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Bäume pflanzen für die neue Straße

B252-Neubau Bäume pflanzen für die neue Straße

Die Bauarbeiter sind in der Winterpause, bis zur geplanten Freigabe des ersten Bauabschnitts im Jahr 2017 ist noch viel zu tun. Dennoch hat sich an der B-252-Strecke zwischen Goßfelden und Wetter schon einiges bewegt.

Die Ruhe vor dem Straßenbau – beim Blick von der Hardt in Richtung Wollenberg erkennt man im Hintergrund anhand der Stützpfähle einige der neu gepflanzten Gehölze, die die Bechsteinfledermäuse leiten sollen. Im Vordergrund wird die neue Straße verlaufen.

Quelle: Michael Agricola

Wetter. Der Spatenstich im August 2013 am geplanten Kreisel von Wetter nach Amönau war noch von Protesten der gegen die Trasse klagenden Grundstücksbesitzer geprägt. Knapp eineinhalb Jahre später ist nicht nur besagter Kreisel gebaut und die Querverbindung namens Kreisstraße 123 zur alten Bundesstraße 252 nördlich von Wetter in Betrieb. Gleich daneben ist gut sichtbar ein erstes Brückenbauwerk entstanden und weitgehend fertiggestellt.

Im weiteren Verlauf hoch zum Wollenberg sind die Baugruben ausgehoben und zum Teil Fundamente für zwei weitere Brücken gelegt. Ansonsten ist zwischen Goßfelden und Wetter bislang nur zu erahnen, wo die Straße entlangführen wird.

Das ist nicht weiter verwunderlich, weil der Streckenbau stets zum Schluss erfolgt. Zunächst sind immer die Brückenbauwerke dran. Diese sind mehr oder weniger aufwändig, je nachdem, ob sie „nur“ ein Hindernis überbauen oder später als Über- oder Unterführung für die Bundesstraße oder für landwirtschaftliche Wege dienen.

Bislang, so Bernd Marquordt, der bei Hessen Mobil federführend für das Straßenbauprojekt zuständig ist, liege man leicht hinter dem Zeitplan, aus heutiger Sicht sehe es aber so aus, als könnte die erste Straßen-Etappe wie geplant zum Jahresende 2017 fertig werden. Das hängt unter anderem aber auch davon ab, wie die Wintermonate bis dahin verlaufen.

Ausgleichsmaßnahmen für die Natur in vollem Gange

Durch den Wintereinbruch ist derzeit Pause an den Baustellen, doch durch das milde Wetter zum Ende des Jahres konnten auch an anderer Stelle wichtige Naturschutzprojekte begonnen werden, vor deren Fertigstellung die Straße nicht freigegeben werden dürfte.

Besondere Aufmerksamkeit wurde bei der Planung, aber auch jetzt in der Bauphase, den Einflüssen auf die Tierwelt gewidmet. Denn die Eingriffe in die Natur sind auch bei diesem Straßenbau enorm. Und die geforderten Maßnahmen, die ergriffen werden, um die Tierwelt zu schützen, sind vielfältig. Ihre Realisierung beginnt nicht erst dann, wenn die Straße gebaut wird, sondern teilweise schon Jahre früher.

Entlang von Wegen und Wiesen an der Landesstraße 3381 zwischen Goßfelden und Wetter sind in den vergangenen Monaten, für Vorbeifahrende gut sichtbar, für etwa 50000 Euro mehrere Hundert Bäume, Büsche und Hecken gepflanzt worden. Alles einheimische Gehölze wie Schlehen, Weißdorn, Rose, Holunder, Eberesche oder Wildkirsche, -birne und -apfel. Bei den Hochstämmen sind Ahornbäume dabei, aber auch Weiden, Birken, Linden oder Hainbuchen, genauso wie verschiedene Obstgehölze.

Die Pflanzungen und vor allem ihre Anordnung im Feld bieten Lebensraum und Nutzen für viele Tiere und Pflanzen. Besondere Bedeutung haben sie aber für die seltene Bechsteinfledermaus - und damit automatisch auch für den Fortschritt des Straßenbaus. Die Hecken und Bäume sollen, genauso wie später zu bauende Irritationsschutzwände an der Straße, die streng geschützte Fledermausart leiten. Die Tiere haben im Wollenberg ihre Quartiere und kreuzen auf dem Weg zu ihren Jagdgebieten an der Wetschaft die geplante Trasse. Entlang der neuen Pflanzungen sollen sie künftig dorthin geführt werden, wo sie gefahrlos die neue Trasse über- oder unterqueren können, erklärt Projektingenieur Friedrich-Wilhelm Schüttler von Hessen Mobil. Damit könne wirksam verhindert werden, dass die Fledermäuse beim Überqueren der Straße von Autos getötet werden.

Schutz für Fledermaus, Auenwald und Bläuling

Vier Jahre lang werden die Bäume und Hecken jetzt von Hessen Mobil betreut und gepflegt. Und es wird überwacht, wie die Tiere den Korridor annehmen, der ihnen den Weg weist. Schüttler ist sich sicher, dass der Plan aufgeht, denn die Bechsteinfledermaus orientiert sich an solchen Baumreihen und Leitpflanzungen, weil sie dort schon auf dem Weg zu ihren eigentlichen Jagdgebieten Nahrung findet, schließlich schwirren jede Menge Insekten rund um Bäume und Sträucher.

Dass mit diesen Pflanzungen so früh begonnen wurde, hat seinen Grund. Die Leitstrukturen müssen eine Vegetationsperiode vor Verkehrsfreigabe hergestellt sein und zum Zeitpunkt der Straßeneröffnung ihre Funktion auch erfüllen. Auch das wird streng überwacht.

Auch für die Population der Bechsteinfledermaus an sich wurde im Rahmen der den Straßenbau begleitenden Artenschutzmaßnahmen schon etwas getan. 29 Hektar Waldfläche am Rand des Wollenbergs, nahe Schwedenschanze und Teichtannen, wurden aus der forstlichen Nutzung genommen. In 4 bis 5 Metern Höhe wurden für die Tiere, die dort Kolonien haben, zusätzliche Löcher als Höhlen in die Bäume gefräst.

Noch früher mussten die Planer von Hessen Mobil an anderen Stellen tätig werden, um keine Verzögerung für die spätere Verkehrsfreigabe zu riskieren. Auf dem zweiten und dritten Bauabschnitt, der sich nördlich und südlich des ersten Bauabschnitts anschließt, fällt der Straße zum Beispiel geschützter Erlen-Eschen-Auenwald zum Opfer. Dieser muss so frühzeitig an anderer Stelle ersetzt werden, dass er seine Funktion für die Tierwelt zum Baubeginn wieder erfüllen kann. Und das heißt, die Ersatzpflanzungen müssen dann mindestens fünf Jahre alt sein. Aus diesem Grund wurde schon im April 2013 mit den Ersatzpflanzungen nördlich und südlich von Simtshausen begonnen, zum Teil vor dem offiziellen Baubeginn bei Wetter. Ein Baubeginn wäre auf diesen Streckenabschnitten an den betroffenen Bauwerken allein aus diesem Grund deshalb vor 2019 gar nicht möglich gewesen.

Und nicht nur dort. Oberhalb des Gewerbegebiets von Goßfelden und nahe Sarnau Bahnhof werden seit diesem Jahr Wiesenflächen für eine Schmetterlingsart vorbereitet, die durch die geplante Trasse einen Teil ihres Lebensraums verlieren wird. Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling soll über drei Jahre von den alten Flächen auf die neuen gelockt werden. Man könnte auch sagen, er wird von den alten sanft vertrieben, „vergrämt“.

Das geht erst, wenn die neuen Biotope sich entwickelt haben und es dauert mindestens drei Jahre, weil sich die Tiere über diese Zeit entwickeln.

Die ganze Strecke ist inzwischen baureif

Zwar haben die Straßenbauer von Hessen Mobil in den kommenden Jahren mit dem ersten Bauabschnitt noch genug zu tun. Doch vorausgesetzt, das für die beiden anderen Bauabschnitte zwischen Wetter und Münchhausen sowie zwischen Göttingen und Goßfelden notwendige Geld sei schon bewilligt, könnte es sofort losgehen. Seit April 2014, als der letzte Klageführer sein Begehren zurückzog, besteht für die komplette Streckenlänge über etwa 17,5 Kilometer unangreifbar Baurecht. Wie Willi Kunze, der Regionalbevollmächtigte von Hessen Mobil, bestätigt, ist das Geld für den ersten Bauabschnitt inzwischen komplett gesichert.

von Michael Agricola

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