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Der Traum vom Glück und die Brutalität des Lebens

Theater an der Wollenbergschule Der Traum vom Glück und die Brutalität des Lebens

Flüchtlinge haben oft schwerwiegende Gründe für ihre Flucht aus ihrem Heimatland und haben sämtliche Grausamkeiten des Lebens schon kennengelernt.

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Zum Schluss gab es von der Gesamtleiterin des Stücks Monika Eller-Lüers Blumen für die Darsteller.

Quelle: Elvira Rübeling

Wetter. Was bewegt Menschen aus anderen Ländern, nach Deutschland zu fliehen? Ist es nur die Aussicht auf ein besseres Leben oder steckt da nicht doch noch viel mehr dahinter, wie etwa die Angst, in der Heimat getötet oder gefoltert zu werden?

Genau diesen Fragen sind 21 Schüler des Kurses „Darstellendes Spiel“ in der Wollenbergschule Wetter, unter der Leitung von Lehrerin Monika Eller-Lüers neun Monate lang nachgegangen und haben sich intensiv damit auseinandergesetzt. So entstand aus ihrer Feder das Theaterstück „Dream of a better life.“

In insgesamt 37 Szenen wurde sehr facettenreich die gesamte Flüchtlingsproblematik unerbittlich aufgezeigt, aber auch Mut gemacht und neue Perspektiven eröffnet. In ihrer Einführung im Foyer des Forums der Wollenbergschule, hatte Eller-Lüers zunächst die Zuschauer auf das sehr emotional geprägte Stück vorbereitet. Mit ihrer Aussage „dass sie sehr stolz auf ihre Schülerinnen und Schüler sei“, hatte sie ganz und gar nicht übertrieben: Es geht um drei minderjährige Geschwister aus Ägypten. Ihr Vater wird während der Revolution in ihrem Beisein im eigenen Haus vom Militär erschossen. Als die Mutter ebenfalls stirbt, steht für die Kinder fest, dass sie aus ihrem Land fliehen müssen, wenn sie eine Zukunft haben wollen. Übers Meer, in einem Boot von Schleppern mit anderen Flüchtlingen gnadenlos zusammengepfercht, führt ihr Weg aus einem Auffanglager in Italien weiter nach Deutschland. Dort hagelt es Probleme: Diskriminierung, Vorurteile, Sprachschwierigkeiten, Rassismus, Angst, Armut, Einsamkeit, Bildungslücken, Unterdrückung.

Ihre Kultur, aber insbesondere auch die deutsche Bürokratie sorgt für Schwierigkeiten bei der Eingliederung. Dazu werden die Geschwister auch noch getrennt. Die beiden Schwestern kommen in eine Pflegefamilie. Der Bruder bleibt in einer Wohngruppe. Seine unerträgliche Situation verbessert sich erst, als er sich mit einer Mitschülerin, die ihm immer wieder hilft, anfreundet. Eines Tages wird er sogar in die Talkshow „Auf den Punkt gebracht“ eingeladen, in der er dann seine Situation schildern darf. Und dort trifft er auch seine beiden Schwestern wieder, die er inzwischen fünf Jahre lang nicht mehr gesehen hat....

Die vielen Stationen der drei Flüchtlingskinder bis zur Integration in Deutschland wurden von den Darstellern überzeugend in Szene gesetzt. Die eigens für das Stück komponierte Musik von Jane Klingelhöfer beeindruckte wie die Darsteller selbst, ein teilweise vor Entsetzen und auch aus Scham sprachlos gewordenes Publikum. Erst im zweiten Teil kullerten auch mal Lachtränen über die längst feucht gewordenen Augen.

von Elvira Rübeling

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