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Zaungäste hinterlassen viel Chaos

Sautrogrennen in Sarnau Zaungäste hinterlassen viel Chaos

Sarnau ist aufgrund des stets spaßigen Sautrogrennes am 1. Mai Ziel vieler Ausflügler. Einige Zaungäste feiern dabei aber lieber ihre eigene Party - und das zunehmend ausufernd.

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Die Bushaltestelle „Lahnbrücke“ in Sarnau wurde am 1. Mai beschädigt.

Quelle: Götz Schaub

Sarnau. In diesem Jahr ist nach 2011 und 2013 das Sautrogrennen, das traditionell am 1. Mai von der Freiwilligen Feuerwehr Sarnau ausgerichtet wird, im Nachgang wieder etwas in die Negativschlagzeilen geraten.

Im Polizeibericht zu Vorkommnissen am 1. Mai heißt es, dass die Polizei „rund um das Sautrogrennen in Sarnau“ einige Einsätze zu fahren hatte. Es kam zu mindestens zwei Vorfällen, bei denen mehrere Beteiligte aufeinander losgingen und es zu diversen Sachbeschädigungen kam, heißt es in dem Bericht, der auch in der OP veröffentlicht wurde. In der Hauptstraße wurde für alle noch sichtbar das Dach der Bushaltestelle „Lahnbrücke“ beschädigt.

Lahntals Bürgermeister Manfred Apell nahm die Vorkommnisse zum Anlass, in seiner Kolumne in „Lahntal aktuell“, dem amtlichen Bekanntmachungsorgan der Gemeinde, dazu Stellung zu nehmen.

Er bedauert die Vorkommnisse und stellt fest: „Das ist kein Ruhmesblatt für unsere Gemeinde, für Sarnau und den Veranstalter“. Des Weiteren teilt er mit, dass die Auflagen der Gemeinde für die Genehmigung der Veranstaltung „wohl überwiegend nicht eingehalten“ wurden. Deshalb habe die Gemeinde den Veranstalter um eine Stellungnahme oder ein Gespräch gebeten. Bernd Peter, Vorsitzender und Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Sarnau, zeigte sich wenig erbaut vom Inhalt der Kolumne. Von der OP befragt, wie er die Vorkommnisse vom 1. Mai in Sarnau bewerte, wollte er nicht zu viel vorweggreifen.

Das Sautrogrennen selbst ist gar nicht das Ziel

Fakt sei aber, dass die Feuerwehr das in ihrer nächsten Vorstandssitzung Ende des Monats zum Thema machen werde. Doch möchte er es nicht so einfach stehenlassen, als sei das alles unter den Augen der Veranstalter direkt am Veranstaltungsort passiert.

„Die, um die es hier geht, waren nicht bei uns an der Lahn. Die haben bei uns nichts zu trinken und auch keine Wurst gekauft. Die blieben mehr unter sich an der Lahnbrücke.“ Ihre Getränke hatten sie sich selbst mitgebracht - eher auf unkonventionelle Art, denn es seien mehrere Einkaufswagen von ­Lebensmittelläden zurückgeblieben. Solche merkwürdigen Parallelveranstaltung in der Nähe des Sautrogrennens sind nicht neu in Sarnau. Das Sautrogrennen fungiert dabei offensichtlich nur als Benennung eines Treffpunkts an der Lahn.

So war es auch 2013. Das Rennen war schon beendet und ­viele Gäste dabei aufzubrechen, als es „nahe der Lahnbrücke zu Handgreiflichkeiten unter einigen Gruppen männlicher Jugendlicher“ kam. Die OP schrieb damals: „Fäuste flogen, etwas Blut floss, mehrere Geschädigte sowie die Besatzung eines Rettungswagens, die ebenfalls angegangen wurde, alarmierten die Polizei, die gegen 16.45 Uhr mit vier Streifenwagen anrückte. Am späten Abend meldete die Polizei, dass es nach bisherigen Ermittlungen elf Verletzte gab.“

Immer wieder war es in den vergangenen Jahren so, dass sich einige Gäste der Veranstaltung oder Menschen, die sich nahe der Veranstaltung aufhielten selbst alkoholische Getränke mitbrachten und entsprechend unkontrolliert abseits des eigentlichen Geschehens konsumierten. Das führte­ dann auch zu Einsätzen des Rettungsdienstes. Andere glaubten offensichtlich, sich in Sarnau mal völlig gehen lassen zu können. 2011 beispielsweise lief mindestens ein Jugendlicher gegen 19 Uhr alkoholisiert über ein ­geparktes Auto in der Hauptstraße und verursachte damit einen Schaden am Auto in vierstelliger Höhe. Sarnaus Ortsvorsteher Holger Boßhammer sagt, dass die Vorkommnisse an diesem 1. Mai rund um das Rennen auf der Lahn auch noch mal im Ortsbeirat angesprochen werden.

Dabei wird es wohl darum ­gehen, wie mit den Besuchern umgegangen werden soll, die die Veranstaltung der Freiwilligen Feuerwehr gar nicht wirklich besuchen, sich aber gerne­ im Dunstkreis der Veranstaltung irgendwo an der Lahn aufhalten, sich ihren eigenen Spaß gönnen, aber nicht selten ihren Müll wild entsorgen und „einfach Chaos zurücklassen“, so Boßhammer.

Während der Rettungsdienst schon mittags seine Einsätze habe und sich um zumeist sehr junge Menschen, die zu viel Alkohol getrunken haben, kümmere, komme es immer erst viel später zu Handgreiflichkeiten und Sachbeschädigungen. Boßhammer: „In diesem Jahr habe ich massive Beschwerden aus der Nachbarschaft zur Kenntnis genommen. Die Grundstimmung sei zuletzt sehr aggressiv gewesen.“ Unter anderem hätten auch irgendwelche Leute einfach in die Gärten uriniert. Da müsse man sich schon mal Gedanken machen, wie so etwas zu verhindern sei. Es könne definitiv nicht sein, dass es noch einmal so abläuft wie an diesem 1. Mai, so der Ortsvorsteher. Die Sarnauer­ wenden sich mit ihrer Kritik sicher nicht gegen die Veranstaltung ihrer örtlichen Feuerwehr. Doch das, was sich drumherum entwickelt hat, ­bereitet ihnen Sorge.

von Götz Schaub

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