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Butler bleibt cool, auch als es mal kurz dunkel wird

Dinner for one Butler bleibt cool, auch als es mal kurz dunkel wird

Rund 600 Wetteraner versammelten sich am Silvesterabend auf ihrem Marktplatz, um einer liebgewordenen Tradition zum Jahresende beizuwohnen.

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Hunderte Zuschauer verfolgten den Silvester-Klassiker „Dinner for One“ auf dem Marktplatz. Für ihr tolles Spiel erhielten Dr. Anne Archinal und Richard Hess sehr viel Applaus.

Quelle: Ina Tannert

Wetter. „Same procedure as every year“: Ein Butler, eine Lady, viel Alkohol und ein Tigerfell - was seit fast 50 Jahren fest zum Jahreswechsel gehört, hat auch in Wetter seit Jahrzehnten Tradition.

Am Samstag verfolgten rund 600 Besucher den Silvester-Klassiker „Dinner for One“ auf dem Marktplatz. Rund um die Bühne drängten sich bei kühlen Minusgraden Jung und Alt, genossen die Kapriolen von Miss Sophie und Butler James, gespielt von Dr. Anne Archinal und Richard Hess vom Theaterverein.

Die Geschichte ist wohlbekannt. Die alte Dame feiert ihren 90. Geburtstag, hat dazu ihre vier liebsten Freunde eingeladen. Diese sind jedoch seit langer Zeit verstorben, was einer Geburtstagsfeier jedoch nicht im Wege steht. Der alljährliche Retter der Festessens ist der treue Butler James, der einfach in die Rollen der Gäste schlüpft und Miss Sophie stramm bei jedem Gang zuprostet. Zuallererst deckt er jedoch den Tisch, muss die in die Jahre gekommenen Teller erst einmal entstauben, was gleich zu Beginn für ein johlendes Publikum sorgt.

Dann ergibt er sich in sein alljährliches Schicksal, „same procedure as last year, Miss Sophie?“. Natürlich. Also greift er zum Glas, später zu heiterer Stunde gleich zur Flasche und sogar zur Blumenvase. Alles trinkt er aus, will seiner Miss eine weitere unvergessliche Geburtstagsfeier bieten. Zunehmend schwankend, doch standhaft, spielt der treue Butler seine Rollen - stößt zu jedem neuen Gang mit dem Geburtstagskind an. Durch ihn trinken die imaginären Gäste, Sir Toby, Admiral von Schneider, Mister Pommeroy und Mister Winterbottom auf ihr Wohl.

Selbst eine technische Panne sorgt für Vergnügen

Mit steigendem Alkoholpegel nimmt er immer wieder die größte Hürde im Raum in Angriff - ein Tigerfell. Auch auf dem Wetteraner Marktplatz ertönte jedes Mal, wenn James gekonnt über den Kopf stolpert, anhaltendes Gekicher aus den Reihen der Zuschauer. Gelächter erntet auch die künstlerische Darbietung von Hess, der den zunehmend angesäuselten, grinsenden Butler glaubhaft auf die Bühne brachte, während Archinal die edle Dame aus gutem Hause gab.

Kurz zu Beginn des Sketches gab es eine technische Panne, das Licht ging aus, und Butler James stand plötzlich im Dunkeln da. Jemand hatte Glühwein in die Steckdose tropfen lassen, wie später herauskam. Ganz Profi reagierte James auf die Misere, startete eine kurze Suche nach dem verschollenen Licht, zum Vergnügen der Zuschauer, bis die Technik das Problem zügig löste. Mit donnerndem Applaus honorierte das Publikum das liebevoll inszenierte Stück, das von seiner Faszination scheinbar kaum etwas verloren hat.

„An Silvester kann man eben nur eines spielen, und das macht saumäßig Spaß“, erklärte Richard Hess, der seit mehr als 20 Jahren in die Rolle des Butlers schlüpft, mit einem Schmunzeln. Fast ebenso lang wird das Stück alljährlich auf dem Marktplatz aufgeführt, der ausreichend Platz für die stolpernden Kapriolen des Darstellers bietet. Und wie lange wollen die beiden Schauspieler den Sketch mit den beiden alternden Silvester-Stars eigentlich noch zum Besten geben? „Das Stück ist ein Klassiker, wir spielen es noch so lange, bis wir nicht mehr extra geschminkt werden müssen“, sagte Dr. Anne Archinal.

Vorher Weihnachtsverlosung des Gewerbevereins

Traditionell wurde der Sketch im Rahmen der Silvesterfeier aufgeführt, zu der der Gewerbeverein Wetter eingeladen hatte. Bereits ab dem Nachmittag versammelten sich die Bewohner zur alljährlichen Weihnachtsverlosung des Vereins auf dem Marktplatz. In diesem Jahr hatten die Gewerbetreibenden 10.000 kostenlose Lose an ihre Kunden verteilt. Die Gewinner konnten sich über zahlreiche Gutscheine freuen.

Ziel des kleinen Festes sei jedoch, die Wetteraner zusammenzubringen, „wir möchten, dass die Leute zum Jahreswechsel noch einmal ins Gespräch kommen - das hat Tradition -, wenn man hier war, ist das Jahr rum“, sagte Werner Semus, Vorsitzender vom Gewerbeverein.

von Ina Tannert

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