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Blinde Zerstörungswut oder gezielte Attacke?

Unbekannte schlitzen Siloballen auf Blinde Zerstörungswut oder gezielte Attacke?

Das Leben eines Landwirts ist ganz sicher schon arbeitsaufwendig genug, da bedarf es keiner unnötigen Zusatzarbeit. Um so ärgerlicher ist es, wenn man aber gerade dazu von Unbekannten gezwungen wird.

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Diese 25 Ballen, gefüllt mit Winterfutter für die Schafe, wurden zwischen vergangenen Donnerstag, 5. November, und Samstag, 7. November, ganz offensichtlich mutwillig aufgeschlitzt.

Quelle: Privatfoto

Warzenbach. Wer vergessen hat, wie ländliche Idylle aussieht, sei herzlich eingeladen, mal einen Spaziergang in Feld und Flur rund um den Wetteraner Stadtteil Warzenbach zu unternehmen. Der Stadtteil liegt wahrlich schön in einer lieblichen Kulturlandschaft. Idylle pur eben.

Doch leider gibt es immer wieder Menschen, denen das offenbar nicht passt, die aus Übermut oder anderen Motiven, auch dort Sachbeschädigungen begehen müssen, wie man es aus größeren Städten gewohnt ist, wo sich irgendwelche Mitmenschen immer wieder an fremdem Eigentum vergehen müssen, indem sie etwa über Autos laufen, Antennen abknicken oder Hauswände mit Farbe besprühen. Nun, das passierte dieser Tage in Warzenbach glücklicherweise nicht, doch der materielle Schaden, den Heinrich Muth und dessen Sohn Timo (Foto: Götz Schaub) zur Kenntnis nehmen mussten, ist nicht minder ärgerlich und überflüssig wie ein Kropf.

Futter in den Ballen für mehr als 90 Schafe

Wie andere Landwirte auch haben die Muths derzeit einige in Folie eingepackte Siloballen auf ihren Feldern liegen. Sie sind etwa 1,30 Meter hoch und beinhalten einen Teil des geernteten Gras-Winterfutters für die Tiere, in diesem Fall für rund 90 Schafe. Im Mühlwiesenfeld, etwa ein Kilometer vom Ort entfernt, hatten die Muths wenig einsehbar und keinesfalls störend auf einer Wiese direkt am Waldrand 25 in Folie verpackte Ballen liegen. Unterhalb dieser Wiese führt ein befestigter Schotterweg entlang, der zum Hochbehälter beziehungsweise in der Verlängerung über die Schmuggelbuche bis nach Buchenau führt.

Etwa 50 Meter vom Lagerort befindet sich ein überdachter Rastplatz. „Am Donnerstag war mit den Ballen sicher noch alles in Ordnung, doch am Samstag waren sie alle aufgeschlitzt“, erzählt ein immer noch fassungsloser Timo Muth. Er kann sich nicht erklären, was das zu bedeuten hat. Warum gleich alle 25?  Ein Streich oder eine gezielte Attacke gegen sein Eigentum?   Letzteres kann und will er sich nicht vorstellen. „Das ist sicher nicht das Werk von Kindern, die sich vielleicht mal daran versuchen wollten, ob sie die Folie aufbekommen. Hier hat jemand offensichtlich ganz gezielt einen Schaden anrichten wollen“, sagt Warzenbachs Ortsvorsteher Hans Heinrich Dersch. Timo Muthkann sich das nicht wirklich vorstellen.

Strafanzeige gegen unbekannt ist gestellt

Es ist aber schon ein Schaden, der noch Folgen haben kann. Es geht nicht nur darum, dass die Ballen erneut eingewickelt werden mussten, durch das Aufschlitzen gelangte Sauerstoff in den Ballen, der in der Folie eigentlich friedlich vor sich hin gären soll. „Da dieser Gärungsprozess unterbrochen wurde, besteht jetzt die Gefahr der Schimmelbildung“, erläutert Dersch. Und dieser Schimmel birgt für den Endverbraucher, die Schafe, eine echte Lebensgefahr. „Schafe vertragen den nicht und gehen daran zugrunde“, ergänzt Timo Muth.

Noch ist nicht sicher, ob die Ernte als Winterfutter unbrauchbar wird. „Wenn die Ballen unbrauchbar werden, müssen die Muths entsprechend Futter hinzukaufen. Noch gibt es Hoffnung.  Denn gleich nach der Entdeckung der Schlitze in den Ballen, hat Heinrich Muth reagiert und den „Einpacker“ mit entsprechenden Gerätschaften aus Buchenau kontaktiert, mit dessen Hilfe die Ballen am selben Tag wieder luftdicht verpackt wurden. „Dazu mussten wir jeden Ballen einzeln wieder zurück ins Dorf schaffen“, erzählt Dersch, der bei der Aktion geholfen hat. Timo Muth will dieses Vorkommnis nicht auf sich beruhen lassen. Er stellte gestern beim Polizeiposten in Wetter Strafanzeige gegen unbekannt. Aufgrund des diesjährigen Wetters in den Sommermonaten waren die drei Grasschnitte nicht so üppig wie in anderen Jahren. Pro Ballen kann man schon einen Gegenwert von gut 40 Euro ansetzen.

„Natürlich gibt es immer mal wieder einen Ausfall, verursacht von Tieren, etwa durch einen Hirsch oder auch Krähen. Um Letzteres zu verhindern legen einige Landwirte alte Autoreifen auf die Ballen, damit die Krähen darauf landen und nicht direkt mit ihren Krallen auf die Folie kommen und so „standfest“ dann mit dem Schnabel die Folie aufpicken können.  Nun hoffen die Muths wie auch der Ortsvorsteher, dass der oder die Unbekannten ermittelt werden können, denn neben dem materiellen Schaden treibt es sie auch um, einfach nichts über die Hintergründe beziehungsweise über das Motiv, diese Zerstörung zu begehen, zu wissen. „Man wird jedenfalls dadurch sensibilisiert und achtet mehr darauf, dass sonst nichts mehr passiert oder auch andere Landwirte noch betroffen werden“, sagt Timo Muth. Wer Hinweise geben kann, wendet sich an die Familie Muth oder den Polizeiposten in Wetter.

 
Hintergrund:
Es kommt immer wieder irgendwo in  Deutschland vor: Unbekannte schlitzen, aus welchen Gründen auch immer, in Feld und Flur gelagerte, mit Folie geschützte Siloballen auf, in denen sich  Winterfutter für Schafe befindet. In der Region Tegernsee wurden nach einer ersten Attacke im vergangenen Jahr seit September gleich mehrere Landwirte Opfer eines Ballen-Schlitzers. Weil wie in Warzenbach jeweils alle Ballen, die zusammen gelagert waren, aufgeschlitzt wurden, geht die dortige Polizei von einem gezielten mutwilligen Vorgehen aus.  Aber auch im heimischen Landkreis kommt diese Unart immer mal wieder vor. Etwa im August des vergangenen Jahres in Cyriaxweimar. Damals wurden zehn Ballen auf der Rückseite des Glaubenshofes aufgeschlitzt. Durch das Schlitzen kommt der Inhalt der Siloballen mit Sauerstoff in Verbindung, wodurch der Gärungsprozess unterbrochen wird. Kommt es dadurch zu Schimmelbildung, ist das Winterfutter für Schafe nicht mehr brauchbar.
 

von Götz Schaub

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