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Der Nachbar hilft beim Rasenmähen

GUt leben in Oberrosphe Der Nachbar hilft beim Rasenmähen

Wenn man älter wird, ­fallen viele Dinge nicht mehr so leicht - etwa das Abhängen von Gardinen, um sie endlich mal wieder zu waschen. In Oberrosphe helfen dabei die Nachbarn gerne.

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Brunhilde Chaloupka (links) und Karin Krebs organisieren die Nachbarschaftshilfe in Oberrosphe. Dazu gehören kleine Alltagshilfen wie Rasenmähen oder Fahrten zum Arzt.

Quelle: Patricia Grähling

Oberrosphe. Früher lebten viele Generationen unter einem Dach. Da fiel das Älterwerden leichter: Die Gartenarbeit hat der Sohn übernommen, die Einkäufe die Schwiegertochter. Heute leben viele ältere Menschen alleine, die Kinder und Enkel oftmals in fernen Städten oder Ländern. Damit diese Menschen trotzdem möglichst lange in ihrem Haus leben können, hat sich in Oberrosphe eine Nachbarschaftshilfe gegründet. Die ist Teil des noch jungen Vereins „Gut leben auf dem Dorf - hier in Oberrosphe“. Der wurde im April 2015 gegründet.

Die engagierten Mitglieder des Vereins wollten im Bereich der Nachbarschaftshilfe sofort einsteigen. Die Vorsitzende Brunhilde Chaloupka, die stellvertretende Kassiererin Karin Krebs und deren Helfer wurden jedoch schnell ernüchtert: „Wir mussten vorher so viel Organisatorisches machen“, sagt Chaloupka. Vor allem Versicherungsfragen mussten geklärt werden. Starten durften die Mitglieder mit der Nachbarschaftshilfe daher erst in diesem Sommer. „Deswegen hatten wir auch noch nicht so viele Anfragen“, sagt Krebs. „Es muss ja erst einmal bekannt werden.“ Sie selbst hat beispielsweise schon einem Mann im Dorf Gesellschaft geleistet, während eine andere Helferin dessen Frau zum Einkaufen gefahren hat. Auch Chaloupka hat bereits Fahrten übernommen - zum Einkauf und zur Bank nach Wetter. „Bis auf einen Lebensmittelladen haben wir in Oberrosphe ja nichts mehr“, erklärt sie. Dadurch kam vor drei Jahren auch die Idee zustande, sich untereinander selbst zu helfen. Zwei Jahre Vorarbeiten sind laut Chaloupka nötig gewesen, um den Verein aus der Taufe zu heben, der auch das Dorfgemeinschaftshaus übernommen hat. 45 Mitglieder waren bei der Gründung dabei, heute zählt der Verein 133 Mitglieder - auch weil in der Nachbarschaftshilfe nur helfen oder Hilfe in Anspruch nehmen kann, wer auch im Verein ist. Das sei wichtig für die Versicherung.

Helfer bekommen „einen kleinen Obolus“

Die Nachbarschaftshelfer haben eine ganze Liste an kleinen Alltagshilfen aufgestellt, die von den Oberrosphern in Anspruch genommen werden können. Dabei gibt es auch Hilfen für Familien, etwa Bastelangebote für Kinder oder Babysitting. Aber auch Rasen mähen, mal die Wohnung putzen oder Fahrten zum Arzt oder dem Supermarkt sind möglich. „Wir sind keine Konkurrenz zu Sozialdiensten“, erklärt Krebs, die selbst bei der Diakonie in Wetter im Bereich der Hauswirtschaft und Betreuung arbeitet. Es gehe auch nicht darum, eine Putzfrau zu vermitteln oder jemand, der jede Woche den Rasen mäht. Es gehe nur um kleine Nachbarschaftshilfen, die aber auch bezahlt werden. Zehn Euro pro Stunde zahlt jemand, der Hilfe in Anspruch nimmt, wie Chaloupka erklärt. Wer anderen hilft, bekomme dafür 8,50 Euro pro Stunde. Ein kleiner Obolus sei schon nötig, um Helfer zu gewinnen. Schließlich wolle der Verein nicht verlangen, dass alles kostenlos gemacht werde. „Der Helfer kann aber selbst entscheiden, ob er das Geld nehmen möchte oder ob er es dem Verein spendet.“ Denn der trägt die Versicherungskosten und will ein Konzept erstellen, um ein Vereinsauto für die Begleitfahrten anbieten zu können. „Derzeit muss noch jeder mit seinem Privatauto fahren“, erklärt die Vorsitzende.

Chaloupka und Krebs helfen nicht nur selber den Menschen in Oberrosphe, sie koordinieren die Nachbarschaftshilfe auch. Dafür stehen mittlerweile insgesamt 23 Oberrospher zur Verfügung. „Uns freut es besonders, dass auch viele sehr junge Menschen Anfang 20 dabei sind und helfen wollen“, betont Krebs.

Wenn ein Nachbar nun Hilfe beim Abhängen von Gardinen benötigt oder zum Arzt gefahren werden möchte, ruft er bei den Koordinatorinnen an. „Wir schauen dann, welche unserer Helfer sich für welche Alltagshilfen bereiterklärt haben und telefonieren sie ab“, sagt die Vorsitzende. Denn die Helfer haben vorher in einer Liste angekreuzt, was sie gerne machen würden - egal ob Babysitting, kleine Reparaturen oder Fahrten.

„Wichtig ist uns vor allem, dass der Kontakt im Dorf besser wird und die Menschen aufeinander zugehen, dass das Dorfleben stimmt“, sagt Chaloupka.

von Patricia Grähling

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