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Bewusst mit Nachhaltigkeit zum Erfolg

Idee: Gemeinwohl-Gemeinde Bewusst mit Nachhaltigkeit zum Erfolg

Nach drei Jahren seiner dritten Amtszeit kann Cölbes Bürgermeister Volker Carle vermelden, dass sich die Einnahmen aus der Gewerbesteuer seit seinem Amtsantritt 2001 nun verachtfacht haben.

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Welche Schwerpunkte beinhalten die künftigen Entscheidungen zur Entwicklung der Gemeinde Cölbe? Der Bürgermeister bringt die Idee einer Gemeinwohl-Ökonomie ins Spiel. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Cölbe. Die Gemeinde kontinuierlich weiterentwickeln - daran zu arbeiten, macht Cölbes Bürgermeister Volker Carle (links, Privatfoto) richtig viel Spaß. Und das nun schon seit 15 Jahren. Zur Halbzeit seiner mittlerweile dritten Amtszeit wartet er mit einer Mitteilung auf, mit der er seinen eingeschlagenen Weg bestätigt sieht. Die Gemeinde Cölbe verachtfachte seit 2001 ihre Einnahmen aus der Gewerbesteuer von damals 500000 Euro auf nunmehr vier Millionen Euro.

Das ist umso erstaunlicher, weil Cölbe in all dieser Zeit im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Umkreis nur einmal eine neue Fläche für Gewerbe, und zwar in Bürgeln, ausgewiesen hat, die aber trotz einer klaren Absicht einer Discounter-Kette noch nicht bebaut wurde.

Darüber hinaus mussten in der Großgemeinde einige Abgänge von einst etablierten Firmen und auch existenzbedrohende Unternehmenskrisen miterlebt werden. Alles Entwicklungen, die auf den ersten Blick kaum zu einer sich positiv entwickelnden Gewerbesteuer-Einnahme beitragen. Wie kam es dann zu dem Erfolg bei der Gewerbesteuer? „Wir haben hier einen Wandel erlebt und auch wieder Gewerbe dazu gewonnen, wobei der Fokus ganz eindeutig auf Innenentwicklung vor Außenentwicklung und der nachhaltigen Ausrichtung der Firmen lag“, sagt Volker Carle. Und weiter: „Ich komme ursprünglich aus der Wirtschaftsförderung und als ich hier anfing, war ich davon überzeugt, dass hier in Cölbe was geht, riesige Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden sind.“ Carle wollte nicht den schnellen Erfolg auf Biegen und Brechen. „Wenn man Gewerbegebiete ausweist, muss man sie auch vermarkten. Da ist man dann schon versucht, jeden zu nehmen, nur um das Gewerbegebiet ins Laufen zu bringen.“ Das sei kein Weg für Cölbe.

Bürger sollen an dem Prozess direkt teilhaben

„Ich möchte hier Gewerbe haben, das auch zur Gemeinde passt. Schaffen wir wirklich Zufriedenheit und Wohlstand, wenn wir nur nach materiellen Gesichtspunkten bewerten? Oder gibt es dafür andere Kennziffern?“ Diese Leitfrage hat Carle für sich persönlich schon beantwortet. Nun möchte er sie in die Gemeinde tragen und damit natürlich auch in die Fraktionen des Gemeindeparlaments. Er möchte die Idee einer Zertifizierung zu einer Gemeinwohl-Gemeinde ergebnisoffen diskutieren lassen. „Es bringt nichts, jetzt mit einem fertigen Beschlussvorschlag zu kommen oder den Weg schon vorgeben zu wollen“, sagt Carle. Er sieht es zunächst einmal als seine Aufgabe als Bürgermeister an, Impulse in die Gemeinde zu tragen.

Carle weiß auch, dass es dabei wichtig ist, die Bürger mitzunehmen. Deshalb will er transparent damit umgehen und gezielt die Öffentlichkeit für diese Diskussion suchen und nicht hohle Absichtserklärungen dreschen. „Viele sogenannte Bürgerhaushalte sind daran gescheitert, dass es niemanden gejuckt hat. Bürgerbeteiligung anzubieten und dann auch zu erreichen, ist nicht ganz so einfach.“ Es sei deshalb wichtig, die Anreize zu schaffen. Und die Aussicht den Schwerpunkt der Gemeindeentwicklung auf das Gemeinwohl zu legen, sei da ein gutes Argument. Wenn die Bürger dann kommen, könnten auch klare Ziele definiert werden.

Zu diesem Zwecke muss man natürlich auch wissen, was eine Gemeinwohl-Gemeinde ungefähr ist. Grundsätzlich steht dabei das Wohl des Menschen, des Einwohners der Gemeinde, im Mittelpunkt. Ein Beispiel: Wenn sich zwei Firmen um eine Ansiedlung bewerben, sollte nicht in erster Linie der wirtschaftliche Nutzen zählen, sondern andere Kriterien, etwa wie viele Arbeitsplätze entstehen, die von Menschen aus der Gemeinde besetzt werden können. Mit einem Satz: Es sollte bei einer solchen Entscheidung darum gehen, wie gemeinwohlorientiert ein Unternehmen ist.

Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie, bei der unter anderem also das Wohl der Menschen vor dem Profit steht, hat insbesondere in Österreich, in Italien und der Schweiz, aber auch in Süddeutschland eine immer größer werdende Anhängerschaft.

von Götz Schaub

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