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Bürgerliste Cölbe steht vor Scheideweg

Kommunalwahl 2016 Bürgerliste Cölbe steht vor Scheideweg

Der Bürgerliste Cölbe fehlt der Nachwuchs beziehungsweise „neues Personal“. Das war schon bei der Kommunalwahl 2011 so. Für 2016 wird es wohl nicht mehr zu einer Listenaufstellung kommen.

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Heinz-Wilhelm Wasmuth (links) und Werner Bodenbender führen derzeit die Fraktion der Bürgerliste Cölbe. Ohne neue Leute wird es nach März 2016 wohl keine mehr geben.

Quelle: Götz Schaub

Cölbe. „Wir brauchen mindestens neun Bewerber, um alle Stimmen, die über Panaschieren und Kummulieren, zu bekommen sind, auch abschöpfen zu können“, sagt Heinz-Wilhelm Wasmuth, derzeitiger Fraktionschef der Bürgerliste Cölbe, die insgesamt mit vier Vertretern im Cölber Gemeindeparlament tätig ist. Es steht also zu befürchten, dass vier Plätze im neuen Parlament frei für die anderen Parteien werden. - Ach nein, nicht wirklich. Denn das neue Parlament wird nicht mehr aus 31 Gemeindevertretern bestehen, sondern nur noch aus 27.

Bereitschaft an Mitarbeit im Parlament lässt nach

Das wurde ein Jahr vor der Wahl so beschlossen. So gesehen, fallen also zufällig sowieso vier Plätze weg. Wasmuth und sein Stellvertreter Werner Bodenbender sind hingegen schon etwas traurig, dass ihre Arbeit offensichtlich keine Fortsetzung findet.

„Ich gehe mal davon aus, dass auch die im Cölber Parlament vertretenen Parteien, Schwierigkeiten haben werden, ausreichend große Listen aufzustellen, denn wer sich als moralischer Unterstützer weit hinten auf die Listen setzen lässt, muss aufgrund des Wahlmodus immer damit rechnen, auch gewählt zu werden“, führt Wasmuth aus. „Und es sind aus vielen verschiedenen Gründen nicht mehr so viele Menschen bereit, sich fünf Jahre an eine Parlamentsarbeit zu binden“, ergänzt Bodenbender.

Bürger, die nicht parteigebunden sind, aber motiviert sind, sich für die Gemeinde zu engagieren, wären eigentlich bei der Bürgerliste richtig. „Wir entscheiden sachbezogen, nicht nach einem Parteiprogramm. Darüber hinaus gibt es bei uns keinen Fraktionszwang, jeder kann nach dem Austausch der Argumente frei und nach seinem Gewissen abstimmen“, so der Fraktionsvorsitzende.

Wenn sich Neue melden, kann es gerne weitergehen

Doch obgleich das so ist, fehlt es also an willigen Bürgern, die neue Generation der Bürgerliste zu bilden. „Ich bin jetzt 42 Jahre dabei, ich denke es reicht. Doch wenn sich junge Menschen finden, helfe ich gerne noch mal mit aus“, gibt sich Wasmuth kämpferisch. Fünf kämen von der „alten Garde“ sicherlich noch mal zusammen. „Aber wir brauchen neue Leute.“ Während Wasmuth sich eine Verlängerung seines politischen Ehrenamts vorstellen kann, ist für Werner Bodenbender definitiv Schluss. Er ist noch lange nicht im Rentenalter, doch hat er sich beruflich verändert und ist nun Richter am Verwaltungsgericht Gießen. „Wir haben uns immer sehr gut verstanden und prima ergänzt“, sagt Bodenbender über die Zeit als Stellvertreter von Wasmuth. Bodenbender: „Als Verwaltungsrichter sollte ich aber besser nicht mehr in einem Parlament sitzen, das passt in meinen Augen nicht.“

Die Aufgaben, die es in Cölbe noch anzugehen gelte, reißen nicht ab. Wasmuth, von Hause aus Bauingenieur denkt dabei nur an die vielen Gemeindestraßen, die seiner Meinung nach sich in einem schlechten Zustand befinden und dringend gemacht werden müssten.

Es bleibt noch ein Zeitfenster bis Weihnachten

„Natürlich wissen wir auch, dass der Gestaltungsspielraum in Cölbe schon sehr eingeschränkt ist, und wenn der Tarifvertrag bei den Kindergärten endlich irgendwann steht, ist unser kleines Plus aus dem Haushalt auch schnell weg“, sagt Wasmuth. Er wolle jetzt nicht klagen, denn auch bei allem Ernst der Finanzlage mache Kommunalpolitik auch Spaß.

Wer also Herausforderungen liebt und sich in den Dienst der Bürger der Großgemeinde stellen möchte, sollte nicht zögern, sondern sich bei ihm als Listen-Interessent melden. „Es bleibt noch ein Zeitfenster bis Weihnachten, bevor wir eine endgültige Entscheidung vor uns haben“, so Wasmuth.

von Götz Schaub

HINTERGRUND
Die Bürgerliste Cölbe unterstützte nach dem Rücktritt des SPD-Bürgermeisters Jürgen Butte 2001 zusammen mit der CDU und den Grünen die Kandidatur des jetzigen Bürgermeisters Volker Carle. Bei den Kommunalwahlen 2006 holten die freien Bürger mit 18 Prozent fünf Sitze, 2001 erhielten sie 14,5 Prozent und vier Sitze.
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