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Privatwagen-Vermietung

Das Auto gibt er nicht an jeden ab

Viele Familien haben zwei Autos, selbst wenn eines der Fahrzeuge nicht immer gebraucht wird und oft tagelang vor dem Haus steht. Dirk Orthwein aus Cölbe vermietet sein Auto daher tageweise privat an privat.
Immer mehr Autobesitzer gehen dazu über, ihr Fahrzeug auf Internet-Plattformen privat als Mietwagen anzubieten. Foto: Tobis Hirsch

Immer mehr Autobesitzer gehen dazu über, ihr Fahrzeug auf Internet-Plattformen privat als Mietwagen anzubieten.

© Tobias Hirsch

Cölbe. „Ich finde die Idee gut, mein Auto anderen zur Verfügung zu stellen, wenn ich es nicht brauche“, erklärt Dirk Orthwein.
Er habe vor einem Jahr einen Audi A4 als Zweitwagen gekauft, weil neben seiner Frau mittlerweile auch die gemeinsamen Kinder das Familienauto nutzen. Als selbstständiger Unternehmer in der Finanzbranche arbeite er viel vom heimischen Büro aus. „Ich weiß eigentlich schon vier Wochen vorher, wenn ich einen Termin habe, für den ich mein Auto brauche“, erklärt Orthwein. An allen anderen Tagen vermietet er das Auto, wenn Interessenten es haben möchten. „So kann ich auch einen Teil der Kosten – etwa Reparatur und Versicherung – wieder reinholen.“

Die Versicherung für das Auto wird durch die Vermietung an Privatleute für Orthwein nicht teurer. Denn er vermietet über zwei verschiedene Internetplattformen – und die versichern die Autos für den Zeitraum der Vermietung separat.
Eine dieser Plattformen ist Tamyca, die zweite nennt sich Drivy. „Ich lege bei beiden Anbietern den Preis fest“, erklärt Orthwein. Neben einer Tagespauschale gibt er eine Kilometerpauschale an. Davon bekommen die Plattformen jeweils einen gewissen festgelegten Prozentsatz – für die Serviceleistung und Betreuung, sowie für die Versicherung. „Das läuft ganz unkompliziert ab“, erklärt er: Über die Plattformen könne man sehen, wann sein Auto verfügbar ist – und es anfragen, wenn alles passt. „Dann schreiben wir in der Regel ein paar Mails und dann nehme ich den Auftrag über die Plattform an“, erklärt Orthwein.

Dann muss der Mieter vorab an den Online-Vermittler die vereinbarten Pauschalen überweisen, um sich bei Orthwein das Auto abholen zu können. „Eigentlich muss der Mieter zu mir kommen und das Auto holen. Aber für mich ist es auch Service, wenn ich denjenigen am Bahnhof abhole oder in der Stadt.“ So habe er einen Mieter am Hauptbahnhof abgeholt, der aus Bonn kam, um sich den Audi für zwei Wochen abzuholen – oder mal eben einen Studenten in der Innenstadt.

„Bevor der Mieter wegfährt, fotografiere ich das Auto von allen vier Seiten und mache ein Übergabeprotokoll“, erklärt Orthwein. Schäden hat sein recht junger Audi keine, also kommen keine Aufzählungen in das Protokoll. Üblich ist: Der Tank wird bei Vermietung gefüllt und das Auto kommt am Ende vollgetankt zurück. Bei Schäden haftet die Versicherung genauso, wie wenn Orthwein selbst gefahren wäre.

In der Ferienzeit gibt es die meisten Anfragen

Es gibt sowohl eine Vollkasko, als auch eine Teilkasko. Fährt der Mieter das Auto kaputt, greift die Versicherung. Einzige Ausnahme: „Hat das Auto eine Panne, an der der Mieter nicht schuld ist, dann ist es, wie wenn ich eine Panne hätte: das wird nicht bezahlt.“

„Negative Erfahrungen hatte ich noch keine“, sagt der selbstständige Unternehmer. Keine Schäden, das Auto sei immer sauber zurückgegeben worden. Und Knöllchen? „Die gab es auch. Aber dann kontaktiere ich den Mieter. Bisher haben diejenigen immer ganz unkompliziert bezahlt.“ Wenn derjenige nicht zahlen würde, dann könne Orthwein auch die Vermietungsplattform einschalten. „Aber das kann man auf dem kleinen Dienstweg regeln. Sonst entstehen für den Mieter zusätzliche Kosten.“

Dass Orthwein bislang keine Probleme hatte, liegt sicher auch daran, dass er seinen Audi  nicht an jeden vermietet. „Ich bin vorsichtig bei Anfragen von Leuten, die sich gerade erst bei den Plattformen angemeldet haben und nichts über sich verraten, keine Profilbilder haben“, erklärt Orthwein. Voraussetzung für eine Vermietung gibt es schon von den Plattformen aus: Die Fahrer müssen zwischen 23 und 69 Jahre alt sein und mindestens drei Jahre einen Führerschein haben. Führerscheinnummer und Personalausweis kontrolliert Orthwein dann  nochmal bei der Übergabe des Autos.

Viele Anfragen bekommt Orthwein von Studenten, die in den Ferien mal nach Hause oder in den Urlaub wollen – ohne Bus und Bahn. „Aber ich bekomme auch Anfragen von Leuten, deren Auto kurzfristig kaputt ist und die dringend irgendwo hin müssen“, erklärt der Auto-Vermieter. Manchmal fragen auch Leute an, die kein Auto besitzen, keins brauchen – aber am Wochenende mal einen Ausflug machen möchten.

Am häufigsten wollen Menschen das private Auto laut Orthwein mieten, wenn Ferien sind. Und die meisten Anfragen kämen von jüngeren Menschen. „Es ist schön, wenn man dann helfen kann – auch kurzfristig.“

von Patricia Grähling


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