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Schüler stoßen erfolgreiches Projekt an

„Schule vor Ort“ Schüler stoßen erfolgreiches Projekt an

Beim seit zehn Jahren bestehenden Fleckenbühler Projekt „Schule vor Ort“ erreichten in diesem Jahr erstmals neben Jugendlichen mit einer Suchtproblematik auch Flüchtlinge erfolgreich ihren Real- oder Hauptschulabschluss.

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Absolventen mit Prüferin Dr. Sabine Hörger (Dritte von links) und den Lehrerinnen Barbara Scheffer und Veronika Damjanovic auf dem Hof Fleckenbühl.

Quelle: Manfred Schubert

Schönstadt. „Wir sind froh, dass das Projekt geklappt hat, wir bedanken uns bei unseren lieben Lehrerinnen für ihre Geduld“, sagten Hamed Mahmoudi und Wasim Bahawi während der Zeugnisübergabe in der Festscheune des Hofes Fleckenbühl. Die beiden 21-jährigen Afghanen, die jeweils seit etwa drei Jahren in Deutschland leben, haben nicht nur erfolgreich ihre Realschulabschlüsse geschafft.

Barbara Scheffer, eine der Lehrerinnen des Fleckenbühler Projekts „Schule vor Ort“, berichtete den Teilnehmern, dass die beiden es waren, die die Öffnung des seit zehn Jahren bestehenden Projekts, in dem junge Menschen mit Suchtproblematik auf den Schulabschluss vorbereitet werden, für Flüchtlinge angestoßen haben. Während sie an der Adolf-Reichwein-Schule­ ihren Hauptschulabschluss machten, nahmen sie an einer Preisverleihung in Berlin teil und knüpften dort Kontakt zur internationalen Hilfsorganisation „International Rescue Committee“ (IRC) Deutschland.

Hintergrund

Den Realschulabschluss erreichten Majed Al Gaban, Hamed Mahmoudi, Wasim Bahawi, Firdaus Azizi, Jale Zamur-Demircioglu und Marc-Anton Otto; den Hauptschulabschluss Aman Teamu, Maximilian Willmann, Idy Ba, Said-Nooriddin Seidi, Mohammed Issa Abdallah und Abdifatah Ige. Ein Teilnehmer wollte nicht genannt werden.

Barbara Scheffer lud daraufhin Vertreter des IRC ein. IRC unterstützt als gemeinnützige humanitäre Organisation weltweit die Bildung von Kindern und Jugendlichen in Notsituationen. IRC hat, vorrangig in der Arbeit mit Flüchtlingskindern, ein Konzept entwickelt, um die Folgen von toxischem Stress auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu lindern und eine erfolgreiche Schullaufbahn zu ermöglichen. Diese Expertise stellt IRC jetzt auch deutschen Lehrkräften zur Verfügung und passt gemeinsam mit ihnen die Modelle und ­Methoden auf den deutschen­ Kontext an. Der „Healing-Classrooms-Ansatz“ fördert die ­Integration von geflüchteten­ Jugendlichen wie auch die emotionale und soziale Entwicklung aller Schüler.

Die Unterstützung durch IRC im Rahmen des Projektes umfasst monatliche Fortbildungsveranstaltungen und Workshops sowie Unterrichtshospitationen und Beratungsgespräche für die beteiligten Lehrkräfte. Darüber hinaus hat IRC die Pilotphase des Projekts mit ­einer Anschubfinanzierung unterstützt durch Spende von je 5000 Euro an den Förderverein der Abendschulen Marburg und die Fleckenbühler.

Weiterer Projektpartner ist der St.-Elisabeth-Verein Marburg, der einige Schüler in Wohngruppen betreut. Außerdem unterstützten das Jugendamt Marburg und der Landkreis das Ganze. Von ursprünglich 15 Teilnehmern haben 13 Jugendliche und junge Erwachsene durchgehalten, drei mit Suchtproblematik, die anderen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Sudan, Senegal und Äthiopien.

Schüler überwinden die sprachlichen Barrieren

Dafür wurden sie von drei Lehrkräften unterstützt, zweimal wöchentlich für jeweils vier Stunden. Die Prüfung wurde vom Landesschulamt abgenommen und entsprach den landesweit einheitlichen Prüfungen für den Haupt- und Realschulabschluss. Einige litten unter traumatischen Fluchterfahrungen und der Trennung von ihren Familien, was die schulischen Leistungen beeinträchtigte. Bei einigen war es aber schlicht die Sprachbarriere, die Schwierigkeiten machte.

Inzwischen merkt man ­Hamed Mahmoudi und Wasim ­Bahawi von Sprachproblemen nichts mehr an, aber sie berichteten, dass sie Schwierigkeiten an der normalen Schule hatten, weil die Lehrer dort, mit überwiegend deutschen Schülern in der Klasse, keine Rücksicht darauf nahmen, dass Deutsch für sie eine Fremdsprache ist. „Einige haben nach kurzer Zeit aufgegeben. Das Problem war, dass wir mehr Zeit brauchten. Zum Glück waren bei diesem Projekt unsere Lehrerinnen sehr nett und hatten viel Geduld. Sie habe uns immer ermutigt ‚ihr schafft das’“, sagte Bahawi. Mahmoudi will nun eine Ausbildung zum Krankenpfleger beginnen, Wasim denkt übers Fach­abitur und eine Bank- oder Hotellehre­ nach.

n Den Realschulabschluss erreichten Majed Al Gaban, Hamed Mahmoudi, Wasim Bahawi, Firdaus Azizi, Jale Zamur-Demircioglu und Marc-Anton Otto; den Hauptschulabschluss Aman Teamu, Maximilian Willmann, Idy Ba, Said-Nooriddin Seidi, Mohammed Issa Abdallah und Abdifatah Ige. Ein Teilnehmer wollte nicht genannt werden.

von Manfred Schubert

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