Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Ein Urvater der polnischen Partnerschaft

Auszeichnung in Wiesbaden Ein Urvater der polnischen Partnerschaft

Menschen aus 14 Nationen haben sich im privaten Gästebuch von Heinz Wilhelm und Ursula Wilke verewigt. Sie stehen auch für das große ehrenamtliche Engagement, wofür Heinz-Wilhelm Wilke am Freitag, 27. Oktober, ausgezeichnet wird.

Voriger Artikel
Polizei sucht nach gestohlenem Transporter
Nächster Artikel
Bürger werden für Straßen zur Kasse gebeten

Heinz-Wilhelm Wilke zeigt zusammen mit seiner Ehefrau Ursula seine beiden Auszeichnungen aus Polen.

Quelle: Götz Schaub

Cölbe. Alles begann damit, dass ein gewisser Fritz Lenz die 1975 nach Cölbe gezogenen Heinz Wilhelm und Ursula Wilke fragte, ob sie sich vorstellen könnten, ihre damals achtjährige Tochter zur Trachtengruppe „Fröhlicher Kreis“ zu schicken. Ja, das konnten sie sich sehr gut vorstellen. Und sie haben es bis heute nicht bereut, ganz und gar nicht. Im Gegenteil, das Ehepaar Wilke blickt immer wieder gerne auf eine ­„wundervolle und schöne Zeit zurück“, die mit dieser Frage begonnen hatte.

Der mittlerweile verstorbene Fritz Lenz wusste zu begeistern, er war der Motor der Trachtengruppe. Das ist Wilke wichtig zu betonen. Er selbst fand aber auch schnell seinen Platz im Verein, engagierte sich mit im Vorstand und zwölf Jahre lang als Leiter einer Jugendgruppe.

Darüber hinaus war er Gründungsmitglied des Arbeitskreises Internationales Folklore-Festival Marburg-Biedenkopf (AKIFF). Von Beginn an bis heute als Schriftführer, aber mit einer Kompetenz, die eher einem Geschäftsführer gleichzusetzen ist. Er organisierte 33 Mal den Cölber Ostermarkt „Rund ums Ei“, dessen Erlöse seit 1982 der Mitfinanzierung der Folklore-Festivals im Landkreis dienten.

Folgenreiche Begegnung beim Ostermarkt

„1984 kam es beim Ostermarkt zu einer Begegnung, die eine neue Entwicklung in Gang setzte. Dort wurde ich von Roman Szyc, einem Leiter einer polnischen Trachtengruppe, angesprochen, doch mal nach Polen zu kommen, um mir eine Gruppe anzusehen. Wir sind dann zu sechst dort hingereist, Fritz und Helga Lenz, Horst und Renate Vigelan sowie meine Frau und ich“, erzählt Wilke.

Es sei ein unglaublich herzlicher Empfang gewesen, den sie in Polen erlebten; und 1985 war dann erstmals eine polnische Trachtengruppe beim hiesigen Festival vertreten, die auch eine Gegeneinladung aussprechen konnte. Zuvor waren schon polnische Gruppen dabei gewesen, doch hatte es sich bei ihnen immer um Studentengruppen gehandelt, deren Mitglieder praktisch keine gemeinsame Heimat in Polen hatten und somit auch nicht in ihr Land einladen konnten.

Gründungsmitglied des Partnerschaftsvereins

Die Wilkes hielten nach ihrem Besuch 1985 privat weiter Kontakt nach Polen und zu Roman Scyc. Und woher kam nun Scyc? Aus Koscierzyna.
Somit ist nun für jeden Cölber klar, was dieser erstmalige Austausch mit einer polnischen Trachtengruppe nach sich zog: die 1991 offiziell ­eingegangene Partnerschaft.1988 stand Wilke mit an der Spitze einer offiziellen Delegation aus Cölbe, die damals zum ersten Mal auf Einladung der Stadt Koscierzyna nach Polen reiste.

In der Folge war er maßgeblich daran beteiligt, dass der Fußballverein Cölbe, der Turnverein Cölbe, der Männergesangverein ­Cölbe sowie viele Kleingruppen bereits vor der offiziellen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde 1991 in die künftige Partnerstadt fuhren, um neue Freundschaften zu schließen.

Seinem Engagement ist es auch zu verdanken, dass 1989 der Mädchenchor des Gymnasiums Koscierzyna als Gast des Frauenchors nach Hessen kam und seitdem regelmäßigen und regen Austausch betreibt.

Für Wilke praktisch selbstverständlich, dass er sich 1997 bei der Gründung der Partnerschaftsvereins Cölbe/Koscierzyna auch im
Vorstand, wieder als Schrift­führer, engagierte. Dieses Amt übte er bis 2015 aus, ist im ­Verein mittlerweile Ehrenvorstandsmitglied.

Die Kontakte, Besuche und Begegnungen in Polen waren immer sehr schön und intensiv, das Folklorefestival sorgte für eine gute Völkerverständigung. Über das Folklore-Festival kamen natürlich noch Gruppen aus anderen Ländern, auch anderen Kontinenten in den heimischen Landkreis, die in der Regel immer privat untergebracht wurden.

Auch im Männergesangverein aktiv

So waren bei den Wilkes privat insgesamt Menschen aus 14 Nationen zu Gast. Das Glück, so viele verschiedene Menschen aus verschiedenen Nationen kennengelernt zu haben, hat die Wilkes bis heute geprägt. Aus vielen Begegnungen sind auch Freundschaften entstanden.

Auch überregional hat sich Heinz-Wilhelm Wilke für die ­europäische Verständigung eingesetzt. So war er 1981 Gründungsmitglied des Arbeitskreises „Europäische Jugendwochen auf Burg Ludwigstein“. In diesem Verein hat er einige Jahre als Schriftführer mitgearbeitet

Von 1980 bis 2000 war er außerdem Schriftführer in der deutschen Sektion der „Conféderation International des Festivals Folklorique“ (CIOFF).
Und als sei das nicht langsam genug, beließ er es als langjähriger Sänger im Männergesangverein Cölbe auch dort nicht nur bei einer normalen Mitgliedschaft. Seit 2007 ist er dort auch im Vorstand tätig.

In seinem 40 Jahre andauernden Arbeitsleben war er übrigens auch als Vertrauensmann in der Deutschen Postgewerkschaft, heute Verdi, tätig.

Mit Beginn seines Ruhestandes schloss sich das Ehepaar Wilke der Verdi-Seniorengruppe an, bereiste mit dieser weitere Länder, unter anderem China, Namibia und Island.

Für seine langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeiten wurde Wilke unter anderem mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ­ausgezeichnet.

2000 wurde ihm die „Silberne Spange“ von CIOFF und 2009 die Ehrenmedaille in Gold der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) verliehen.

Zwei bedeutende Auszeichnungen aus Polen

Einen Ehrenplatz haben zwei Auszeichnungen aus Polen:
die ­„Tomasz-Rogala-Medaille“, die höchste Auszeichnung der Stadt Koscierzyna, und der „Kleine Goldene Bär“ der Gemeinde Koscierzyna.
Nun also mit 79 Jahren erhält Wilke am Freitag das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Allerdings nicht wie sonst in solchen Fällen üblich im hiesigen Landratsamt, sondern in der hessischen Staatskanzlei Wiesbaden. Dort gehört er zu vier engagierten Hessen, die ihre Auszeichnung aus den Händen der hessischen Europaministerin Lucia Puttrich entgegennehmen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr