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Der angeknabberte Berg verändert sich

Sandtagebau Rickshell Der angeknabberte Berg verändert sich

Sand wird auf der Kuppe zwischen Goßfelden und Wehrda seit jeher gewonnen. Nun stellt sich die Frage, wo soll weiter gebaggert werden? Die Gemeinde Cölbe hat dazu eigene Vorstellungen.

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Der Sandtagebau „Am Rickshell“ oberhalb von Goßfelden. Am rechten Bildrand will die Betreiberfirma Barth künftig weiter Quarzsand abgraben, links wird der Berg schon wieder langsam mit Erde aufgefüllt.Foto: Michael Agricola

Cölbe. Der Rickshell ist eine markante Erhebung zwischen Goßfelden und Cölbe, verewigt unter anderem schon durch Märchenzeichnungen des Ill­ustrators Otto Ubbelohde. Zugleich ist dort seit vielen Jahren ein Quarzsandabbaubetrieb ansässig, der Meter um Meter von der weißen Steinbruchkante abknabbert.

Nun hat die seit dem Jahr 2010 auf dem Gelände tätige Betreiberfirma Barth Tiefbau aus Lohra im Rahmen einer vom Regierungspräsidium Gießen geforderten bergrechtlichen Genehmigung eine Erweiterung des Abbaugebiets beantragt. Doch das will die Gemeinde Cölbe, auf deren Gebiet der Rickshell liegt, nur zum Teil mitmachen.

Firmenvertreter hatten im Cölber Ortsbeirat vor kurzem die Pläne vorgestellt. Dieser bat um frühzeitige Einbindung bei der weiteren Planung durch die Firma, stand dem Vorhaben jedoch nicht ablehnend gegenüber. Der Gemeindevorstand um Bürgermeister Volker Carle (parteilos) dagegen gab in der Anhörung der Träger öffentlicher Belange eine anderslautende Stellungnahme zum Antrag der Firma Barth ab.

Schon jetzt seien die Arbeiten über die bislang genehmigte Abbruchkante hinaus erfolgt, so Carle. Vor allem aber stört den Gemeindevorstand eine potenzielle Abbaufläche, die der Antrag beim RP zunächst zeitlich unbestimmt als weitere Abbaufläche in die Planung mitaufnehmen möchte.

Diese Fläche befindet sich am südlichen Ende des Rickshell und würde südöstlich zwischen diesem und dem Heideberg in Richtung Cölbe verlaufen.

Wichtig zur Naherholung

Carle begründet die Vorbehalte der Gemeinde mit der Naherholungsfunktion, die das Waldgebiet zwischen Goßfelden und Cölbe für die Bevölkerung habe. Deshalb sei es in einem vorabgestimmten Entwurf des Flächennutzungsplans der Gemeinde auch entsprechend ausgewiesen. Der Wald dort sei einzigartig für den von den anderen Seiten durch die Bundesstraße 3 von anderen Wäldern abgeschnittenen und lärmbelasteten Kernort Cölbe.

Er dürfe deshalb nicht durch den Abbau so zerschnitten werden, findet Carle. Im Wald zwischen Hippersberg, Heideberg und Rickshell verlaufen mehrere, zum Teil überregionale Wanderwege, der geplante Abbau in Richtung Südosten würde eine breite Schneise ergeben, die das Naherholungserlebnis empfindlich beeinträchtigen würde, so die Stellungnahme der Gemeinde Cölbe.

„Wir versuchen immer, den bei uns ansässigen Unternehmen frühzeitig Planungssicherheit zu geben, was zu machen ist und was nicht“, sagt Carle, der die Stellungnahme nicht als striktes Nein zu den Ausbauplänen der Firma Barth verstanden wissen will. Der frühe Hinweis geschehe nicht zuletzt auch deshalb, um Firmen unnötige Planungen und damit verbundene Kosten zu ersparen.

Statt der Erweiterung der Abbaufläche in südöstliche Richtung schlägt Carle den Weg vom Rickshell nach Süden vor, das heißt in Richtung der Landesstraße 3381 zwischen Goßfelden und Wehrda. Bei Klaus Barth, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma, stößt er damit durchaus auf offene Ohren.

Aus Abbausicht „würden wir die dortige Tallage ebenfalls bevorzugen, weil der Sand dort leichter abzubauen ist als am Berg“, sagt Barth. Erstmal gehe es aber darum, die vom RP geforderte Genehmigung zu bekommen, dann werde man in der Rahmenbetriebsplanung festlegen, wo Erweiterungsflächen sein könnten.

Berg wird wieder aufgefüllt

Wenn man dazu auf Wanderwege zugreifen müsste, würde man sie auch verlegen, so wie die Firma auf eigene Kosten für Spaziergänger auch schon einen neuen Weg am Betriebsgelände vorbei angelegt hatte, so Barth. Mit der jetzigen Planung könne man noch zwei bis drei Jahre weiter Sand abbauen, aber auch am südlichen Rand des Berges werde man noch weiter arbeiten. Der mit einem hohe Quartzanteil durchsetzte Sand des Rickshell sei als Bodenschatz eingestuft, und für Bodenschätze gelte der Grundsatz, dass sie auch gehoben werden sollten, so Barth.

Parallel zum Sandabbaubetrieb läuft im übrigen die Rekultivierung der bereits ausgebeuteten Rickshellseite. Dort wird der Berg mit Aushub-Erde wieder aufgefüllt, wobei dazu die angelieferte Erde laut Klaus Barth mittels einer Siebanlage aufbereitet und von Fremdstoffen befreit wird. Der Kamm des Erdaufbaus am Rickshell ist im übrigen vom Wehrdaer Gewerbegebiet aus schon gut zu erkennen.

von Michael Agricola

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