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Bauausschuss will heimische Quellen schützen

Trinkwasserlieferungen Bauausschuss will heimische Quellen schützen

Neben der Resolution der Ortsbeiräte gegen die geplante Trinkwasserlieferung, führte ein Antrag  auf Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes zu Diskussionen.

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Brisante Themen: Der Konferenzraum der Stadthalle war bei der Sitzung des Ausschusses für Bau und Umwelt voll besetzt.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Voll besetzt mit 40 Teilnehmern war der Konferenzraum der Stadthalle bei der Sitzung des Ausschusses für Bau und Umwelt. Thema war der Antrag der Ortsbeiräte, eine Resolution gegen das Liefern von Grundwasser aus dem Wasserwerk Wohratal des Zweckverbands mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) in das Rhein-Main-Gebiet zu fassen. Zunächst resümierte Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft ,Rettet den Burgwald‘, die Kernpunkte der Kritik.

Zwei Millionen Kubikmeter jährlich sollen aus dem Burgwald geliefert werden, was ein ökologisches Risiko darstelle, da die Grundwasserneubildung stagniere, zum Teil sogar rückläufig sei. Gegen die Behauptung, dass das Rhein-Main-Gebiet dieses Wasser benötigt, spricht, dass dort allein durch Leckagen am Leitungsnetz 20 Millionen Kubikmeter jährlich verloren gehen. Eine Sanierung der Leitungen würde mehr als die geplante Liefermenge einsparen.
ZMW-Geschäftsführer Karl-Heinz Schäfer erklärte dagegen, seit mehr als 100 Jahren sei bekannt, dass Frankfurt ein Defizit in der Wasserversorgung habe. Zudem hat sich der ZMW überlegt, wie man bei immer höheren Fixkosten aufgrund des langen Leitungsnetzes das vorhandene Wasserdargebot zugunsten derjenigen nutzen kann, die vor Ort die Preise zahlen müssen.

Die naturschutzfachlichen Gutachten haben bei der beantragten Fördermenge von 9,8 Millionen Kubikmetern keine Gefährdung des Grundwasserspiegels ergeben. Zudem gibt es die behördliche Auflage eines Monitorings, bei Auswirkungen auf das Grundwasser muss die Förderung eingeschränkt werden.

Daten zu Leitungsverlusten sind widersprüchlich

Klaus Gerber (Grüne) wies auf die Schäden hin, die es durch Wasserentnahmen im Vogelsberg gab, und darauf, dass Anwohner vor Ort seit Jahrzehnten einen Rückgang der Brunnenstände beobachten. Harald Althaus (SPD) stellte außerdem fest, dass widersprüchliche Daten genannt werden: beispielsweise spricht der Versorger Hessenwasser von zwei Prozent Leitungsverlusten, andere von zehn Prozent. Rechtlich könne man nichts gegen die Wasserlieferung tun, aber es gehe darum, die Menge so gering wie möglich zu halten.

Richard Heß (SPD) verwies auf das Ansinnen, einen runden Tisch in Wiesbaden zu dem Thema zu bilden, und sprach sich für eine Resolution aus. „Bevor es dort kein Ergebnis gibt und wir nicht wissen, ob alles unternommen wird, den Wasserverbrauch in Frankfurt zu senken und die Kapazität der dortigen Brunnen zu erhalten, bin ich nicht bereit, aus unserer Gegend Wasser zuzuschießen. Das Wasser kommt aus Tiefen, in denen es zum Teil Hunderte Jahre alt ist, das ist mit Risiken behaftet“, erklärte er, auch wenn das Vorhaben des ZMW, so den Wasserpreis niedrig zu halten, legal und ehrenwert sei. Der Ausschuss empfahl einstimmig, der Magistrat solle eine Resolution im Sinne des Antrags der Ortsbeiräte formulieren.

Erhebliche Diskussionen löste der von Stefan Ronzheimer (FDP) formulierte und von der SPD unterstützte Antrag auf Ausweisung eines Gewerbegebietes im Bereich der K 123 und „B 252 neu“ aus, der am Ende zurückgestellt wurde.
Volker Drothler (CDU) verwies darauf, dass den Landwirten durch den Straßenneubau bereits enorme Flächen entzogen würden, zudem sei eine Vorratsausweisung nicht zulässig. Auch Klaus Gerber (Grüne) sah erhebliches Konfliktpotenzial mit den Landwirten, denn dort liegen fruchtbare Ackerflächen.

Jörg Bettelheimer (Grüne) ergänzte, wer für die Trinkwasserresolution gestimmt habe, könne nicht dafür sein, beste Böden, die nicht viel gedüngt werden müssen, zu vernichten. Und Stadtrat Fritz Schindel-Künzel (Grüne) erinnerte daran, dass die Stadt 2011 bei Planung der K 123 gesagt habe, dass die Grünflächen dort erhalten bleiben.

Bürgermeister Kai-Uwe Spanka bestätigte: „Diese Flächen werden intensiv von Landwirten genutzt. Außerdem haben wir aktuell 50.000 Quadratmeter freie Gewerbefläche, zum Beispiel gegenüber dem Sportplatz und der Reithalle. Für mich ergibt es keinen Sinn, mich an Gewerbeflächen von Nachbarkommunen zu beteiligen, wenn es genug freie Fläche gibt.“

„Am Aspher Weg“ wird Stallgebäude erweitert

Einstimmig befürwortete der Ausschuss den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Raiffeisenstraße in Amönau. Die Oberhessische Verkehrsgesellschaft möchte dort ihren Betriebsstandort erweitern. Ebenso stimmten die Anwesenden für die Änderung des Flächennutzungsplans und den Bebauungsplan „Am Aspher Weg“ in Wetter. An ein vorhandenes Stallgebäude soll eine eingeschossige, etwa 27 mal 30 Meter große Lagerhalle für Stroh, Getreide, Holz, Pellets und bewegliches Inventar angebaut werden. Außerdem befürwortete der Ausschuss die Eröffnung der frühzeitigen Beteiligungsverfahren zum Baugebiet „Am Oberrospher Weg“ in Wetter.

Bürgermeister Spanka kündigte an, dass der Verkehr seit dieser Woche wieder durch die Kandelsgasse fließt. Fraglich bleibt, was grundsätzlich aus diesem Bereich werden soll, um die Verkehrssituation zu entschärfen. Bereits früher habe es Gedanken an einen Minikreisverkehr gegeben, im kommenden Frühjahr soll ein solcher dort entstehen.

von Manfred Schubert

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