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Bei Herzstillstand die beste Erste Hilfe

Neuer Defibrillator Bei Herzstillstand die beste Erste Hilfe

Am Defibrillator ist nur eins schwer: sich zu merken, wie er heißt. Ihn zu bedienen, ist hingegen kinderleicht. Und er rettet Leben. Deshalb hat ihn der Turnverein Schwarz-Weiß Bürgeln angeschafft.

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Jörg Dieterich (links) zeigt anhand eines Übungsgeräts die Funktionsweise eines Defibrillators und mit welchen Griff man die geforderte Herzdruckmassage ausführt. Robert Peter (Zweiter von links) und Jörg Block (Mitte) vom Turnverein ließen sich am Gerät einweisen und hoffen auf viele Bürger, die an einem Erste-Hilfe-Kurs mit Defibrillator teilnehmen möchten.

Quelle: Götz Schaub

Bürgeln. Er ist der erste seiner Art in einem öffentlichen Gebäude der Gemeinde Cölbe, der Defibrillator, der nun an der Wand im Eingangsbereich der Mehrzweckhalle Bürgeln hängt. Dort hängt er stumm und blinkt  alle zehn Sekunden friedlich vor sich hin. So kann es gerne auf ewig bleiben. Doch darauf wollen sich die Verantwortlichen und Vereinsmitglieder des Turnvereins Schwarz-Weiß Bürgeln nicht verlassen. Sie wollen natürlich auch darauf vorbereitet sein, wenn das Ding, dieser Defibrillator, einmal genutzt werden muss, um vielleicht einen der ihren oder einem Besucher einer Veranstaltung in der Halle das Leben zu retten.

Zur Umsetzung des Projekts Defibrillator hat sich der Verein die Hilfe von Jörg Dieterich gesichert. Dieser ist Fachkrankenpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege, arbeitet am Diakonie-Krankenhaus in Wehrda. Er bietet Erste-Hilfe-Kurse mit dem Thema Wiederbelebung an. Ein wichtiges Hilfsmittel dabei ist eben dieser „Defi“, der Defibrillator. „Und der ist kinderleicht zu bedienen“, sagt Dieterich. Man muss sich halt nur ran trauen. Dieses sich Rantrauen will Dieterich nicht nur mit den Vereinsmitgliedern üben. „Es wird noch einen Kurs geben für Vereinsmitglieder, aber auch allen anderen Mitbürgern, die nicht im Verein sind“, sagt Robert Peter, Vorsitzender des TV Schwarz-Weiß Bürgeln. Er findet es toll, dass dieses Projekt über die Vereinsmitglieder finanziert werden konnte.

Das Teil kostet nun auch etwas, nämlich 1200 Euro. Für die politische Gemeinde war es keine Frage, dass der Verein seinen Wunschplatz für den „Defi“ erhält. Jörg Block bewertet das Gerät aus Sicht des Zweiten Vereinsvorsitzenden, aber auch als Ortsvorsteher von Bürgeln: „Hier finden viele Veranstaltungen statt, zu denen viele ­ältere Menschen zusammenkommen. Ihnen kann im Notfall jetzt effektiv geholfen werden, bis der Notarzt eintrifft.“ Das bestätigt Dieterich. Bei einem Infarkt zähle jede Sekunde, um insbesondere Folgeschäden am Gehirn zu verhindern. Bürgermeister Volker Carle lobt den Verein für dieses Engagement: „Das ist tatsächlich der erste, der in einem öffentlichen Gebäude der Gemeinde zu finden ist. Wir sind jetzt sicher von euch angeschubst worden, so dass ich hoffe, dass es so etwas bald auch in den anderen Ortsteilen gibt, wir ein Netzwerk für Erste Hilfe schaffen können.“

Auf Knopfdruck gibt es automatisch Anweisungen

Eine ganz zentrale Rolle­ kommt Kerstin Jung zu. Das Mitglied des Turnvereins mit Vorstandsarbeit-Erfahrung ist Krankenschwester und weiß, wie wichtig ein Defibrillator ist, wenn es ernst wird. Für sie war es im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit, dass „wir jetzt hier so etwas haben“. Und damit nicht genug. Sie wird die Betreuung des Geräts übernehmen. Vornehmlich besteht die darin, einmal im Monat zu gucken, ob das Gerät an seinem Ort ist und grün blinkt. „Einmal in der Woche checkt sich das Gerät selbst, praktischerweise in der Nacht von Sonntag auf Montag, zu einer Zeit, in der hier sicher kein Mensch ist“, sagt Dieterich. Die Batterie dürfte mehr als vier Jahre halten, wenn das Gerät nicht zum Einsatz kommt. Der zu Ende gehende Ladezustand wird dann erst orange, später rot angezeigt. Sollte das Gerät zum Einsatz kommen, ist es an Kerstin Jung, dafür zu sorgen, dass die Elektroden erneuert werden. Die anfallenden Kosten übernimmt die Gemeinde.

Und jetzt noch was Wichtiges: Wenn der Notfall eintritt, muss niemand auf irgendjemanden warten, sondern den Notruf für den Rettungsdienst absetzen und dann sofort das Gerät nehmen und anschalten. „Sobald es an ist, ist nur noch der Stimme aus dem Gerät Folge zu leisten, die genau sagt, was zu tun ist“, sagt Dieterich. Dabei keine Scheu haben. Für die Überprüfung der Herztätigkeit muss  vor Anlegen der Elektroden unbedingt der Oberkörper frei gemacht werden, stellt er heraus. Er freut sich, wenn möglichst viele sich entschließen, das Kursangebot über den Verein anzunehmen, um sich mit dem Gerät vertraut zu machen.

von Götz Schaub

 
Standpunkt von Götz Schaub

Einfach mal mitmachen

Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Ein Defibrillator ist dabei die ideale Hilfe, die von jedem geleistet werden kann. Wirklich von jedem? Viele trauen sich einfach nicht zu handeln, verfallen in eine Schockstarre, haben Angst, was falsch zu machen. Dabei machen sie nur etwas falsch, wenn sie eben gar nicht reagieren. Rund 70.000 Menschen sterben jährlich an einem Herzinfarkt. Viele von ihnen, weil nicht rechtzeitig Hilfe geleistet wurde. Ein gewichtiger Grund, sich zusätzlich in Erster Hilfe ausbilden zu lassen. Es tut nicht weh, es kostet nur ein bisschen Zeit, einen Kurs zu besuchen. Es gibt einem aber ein verdammt gutes Gefühl, im Fall der Fälle, wenigstens etwas zu einer möglichen Rettung beitragen zu können. Der Turnverein Schwarz-Weiß Bürgeln bietet nicht nur Vereinsmitgliedern, sondern auch Mitbürgern die Chance, sich über den Defibrillator und Erste Hilfe zu informieren. Das ist eine tolle Sache. Jetzt bitte nicht wegducken, sondern einfach mitmachen – und das in jedem Alter.

 
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