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„In Panik rennen sie alles kaputt“

Entwischte Pferde „In Panik rennen sie alles kaputt“

Zwei Pferde fliehen in Bürgeln von ihrer Koppel, laufen über Bahnschienen und in Richtung Bundesstraße. Der Besitzer sagt, Unbekannte hätten die Absperrung gelöst.

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„Meine Pferde kommen sonst immer zu mir“, sagt Robert Sturm. Als er sie gefunden habe, seien sie aber noch zwanzig Mal hin und her gerannt, weil sie so in Panik waren.

Quelle: Freya Altmüller

Bürgeln. „Derjenige, der die Tür aufgemacht hat, dem ist das ja wahrscheinlich nicht bewusst“, sagt Robert Sturm. Was da alles hätte passieren können. Aber der Pferdebesitzer hatte, wie er sagt, „Glück ohne Ende“.

Um halb acht abends rief ihn eine Bekannte an. Der Großseelheimer war gerade von der Koppel in Bürgeln zurück nach Hause gekehrt. Bevor er die Wiese verließ, verschloss er wie immer den Zaun und stellte das Spannungsgerät an, erzählt der 66-Jährige. Ein Freund könne das als Zeuge bestätigen. Was passiert sei, beschreibt Sturm wie folgt: Als die Frau vor der Weide steht, ist das Tor offen und die Pferde stehen davor. Sie ruft Sturm an und erzählt ihm davon. Weil sie mit ihren drei Hunden unterwegs ist, kann sie die Stute und den Wallach nicht festhalten. Unterdessen macht sich der Besitzer mit seinem Schwiegersohn auf den Weg. Als sie ankommen, sind die Pferde weg. Es ist kurz vor acht und schon dunkel.

Hufgeklapper auf Asphalt

Sturm verständigt die Polizei. Da hört sein Schwiegersohn in der Ferne Hufe auf Asphalt klappern. Das Geräusch kommt aus Richtung der Bahnschienen. Langsam fahren die beiden hinterher, um die Pferde nicht noch scheuer zu machen. Als sie sie zum ersten Mal sehen, sind die Tiere an der Hainmühle. Er ruft eines von ihnen, es dreht sich zu ihm, macht dann auf dem Absatz kehrt und galoppiert mit dem anderen in Richtung der Bundesstraße. Die Tiere biegen links ab, laufen den Radweg entlang der Böschung zur Straße, die immer flacher wird. Sturm hat Angst, dass sie hochlaufen. „In Panik rennen sie alles kaputt.“ Dann gebe es kein Hindernis für Pferde.

Pferdebesitzer vermutet Jungenstreich

Doch sie folgen weiter dem Radweg an der Ohm Richtung Anzefahr. Auf der rechten Seite tut sich eine große Wiese auf, auf der die Pferde hin und her laufen. Zu einer Seite wird sie von einem Stacheldrahtzaun begrenzt. „Wenn sich ein Pferd mit den Fesseln darin verfängt, kann man es eigentlich nur noch einschläfern“, sagt Sturm. Deshalb habe er mit seiner Stabtaschenlampe den Zaun angeleuchtet, damit die Tiere ihn sehen. Schließlich gelingt es ihm, die beiden Pferde wieder einzufangen - eine Dreiviertelstunde später.

„Das war wirklich ganz haarscharf“, sagt Sturm. Er vermutet einen Jungenstreich. „Ich nehme mal an, das war eine Mutprobe.“ An der Bank, die an der Straße zur Weide steht, sammele er täglich leere Alkoholflaschen auf. Was ihn wundere, sagt Sturm, ist, dass die Unbekannten beim Versuch, das Stromgerät abzuschalten, von 6000 auf 9000 Volt umgestellt haben. Denn als sie zum Öffnen des Zauns zwei Bügel aushaken, hätten sie auch an das Metall gefasst. „Die müssen einen ordentlichen Schlag bekommen haben“, sagt Sturm. Denn Stufe 2 mit 9000 Volt sei ihm selbst für seine Pferde zu heftig.

Polizei ermittelte in dem Fall

Wären die 600 und 800 Kilogramm schweren Tiere gegen einen Zug gerannt, wäre der entgleist, vermutet Sturm. Auch auf der Bundesstraße hätte es zu Unfällen kommen können, sagt er. In dem Fall hätte die Polizei ermittelt, sagt Polizeipressesprecher Martin Ahlich. Straf-, zivil- und ordnungsrechtliche Konsequenzen hätte das nach Ahlichs Angaben nach sich ziehen können. Weil die Tiere aber wieder auftauchten und nichts passierte, sei die Sache für die Polizei erledigt. Hundebesitzer, die an seiner Weide vorbeilaufen, hat Sturm angesprochen und ihnen seine Telefonnummer gegeben, für den Fall, dass die Pferde noch einmal frei gelassen werden. Er hofft, indem er den Fall öffentlich macht, das Bewusstsein für Gefahren zu schärfen.

von Freya Altmüller

In Neustadt-Momberg wurde am Freitag, 20. Oktober, der Zaun einer Kuhweide beschädigt. Mehr lesen Sie hier.

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