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Der letzte Faustschlag ist einer zuviel

Haft Der letzte Faustschlag ist einer zuviel

 Weil er bei einem Discobesuch grundlos einem Mann ins Gesicht geschlagen hat, muss ein 25-Jähriger aus dem Nordkreis für sechs Monate ins Gefängnis. Das Marburger Amtsgericht sah bei dem mehrfachen „Bewährungsversager“ keine Chance mehr auf eine Aussetzung der Strafe.

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Quelle: Archivbild

In den frühen Morgenstunden sei der junge Mann vom Sicherheitsdienst aus der Discothek im Nordkreis gewiesen worden, so die Anklageschrift. Draußen habe es Diskussionen gegeben, bevor der Angeklagte einem völlig Unbeteiligten unvermittelt ins Gesicht geschlagen habe, eine Platzwunde und Kopfschmerzen waren die Folge.
Das Opfer nahm die Sache erstaunlich locker. Er sei ja selbst Discogänger und wisse, dass es dort oft zu Reibereien komme, so der 42-Jährige vor Gericht. Er sei an dem Abend gerade gekommen, vor der Tür habe es mit mehreren Gruppen Ärger gegeben, berichtete er. „Aus dem Nichts kam dann eine Faust.“ Als Täter könne er den Angeklagten identifizieren. Für die blutende Wunde habe er sich ein Pflaster geben lassen, einen Arztbesuch habe er für unnötig gehalten, so der Zeuge.

1,75 Promille im Blut

Nach dem Vorfall habe er drinnen mit Bekannten zusammengesessen, bis er herausgerufen worden sei, weil inzwischen die Polizei gerufen worden war. Den Strafantrag habe er nur unterschrieben, weil er gedacht habe, das müsse er tun. Dass die Sache vor Gericht lande, das habe er bestimmt nicht gewollt, zumal sich der Angeklagte inzwischen auch telefonisch entschuldigt habe.
Dieser betonte, aufgrund seines Alkoholkonsums, ein Atemtest ergab 1,75 Promille, sich nicht mehr an den Schlag erinnern zu können. Aber wenn es so gewesen sei, wolle er auch die Verantwortung übernehmen.
Gericht ist „pessimistisch“
Dreimal sei er bereits wegen ähnlicher Taten unter Alkoholeinfluss zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, warf ihm Richter Dominik Best vor. Als Auflage habe er zuletzt die Abstinenz auferlegt bekommen. Warum er trotzdem getrunken habe, wollte der Richter wissen. „Meine Freundin hat mich an diesem Tag verlassen“, so die Begründung. „Ich war stark alkoholisiert, was ich wirklich nicht sein sollte, ich weiß, dass ich dann nicht mehr der bin, der ich sonst bin.“
Die Verteidigung plädierte noch einmal auf Bewährung. Der junge Mann habe sein Leben nun umgekrempelt, meide Feste oder Ähnliches und sei wirklich abstinent. Zudem habe er wieder eine feste Freundin und eine Arbeit.
Das Gericht folgte dagegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft. Drei Bewährungen hätten nichts genutzt und selbst die engmaschige Begleitung der Bewährungshilfe, wie sie der Anwalt angeregt hatte, reiche nicht aus. „Das Gericht ist pessimistisch“, so Best, „es glaubt, dass dies nicht die letzte Anklage ist“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause

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