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Die Saiten halten durch

Konzert auf der Barockgeige Die Saiten halten durch

Besonderer Glanz in der Alten Kirche Bürgeln: Die international renommierte Geigerin Midori Seiler begeisterte mehr als 60 Zuhörer mit Werken von Johann Sebastian Bach für Violine.

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Midori Seiler gab ein Privatkonzert in der Alten Kirche Bürgeln.

Quelle: Manfred Schubert

Bürgeln. Midori Seiler, weltweit anerkannte Spezialistin für historische Aufführungspraxis und Professorin für Barockvioline und -viola am Mozarteum Salzburg, spielte zwei Partiten von Johann Sebastian Bach für Violine solo. Diese zählen zu den Gipfelwerken der Violinliteratur. Damit begeisterte sie die mehr als 60 Zuhörer in der Alten Kirche Bürgeln.

Den Unterschied ihrer Barockgeige zu einer modernen Geige erklärte sie zu Beginn kurz: „Der Bogen hat keine Konkav-, sondern eine Konvexwölbung. Das Klangideal ab dem 19. Jahrhundert war plan, glatt durchgängig. Davor sollte sich der Klang bewegen, entwickeln, eine Form haben, darum ist der Bogen konvex.“ Das Griffbrett der Geige sei kürzer als im 19. Jahrhundert, denn weiter als bis A habe man bei Bach nie gespielt.

Vor- und Nachteile einer alten Barockgeige

„Die Darmsaiten haben ganz unterschiedliche Klänge, die E-Saite klingt ganz anders als die A-Saite“, führte die Musikerin weiter aus. Das Naturmaterial habe jedoch zum Teil Nachteile. Je nachdem, welches Leben das Schaf geführt habe, könne man ein schlechtes Stück Darm erwischen, das schon beim Spannen reiße – oder schlimmer, während eines Konzerts. Darum hätten sich später Stahlsaiten durchgesetzt. Allerdings erlauben der flache Steg ihrer Geige und die Wölbung des Barockbogens, die drei- und vierstimmigen von Bach notierten Klänge gleichzeitig zu spielen.

Termine

- Am Samstag, 9. September, gastiert ab 18 Uhr das Duo „Hick Chick“ in der Alten Kirche in Bürgeln mit Country, Bluegrass und Pop.
- Am Sonntag, 10. September, findet von 11 bis 18 Uhr der Tag des offenen Denkmals statt mit Führungen durch die Alte Kirche, bei gutem Wetter am Nachmittag im Kirchgarten Rock, Pop und Liedermacher-Songs mit den Dusty Trail Travellers.

Die Saiten hielten durch, und so erlebten die Hörer den besonderen, wärmeren und ausdrucksstarken, aber auch etwas raueren Klang der Barockgeige in den Händen einer Virtuosin im Vergleich zu einer modernen Geige. Bei der Partita in d-Moll schien Midori Seiler eins mit ihrer Geige zu werden, sie spielte­ mit geschlossenen Augen und wiegte bei den schnelleren Teilen mit dem ganzen Körper hin und her. Nach einer Pause, in der die auf die Luftfeuchtigkeit reagierenden Saiten nachgezogen werden mussten, spielte sich schließlich die heiterere Partita in E-Dur.

Das fast meditative Konzert begeisterte den bewusst klein gehaltenen Zuhörerkreis. Denn es handelte sich um ein Privatkonzert. Ein Marburger Rechtsanwalt, eigentlich schon im ­Ruhestand, hatte Midori Seiler­ ­juristisch vertreten, aber kein ­Honorar dafür gewollt. Dafür bedankte sich die Geigerin mit ihrer Musik. Der Anwalt, regelmäßiger Besucher der Veranstaltungen und Konzerte des Kulturvereins Alte Kirche Bürgeln, wählte die Alte Kirche als Spielstätte und lud gemeinsam mit dem Kulturverein eigene Gäste ein.

Midori Seiler zeigte sich angetan von der kleinen Kirche in Bürgeln: „Die Akustik ist sehr warm und persönlich, für kleine Gruppen und Einzelinstrumente super geeignet.“

von Manfred Schubert

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