Zeit“ in der Heidelberger Heiliggeistkirche aufgeführt, erzählt Voss. Damit folge er auch ein wenig der Tradition seiner Eltern, die beide Musiker waren.

Weniger bekannt ist, dass der frühere Dekan ein begeisterter Reiter ist. Viermal pro Woche besteigt er auch heute noch sein Pferd, im Winter in der Halle, im Sommer im Gelände.

„Das hält mich fit“, lacht Voss. „Ich habe mich schon immer für Pferde interessiert“, sagt er. In seiner Zeit in Niedergrenzebach konnte er sich den Wunsch nach einem eigenen Pferd dann auch erfüllen. Denn er hatte dort einen Pfarrhof zur Verfügung, der Pferdehaltung erlaubte. Er züchtete und war als Reiter im Gelände und in der Dressur aktiv. Heute lässt er es gleichwohl im Sattel etwas gemächlicher angehen.

In Wetter sind die Lücken, die Voss in den vergangenen Jahren als Vertretungs-Pfarrer ausfüllte, übrigens inzwischen geschlossen. Nach Dr. Matthias Franz, der den Bezirk Wetter I betreut, ist in Svenja Neumann seit dem 1. Januar auch Voss‘ Nachfolgerin für die zweite, inzwischen nur noch halbe Pfarrstelle für Wetter, Todenhausen und Niederwetter wieder besetzt. Ihr offizieller Einführungsgottesdienst findet im Februar statt.

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr