Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Gelände bietet Raum für Wohnungen

Bürgerversammlung zum WABL-Projekt Gelände bietet Raum für Wohnungen

Das Projekt „WABL“ – kurz für Wohnen, Arbeiten, Beschäftigen, Leben – kommt in Cölbe gut an. 75 Bürger trafen sich auf dem seit einem Jahrzehnt brachliegenden Gelände, um Ideen zur künftigen Nutzung einzubringen.

Voriger Artikel
Grundschüler erklettern hängenden Parcours
Nächster Artikel
„Der letzte Ausweg vor dem Verfall“

In dieser Halle, deren Nutzen noch offen ist, fand die Bürgerversammlung statt.

Quelle: Manfred Schubert

Cölbe. „Konkret wissen wir nur, was im ersten Bauabschnitt, dem Umbau des ehemaligen Verwaltungsgebäudes, passiert. Alles andere können die Bürger mitbestimmen. Es muss nur zu WABL passen“, erklärte Stadtplaner und Projekt-Moderator Michael Nass. Denkbar seien beispielsweise verschiedenste Wohnformen, auch betreut und Mischnutzungen.

Der Miteinander-Prozess in Cölbe hat begonnen

Der Bürgerversammlung vorangegangen war eine Führung über das 7400 Quadratmeter große ehemalige Bfw-Gelände, das der St. Elisabeth-Verein Marburg samt 880 Quadratmetern Büro- und 1000 Quadratmetern Hallenfläche im vergangenen Jahr vom Berufsfortbildungswerk erworben hat, um darauf ein Miteinander-­Pilotprojekt in Kooperation mit der Gemeinde Cölbe umzusetzen. Anschließend gaben der kaufmännische Vorstand Matthias Bohn und Manfred Günther, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit und Projekt-Koordinator, einen kurzen Überblick über die sozialdiakonische Unternehmensgruppe St. Elisabeth-Verein.

Bürgermeister Volker Carle betonte, dass auch andere Ortsteile von dem Projekt, das nicht gewinn- sondern gemeinwesenorientiert sei, profitieren würden. „Das ist ein seltener Prozess für eine Gemeinde, ergreifen Sie die Chance, sich einzubringen, informieren Sie auch ihre Nachbarn. Ich freue mich, dass der Elisabeth-Verein Cölbe als Kleinod erkannt und zugegriffen hat“, richtete er sich an die Cölber. Er erwähnte, dass es Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Familien mit drei, vier oder mehr Kindern gebe. Für gemeinschaftlich nutzbare Räume könne man sich eventuell am Konzept von Krafts Hof in Lahntal orientieren, wo sich Bürger ehrenamtlich um diese kümmerten. Er forderte auf, ruhig abwegige Ideen einzubringen, so könne ein kreativer Prozess entstehen. Auch der Elisabeth-Verein habe klein angefangen und sei zum Konzern geworden, weil er ungewöhnliche Ideen zugelassen habe.

Der erste Zuhörer, der sich meldete, war Peter Blonien, Koordinator des Seniorennetzwerks Cölbe. „Ich vermisse ein Zentrum, wo Alt und Jung sich treffen können, einen Generationentreffpunkt zum Beispiel in Form eines Cafés“, sagte er und regte weiter an, Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Menschen zu schaffen.

Gemeinschaftsküche und eine Elektrotankstelle

Jörg Block, Ortsvorsteher von Bürgeln, regte offene Projekte wie eine Schreinerei oder Kfz-Werkstatt, in denen man die Werkzeuge nutzen könnte, an. Angela Schönemann von der Cölber Wohnprojektinitiative „Off de Hewwert 50+“ zeigte sich an gemeinschaftlichem Wohnen, in etwa zehn bis zwölf Wohneinheiten, sowie einem gemeinsamen Mittagstisch, bei dem sie sich auch einbringen würde, interessiert. Außerdem vermisse sie in Cölbe Mobilität wie in Schönstadt mit dem E-Carsharing-Projekt. Bohn freute sich über die Anregung und teilte mit, dass schon an eine Gemeinschaftsküche gedacht wurde, außerdem liefere der Verein Essen auf Rädern. Günther ergänzte, ein Mobilitätsprojekt stehe bereits auf der Agenda und auch eine Elektrotankstelle solle entstehen. Dr. Kurt Bunke, Vorsitzender des Cölber Arbeitskreises Flüchtlinge, äußerte den Wunsch nach einem soziokulturellen Zentrum.

Eine Zuhörerin wollte Zahlen hören und wissen, ob sie sich zum Beispiel ein betreutes Wohnen an diesem Ort leisten könnte. Bohn erklärte, ohne genaue Planung sei es schwierig, konkrete Zahlen zu nennen. Beim im Moment niedrigen Zinsniveau könne man günstige Mieten hinkriegen. „Wir wollen keinen Gewinn machen, aber die Refinanzierung, Zinstilgung und Abschreibung müssen wir schaffen“, sagte er. Wohnen und Gewerbe müsse Geld einbringen. Öffentliche Förderung werde es wohl nur für wenige Einzelprojekte geben und was der Elisabeth-Verein an Spenden bekomme, sei minimal, sagte er auf den Vorschlag einer Finanzierung über diese Wege. Worauf Regionalmanager Stefan Schulte anmerkte, vonseiten der Region Burgwald-Ederbergland bestehe durchaus Interesse an der Förderung von Gemeinwohlprojekten.

Mehrfach wurde Bedarf an flexibel nutzbaren Räumen, zum Beispiel für stundenweisen Yoga-Unterricht, genannt. Jannis Gerling vom Trägerverein der offenen Kinder- und Jugendarbeit „Junge Entwicklung fördern“ regte an, auch die jüngeren Bürger auf eine altersgemäße Weise in das Projekt einzubinden. Bis zum 16. Juni können sich Interessierte melden, dann beginnt die Arbeit in Planungsgruppen.

  • Kontakt: Michael Nass, Telefon 0 64 22 / 9 38 48 92, E-Mail geoplan-marburg@t-online.de, oder Manfred Günther, Telefon 0 64 21 / 1 80 88 65, E-Mail m.guenther@elisabeth-verein.de

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr