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Das Aus für den Windpark Wollenberg

Naturschutz Das Aus für den Windpark Wollenberg

„Wir haben rechtzeitig die Reißleine gezogen“, sagt der Geschäftsführer der Marburger Stadtwerke, Rainer Kühne, über das gescheiterte Projekt Windpark Wollenberg.

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Im Wollenberg auf dem Gebiet der Kommunen Lahntal und Wetter sollte ein Windpark entstehen – die Pläne scheitern jetzt an
Vorkommen von Mops- sowie Bechsteinfledermaus.Foto: Martina Koelschtzky

Wetter. Der Windpark auf dem Wollenberg liegt auf Eis: Gestern haben die Stadtwerke Marburg, die dort gemeinsam mit den Gemeinden Lahntal und Wetter bis zu sechs Windräder bauen wollten, den laufenden Genehmigungsantrag beim Regierungspräsidium zurückgezogen. Das seit Anfang 2013 laufende Genehmigungsverfahren hatte bis zu sechs Windräder auf den Wollenberg zwischen Brungershausen und Sterzhausen vorgesehen.

Obwohl die geplanten Windräder teilweise in einem FFH-Gebiet gelegen hätten, sah ein erstes Naturschutzgutachten im Auftrag der Stadtwerke dort keine Hindernisse. Für eine positive Bewertung sorgte vor allem, dass die meisten Windräder bei leichter Verschiebung der Standorte auf Windwurfflächen errichtet werden sollten. Auch Großvögel wie Rotmilan oder Bussard schienen nicht beeinträchtigt.

Neu im Spiel ist die Mopsfledermaus. Deren Schutz wird in neuen Richtlinien, die das Land Hessen Ende 2013 bekannt gab, hoch bewertet. Einen entsprechenden Hinweis erhielten die beteiligten Kommunen im Dezember 2013 vom Regierungspräsident Lars Witteck (CDU).

Die Stadtwerke gaben ein weiteres Gutachten in Auftrag, auch weil ihnen das bereits vorhandene nicht tiefgehend genug schien, berichtet Kühne. Nun seien die Ergebnisse des zweiten Gutachtens mitgeteilt worden - und dies habe die Stadtwerke veranlasst, den Genehmigungsantrag in Gießen zu stoppen: Sowohl die Mopsfledermaus als auch die Bechsteinfledermaus kommen im Bereich von fünf der geplanten sechs Windräder vor.

„Wir haben den Bürgern von Anfang an versprochen, dass wir nicht auf Flächen bauen werden, die vom Naturschutz her bedenklich sind“, betonten die Bürgermeister von Lahntal und Wetter, Manfred Apell (SPD) und Kai-Uwe Spanka (parteilos). Sie haben eine gemeinsame Erklärung verfasst, in der es heißt: „Es ist für uns ausschlaggebend, dass diese geschützte Art dort ihre Jagdgebiete hat. Die einzige aus dieser Sicht vertretbare Windenergieanlage auf dem Wollenberg ist allein nicht wirtschaftlich zu betreiben.“

Dennoch ist Apell nicht glücklich mit der Entwicklung. Er kritisiert vor allem, dass zu Beginn der Planungen noch keine Behörde die Mopsfledermaus erwähnt habe.

„Wir haben noch keinen Cent ausgegeben“

„Der Bund und das Land haben zwar alle Kommunen und Bürger aufgerufen, sich an der Energiewende zu beteiligen, was wir ja auch gerne tun wollen, aber sie haben es versäumt, Rechtssicherheit für solche Planungen zu schaffen“, sagt er. Andere Standorte in seiner Gemeinde sieht er derzeit nicht. „Aber sobald sich ein anderer Standort abzeichnet, werden wir das auf jeden Fall prüfen. Schließlich hat die Gemeindevertretung sich immer wieder einstimmig für Windenergie ausgesprochen“, sagt Apell.

Kosten kommen auf die Gemeinden wegen des Abbruchs nicht zu. „Wir haben noch keinen Cent ausgegeben für Einlagen oder andere Investitionen“, betont Apell. Natürlich seien auch der Personaleinsatz und die Bürgerhäuser für die vielen Informations- und Bürgerveranstaltungen nicht umsonst, „aber das sind wir unseren Bürgern schuldig. Wir haben von Anfang an die größtmögliche Transparenz versprochen.“

Stadtwerke-Geschäftsführer Kühne erwartet, dass die Kosten für die Stadtwerke am Ende unter 100000 Euro liegen werden. „Wir müssen die beiden Gutachten und noch unbekannte Verwaltungsgebühren für das abgebrochene Verfahren zahlen.“ Alle Vorarbeiten von der Planung der Trassen bis zur Vorbereitung der geplanten Fundamente oder Begehungen mit interessierten Bürgern habe man mit eigenem Personal bewerkstelligen können.

Zudem sieht Kühne die 100000 Euro als Investition in die Zukunft: „Wir wollen jetzt dort nicht bauen. Aber die Rechtslage kann sich in wenigen Jahren ändern und die anderen ökologischen Bewertungen sehen gut aus. Zudem sieht der noch nicht verabschiedete Teilregionalplan Energie Mittelhessen auch eine Erweiterung der Vorrangfläche auf dem Wollenberg vor. Vielleicht können wir dort in wenigen Jahren einen Windpark bauen.“

von Martina Koelschtzky

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