Hochspannung in der Stromfrage im Lahntaler Parlament: Die Warnungen der sechs CDU-Abgeordneten (rechte Bildhälfte) blieben in Caldern erfolglos.
Caldern. Mit 20:6 Stimmen hatte die Lahntaler Gemeindevertretung kurz zuvor die Stromkonzession für das Elektrizitätsnetz ab 2012 an den Eon-Konkurrenten Stadtwerke Marburg vergeben und damit praktisch ein erstes Puzzleteil aus dem Eon-Netzverbund herausgelöst.
Das Ergebnis der Sitzung war für den bisherigen Stromnetzbetreiber Eon die erste Niederlage im Landkreis, doch es stehen noch zahlreiche „Abwehr-Schlachten“ bevor: allein im Kreis laufen Ende nächsten Jahres 19 Konzessionen aus, im gesamten Netzgebiet der Eon Mitte AG sind es mehr als 100.
Die Gemeindevertreter – mit Ausnahme der CDU, die geschlossen mit Nein stimmte – verbinden hingegen mit diesem Schritt eine konkrete Vision: den Rückkauf, die „Rekommunalisierung“ des Stromnetzes, nicht zuletzt für nachfolgende Generationen. Oder, wie die SPD-Vertreter es mehrfach formulierten: „Das Netz soll den Bürgern gehören!“
Mit der Entscheidung, die sie nicht als Entscheidung gegen Eon, sondern „für die Gemeinde und ihre Bürger“ verstanden wissen wollten, setzte die Mehrheit der Parlamentarier einen Prozess in Gang, dessen Ausgang zunächst offen bleibt. Denn mit der Stromkonzessionsvergabe steht zwar fest, dass Eon sein Netz in Lahntal an einen neuen Betreiber verkaufen muss, zu einem Preis, der vermutlich aber erst vor Gericht geklärt wird. Erst wenn dieser feststeht, kann die Frage entschieden werden, ob die Gemeinde finanziell in der Lage ist, das Netz selbst zu erwerben und gemeinsam mit den Stadtwerken Marburg zu betreiben.
von Michael Agricola
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