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Bürgermeister plant den großen Wurf

Flüchtlings-Wohnungen Bürgermeister plant den großen Wurf

Wenn es nach Bürgermeister Volker Carle (parteilos) ginge, würde Cölbe noch in diesem Jahr mit dem Bau von temporären Quartieren und dauerhaften Wohnungen für Flüchtlinge beginnen. Sein Konzept steht.

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Hinter der Gemeindehalle Cölbe befindet sich eine parkähnliche Anlage. Diese Rasenflächen sieht Bürgermeister Volker Carle als Bauplatz für zwei Wohnkomplexe vor, durch die Wohnraum für Flüchtlinge in der Gemeinde entstehen soll.

Quelle: Carina Becker

Cölbe. Die Gemeindepolitik hat über Carles Vorschläge noch zu beraten. Dies steht in der kommenden Woche in zwei Ausschusssitzungen und am Montag, 9. November, in Schwarzenborn in der Gemeindemitgliederversammlung bevor.

Bürgermeister Volker Carle hat den Weg für das Vorhaben schon ein wenig geebnet. „Den Ortsvorstehern, Vertretern von Kirchen und Vereinen sowie dem Arbeitskreis für die Flüchtlinge haben wir das Konzept vorgestellt - und die Rückmeldungen waren sehr positiv“, berichtet Carle über den Plan, den die Verwaltung in den zurückliegenden Wochen erarbeitet hat und ständig erweitert.

Die Vorschläge, die der Bürgermeister darin macht, fallen schon recht konkret aus, sollen eine gute Diskussionsgrundlage für die Gremien sein. „Und die Flüchtlinge selbst möchte ich auch von Anfang an einbinden“, hebt Carle hervor und berichtet, dass ein Gesprächstermin mit dem Flüchtlingsarbeitskreis und zwei Flüchtlingen bevorsteht, um die bisherigen Pläne gemeinsam abzuklopfen.

Nach Rückbau entstehen Freiflächen

„Wie sollten Wohnungen und größere Wohnkomplexe geschnitten sein, damit sie für das Miteinander gut geeignet sind, was darf sein, was nicht, was schürt Konfliktpotenzial?“, nennt der Bürgermeister Fragen, die er gern auf Augenhöhe mit jenen erörtern will, die die Häuser später bewohnen sollen.

Doch zunächst die Frage: Welche Wohnkomplexe sollen entstehen in Cölbe - und vor allem wo? Carle denkt an temporäre Quartiere, kompakte Häuser mit mehreren Wohneinheiten in Holzständer-Bauweise, „die können nach zehn Jahren, wenn sie nicht mehr benötigt werden, wieder abgebaut werden - und dann haben wir Freiflächen, die wir wieder anderweitig nutzen können“.

Gemeindlicher Grund und Boden kommt dafür in Frage, „das ist auch gut, wenn wir die Lücken schließen“, befindet der Bürgermeister und nennt die Standorte für vorübergehende kleinere Quartiere: am Parkplatz der Turnhalle Cölbe und in Schönstadt hinter dem Bürgerhaus.

Bauplätze für dauerhafte Wohnkomplexe, die später, wenn sie nicht mehr von Flüchtlingen bewohnt werden sollten, in die Nutzung für Senioren oder Studenten übergehen könnten, sieht Carle hier: auf der heutigen parkähnlichen Anlage hinter der Gemeindehalle Cölbe, hinter der Mehrzweckhalle, an der Langen Mauer und Auf dem Pletsch in Bürgeln.

Carle: Kreis soll Lücke in der Finanzierung decken

Vor allem von den Plänen für die Nutzung des Parks an der Cölber Gemeindehalle ist Carle begeistert: „Dort könnte ein richtiges Gemeindezentrum entstehen, wenn wir das Schützenhaus noch übernehmen und es zum Begegnungscafé sowie zur Gemeindebücherei umbauen.“ Für künftige Bewohner sei dies ideal, so könne das Gelände für Ältere komplett barrierefrei gestaltet werden, Carsharing könnte eingerichtet werden für die gemeinsame Autonutzung von Bewohnern. Und Studenten wären durch die Bushaltestelle direkt an Marburg angebunden. Carle denkt an zwei Wohnkomplexe dort - jeweils könnten 32 bis 48 Menschen dort einziehen.

Carles Pläne in Ehren - doch wer soll dies bezahlen? „Fünf Millionen, die können wir stemmen - vom Bund gibt es derzeit Null-Prozent-Finanzierungsangebote auf zehn Jahre. Und in der Zeit könnten wir die Baukosten wieder reinholen“, sagt er und rechnet vor, dass mit den Sätzen, die der Landkreis den Vermietern für Flüchtlingsunterkünfte gewährt, über eine Laufzeit von zehn Jahren vier Millionen refinanziert werden könnten.

„100.000 Euro pro Jahr würden allerdings fehlen nach dieser Berechnung“, räumt Carle ein. Er hofft darauf, dass der Landkreis diese Lücke deckt - entweder, indem er in das Wohnungsbauprojekt einsteigt oder indem er die Sätze für die Flüchtlingsunterbringung entsprechend erhöht.

Der Bürgermeister findet, die Gemeinde könne auf diese Unterstützung pochen, schließlich zahle er im kommenden Jahr nach Neuordnung des kommunalen Finanzausgleichs 450.000 Euro mehr an den Landkreis als Kreis- und Schulumlage und somit insgesamt gut vier Millionenen Euro nur aufs Jahr 2016 gerechnet. „Da muss der Landkreis auch etwas für uns tun.“

Das Projekt hat Carle beim Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow vorgestellt - er wartet auf eine Einschätzung des Landkreises. Zachow dazu gegenüber der OP: „Unsere Unterstützung wird sicher eher im Bereich der Miete liegen als in einem Zuschuss. Aber daran soll es jedenfalls nicht scheitern.“ Er lobt das Vorgehen Cölbes und hofft, dass andere Kommunen, in denen es an Wohnungen für Flüchtlinge fehle, diesem Beispiel folgten.

200 Wohnungen - Cölbe hat die Möglichkeiten

Eine weitere Frage an Carle erscheint drängend: Warum sollte Cölbe sich ein solches Vorhaben mit der Schaffung von insgesamt 200 Wohnungen ans Bein binden? „Wir sind doch in der Pflicht“, sagt der Bürgermeister und berichtet, dass Cölbe den Bedarf an Flüchtlingswohnungen derzeit einfach nicht decken könne. Bislang sind rund 50 Flüchtlinge in der Gemeinde untergekommen, mehr freier Wohnraum steht nicht zur Verfügung aktuell.

„Andere Kommunen haben schon viel mehr Menschen aufgenommen - da müssen wir auch unseren Beitrag leisten.“ Zudem sieht Carle das Projekt weniger als Belastung denn als Chance: als einen möglichen Ausgleich zum demografischen Wandel, als eine riesige Einnahmequelle fürs Handwerk, als Wertschöpfung für die Gemeinde, die dauerhaft Wohnraum schafft und Zuzug ermöglicht - und auch als eine Bereicherung fürs Miteinander durch neue Bewohner, die sich vor Ort fürs Gemeinwohl engagieren könnten.

Auch für die Immobilien der Cölber sieht Carle Entwicklungschancen durch Zuwanderung. „Wir haben viele leerstehende Scheunen, die in Wohnraum umgewandelt werden könnten - und es gibt viele Programme zur Förderung“, wirbt er für den Umbau von einstigen Höfen. „Wenn die Leute das jetzt nicht machen, wann denn dann?“, fragt er und setzt auf die Chancen in der Krise, die Cölbe sich nicht entgehen lassen dürfe.

von Carina Becker

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