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Mal eben 20 Kilo zum Bahnsteig wuchten

Barrierefreier Zugang Mal eben 20 Kilo zum Bahnsteig wuchten

Nicht zuletzt die gewaltige Zunahme älterer Menschen hat das Thema „Barrierefreiheit im Alltag“ auf die Agenda gebracht. Barrierefreiheit zu erreichen, erweist sich mitunter als sehr schwierig.

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Für E-Bike-Fahrer ist es nicht einfach, den Bahnsteig mit dem schweren Rad zu erreichen. Die Treppe ist da schon eine nicht ganz ungefährliche Herausforderung. Volker Carle (Zweiter von rechts) wünscht sich im Sinne der Menschen, die ihr Rad mit in den Zug nehmen wollen, eine pragmatische Lösung.

Quelle: Götz Schaub

Cölbe. Die Gemeinde Cölbe hat sich schon einen guten Ruf erarbeitet, wenn es darum geht, Barrieren im Alltag zu entfernen, um so das Leben für alle­ einfacher zu machen. Jetzt beschäftigt sich Bürgermeister Volker Carle mit einem Fall, bei dem selbst rüstige Senioren plötzlich ausgebremst werden.

Hans Rösel, Erster Beigeordneter der Gemeinde, ist in seiner Freizeit passionierter Radfahrer. Mit einem E-Bike ausgerüstet, genießt er es, schöne Ausflüge zu unternehmen, gerne auch in anderen Regionen. Um dort hinzukommen, nutzt er die Bahn. „In Hessen darf man das Rad überall kostenfrei mit hinnehmen. Und ein barrierefreier Einstieg auf dem Bahnsteig in Cölbe ist auch möglich. Die Frage lautet hier aber, wie bekomme ich es auf den Bahnsteig?“

Insbesondere ältere Menschen haben es in Cölbe schwer

Dazu muss man in Cölbe nämlich erst eine Treppe runter und dann natürlich nach Unterquerung der Schienen, Treppen wieder rauf. Mit einem Rad und zumeist auch Tagesgepäck ausgerüstet, wird das für Rösel und seine Frau Ursula zu einer großen Herausforderung, obwohl sie beide im Bezug auf ihr Alter körperlich noch gut drauf sind. Und mit dieser Herausforderung stehen sie bei Weitem nicht alleine da. Auch Peter Blonien, der neue Ansprechpartner für das Seniorennetzwerk Cölbe, Wilfried Dörbecker und Reinhold Wehler sind zu einem Termin an den Bahnhof gekommen, um aufzuzeigen, wie schwer es ist, ein E-Bike auf den Bahnsteig zu bekommen. Da heißt es nämlich, mal 20 Kilo auf der Treppe nach unten zu halten beziehungsweise nach oben zu wuchten.

Sie alle würden sich über eine Hilfe beim Fahrradtransport auf die Bahngleise sehr freuen. Und nach deren Aussage sind sie ganz sicher nicht die Einzigen. Die Gemeinde Cölbe kann nicht selbst tätig werden, die Treppen gehören zum Besitz der Bahn. Aber sie hat mit der Bahn Kontakt aufgenommen und dabei laut Bürgermeister Volker Carle­ und Mitarbeiter Thomas Wagner nicht nur Vorschläge unterbreitet, sondern auch angeboten, selbst tätig zu werden. Die Treppe ist relativ steil und besitzt auch keine Hilfe für Kinderwagen. „Doch alle Vorschläge, selbst ein einfaches Rampensystem oder eine Schiene mit einer Führung für ein Fahrrad, wurden abgelehnt mit dem Hinweis, dass es nicht der Norm  entspreche“, sagt Wagner.

Vorgaben hin oder her, Bürgermeister Carle bringt es auf den Punkt: „Hier gibt es ein konkretes Problem mit konkreten Lösungsvorschlägen. Die Bevölkerung hat sicher kein Verständnis dafür, dass dann nichts geschieht. Wir reden hier nicht von großen Investitionen , sondern von pragmatischen Lösungen. Wir brauchen jetzt einfach mal jemanden, der sagt, okay, wir machen da was.“  Also stellt er mehr Öffentlichkeit her, in der Hoffnung, dass sich dadurch neue Möglichkeiten ergeben, etwa über Berichte von anderen, ähnlich gelagerten Fällen, die irgendwie gelöst wurden.

von Götz Schaub

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