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Das Nadelöhr mitten in Cölbe

Verkehsproblematik Das Nadelöhr mitten in Cölbe

Auf der Kasseler Straße reicht der Platz kaum aus. Oft fahren Autos über den Bürgersteig. Ein Anwohner beklagt sich, Volker Carle sieht das Land in der Pflicht und Hessen Mobil wartet auf Vorschläge.

Die Kasseler Straße in Cölbe. Foto: Thorsten Richter (thr)

Quelle: Thorsten Richter

Cölbe. Jeden Tag parken Autos an der Kasseler Straße in Cölbe. Das ist erlaubt. Für den fließenden Verkehr bleibt dann allerdings nur noch wenig Platz. Vor allem die zweihundert Meter von der Zufahrt zum Bahnhof Richtung Nordosten werden dann zum Nadelöhr. Zwei Autos, die sich begegnen, kommen so gerade noch aneinander vorbei. Fährt aber ein Transporter oder gar Lkw durch den Ort, reicht die Breite der Straße nicht mehr aus.

Ein Anwohner, der anonym bleiben möchte, spricht über die Situation an der Straße. „Es wird immer katastrophaler“, sagt der Mann. Der Verkehr habe in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Die nordwestliche, dem Fluss abgewandte Straßenseite sei den ganzen Tag über zugeparkt. Während des Berufsverkehrs, also morgens und ab 16 Uhr am Nachmittag, sei an dieser Stelle „high noon“.

Der Anwohner berichtet auch über Unfälle. Immer wieder mal komme es dort zu Blechschäden, sagt er. „Wer nicht aufpasst, bei dem ist dann auch ganz schnell der Spiegel ab.“ Häufig könnten die Unfälle nur im letzten Augenblick verhindert werden, so der Mann.

Aber nicht nur für die Autos und Lkw sei die Situation gefährlich - auch die Fußgänger hätten unter der Situation zu leiden. „Wenn auf der Straße zu wenig Platz ist, fahren manche einfach über den Bürgersteig.“ Wer dann gerade dort hergehe, müsse ausweichen. „Fußgänger sind dann auf dem Bürgersteig im Weg“, sagt der Cölber.

Falls sie überhaupt auf dem Gehweg gehen können, denn auch auf der südöstlichen Seite der Straße - zur Lahn hin - wird auf dem Streckenabschnitt geparkt, dort allerdings direkt auf dem Bürgersteig. Das seien häufig Kurzparker, die auf die Schnelle eine Besorgung in einem Laden machen wollen, so der Anwohner.

Der Cölber spricht sich für ein striktes Halteverbot auf der Lahnseite der Straße aus. „Man könnte dort doch einfach ein paar Poller setzen und das Problem wäre gelöst“, sagt er. Auf der anderen Seite könnte der Radweg schmaler gemacht werden, der auf dem Bürgersteig farbig markiert ist. Dann könnten die Autos auf dem Gehweg parken, und es wäre noch genügend Platz für Fußgänger und Radfahrer, sagt er. Die Straße wäre dann frei. Derlei Vorschläge habe er in der Vergangenheit mehrfach erfolglos im Ortsbeirat vorgebracht, so der Mann.

Halteverbote können Einzelhandel gefährden

Cölbes Bürgermeister Volker Carle ist das Problem bewusst. Von Parkverboten hält er allerdings nichts. Ein Halteverbot könne den Betrieb der ansässigen Geschäfte gefährden, sagt er. Nichtsdestotrotz spricht sich Carle auch für eine Veränderung aus. „Unsere Ortsdurchfahrt ist stärker befahren als manche Bundesstraße“, sagt er. Er verstehe auch die Verärgerung der Anwohner. Seitdem er 2001 das Bürgermeisteramt übernommen hat, habe er versucht, das Problem in den Griff zu bekommen. Die Gemeinde allein könne es aber nicht lösen. „Das Land ist hier in der Pflicht“, sagt er.

Im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Kasseler Straße auf 30 Stundenkilometer beschränkt. Das Kalkül dahinter: Tempo 30 würde die Ortsdurchfahrt weniger attraktiv machen und den Verkehr entzerren. Das Land Hessen kassierte die Begrenzung aber umgehend wieder ein. Die Schilder seien „fälschlicherweise ohne verkehrsrechtliche Anordnung seitens der zuständigen Verkehrsbehörde des Landkreises“ aufgestellt worden, heißt es in einer Stellungnahmen seitens Hessen Mobil.

Volker Carle wünscht sich eine „einfache, pragmatische Lösung“. Auch er hält es für möglich, dass die Kombination aus Radweg und Bürgersteig aufgelöst wird. Der kombinierte Rad- und Fußweg sei für Fußgänger zurzeit lebensgefährlich, sagt er. Auf der Nordwestseite der Straße könnte stattdessen für Radfahrer ein Angebotsstreifen auf der Straße eingerichtet und der Bürgersteig zum Parken freigegeben werden.

Auf OP-Nachfrage äußerte sich auch Hessen Mobil als zuständige Verwaltungsbehörde zum Verkehr in Cölbe. Die Situation sei „sicherlich nicht optimal“. Besonders viele Unfälle würden dort aber nicht passieren. Eine neue Aufteilung der Flächen sei grundsätzlich möglich, und die Behörde stehe dieser Idee offen gegenüber. „Jedoch muss die Gemeinde dafür ein Verkehrskonzept ausarbeiten und vorlegen“, heißt es in der Stellungnahme.

von Dominic Heitz

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