Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Buch der Bücher mit mehr Luther drin“

Reformationstag „Buch der Bücher mit mehr Luther drin“

Zum Reformationstag stellt die evangelische Kirche in ihren Gemeinden landauf und landab derzeit die Neuauflage der Luther-Bibel vor.

Voriger Artikel
Der Putz fällt schon von der Decke
Nächster Artikel
"Am besten war der Zombie-Priester"

Wollmar. Heute jährt sich der Tag, an dem Martin Luther seine berühmten 95 Thesen veröffentlichte und damit die Reformation einleitete. Ihm zu Ehren entstand die neu überarbeitete Bibelausgabe, die den Reformator in den Fokus nimmt. Im ganzen Land stellen derzeit Kirchengemeinden den Gläubigen das neu aufgelegte, 1536 Seiten starke Werk vor.

So auch in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wollmar, wo der neue Band am gestrigen Sonntag Einzug hielt. Dutzende Gemeindemitglieder verfolgten das Ereignis. Pfarrer Friedhelm Wagner stellte ihnen die neue Altarbibel vor. „Wir feiern heute einen besonderen Gottesdienst - ein besonderer Gast ist auch dabei“, kündigte Wagner an.

Interview mit der Bibel zu Ursprung, Art und Neuerungen

Die frisch gedruckte Neuausgabe der Heiligen Schrift präsentiert sich als spezielle Altarbibel großformatig und dabei in einem dezent gehaltenen, hellgrauen Einband. Im Format eines klassischen Interviews „befragte“ Karl Schneider vom Kirchenvorstand das üppige Werk über dessen Ursprung, Art und Neuerungen. „Ich heiße Bibel, auch Buch der Bücher genannt und bin die neue, rundum erneuerte Lutherbibel 2017“, lautete die Antwort, die Pfarrer Wagner gab. Das Besondere an der überarbeiteten Ausgabe: Zu Ehren des Reformators prangt auf dem Einband nicht nur das Wappen Martin Luthers - der Reformator spielt generell eine größere Rolle in der Neuauflage der von ihm ins Deutsche übersetzten Bibel. Somit orientiert sich der revidierte Bibeltext wieder näher an Luthers erster Übersetzung. Dessen „typischer, gut zu lesender Sprachrhythmus“ ist verstärkt zu finden, sollte gezielt nicht weg modernisiert werden. „Jetzt ist wieder mehr Luther drin als vorher“, lobte Wagner.

Die neue Schrift enthält auch weitere Zitate des Reformators, der Urtext wurde um einige Neuentdeckungen ergänzt. Für die Revision 2017 wurden die Apokryphen neu übersetzt, wobei die typische Luthersprache nachgebildet wurde: „Eine gute, solide Sprache, die kraftvoll ist und zum Nachdenken anregt - bei der man eben etwas Gehirnschmalz investieren muss“, fasste der Pfarrer zusammen.

Hintergrund der Neuveröffentlichung ist Reformationsjahr

Anlass für die Veröffentlichung des neuen Werks war das Reformationsfest: In genau einem Jahr jährt sich die Verbreitung der 95 Thesen zum 500. Mal, die Luther an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben soll. Am heutigen Montag beginnt offiziell das festliche Themenjahr, das das große Reformationsjubiläum einläutet.

Von der neuen Bibel erschienen ganz verschiedene Formate in allen Größen und Formen - das großformatige Werk, speziell für den Kirchenaltar gedacht, kostet 150 Euro und wiegt stolze zwei Kilogramm, ist dennoch deutlich leichter als das älteste Vorgängermodell von Wollmar aus dem Jahr 1729. „Aber welches Gewicht ich habe, entscheidet ihr - für jene, denen ich etwas bedeute, bin ich ein Schwergewicht“, betonte Wagner, quasi im Namen der Bibel.

Die neue Bibel reihe sich dabei in „eine große Familie“ ein: Neben Werken wie die Einheitsübersetzung oder die Züricher Bibel hat sie als „bucklige Verwandtschaft“ auch die mancherorts als unanständig wahrgenommene Volksbibel, erinnerte der Pfarrer. Fünf Jahre lang dauerte die Arbeit an der revidierten Lutherbibel, zum Durchlesen braucht es übrigens etwa 120 Stunden, schätzt Wagner. Eine erste Lesung aus der Bergpredigt folgte noch während der Vorstellung, wobei die Gemeinde aus Respekt vor der Bibel stehenblieb. In Zukunft wird in jedem Gottesdienst aus der neuen Heiligen Schrift vorgelesen. Gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern dankte Wagner Gott für eine Bibel, „die Martin Luther den Menschen näherbrachte und noch immer bringt“.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr