Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Auto lässt den Kindermund Wahres kundtun

Andreas Steinhöfel Auto lässt den Kindermund Wahres kundtun

„Fritzke“ ist ein mieser Sack, der schon in den beiden vorhergehenden Kinderbuchbänden „Rico, Oskar und die Tiefschatten“ sowie „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ eine wichtige Rolle einnimmt.

Voriger Artikel
Zusammenstoß auf L3091
Nächster Artikel
„Hast du Not, frag Loth“ heißt‘s in Caldern

Andreas Steinhöfel, Kinderbuchautor aus Biedenkopf, stellte den dritten und letzten Band seiner „Rico und Oskar“-Reihe in Cölbe vor. Im nächsten Jahr wird sein neues Buch „Anders“ erscheinen.

Quelle: Elvira Rübeling

Cölbe. Und jetzt ist Fritzke tot. Er ist der Tote im Treppenhaus, den Rico und Oskar in dem Mietshaus in dem sie alle in Berlin-Kreuzberg leben, auffinden. „Er war unser erster Toter überhaupt“, so heißt es weiter im dritten und letzten Band der Reihe „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“.

Die Kinder verständigen erst einmal „Mommsen“, eine ebenfalls schon bekannte und immer wieder auftauchende Figur in den Büchern. Bis dahin versüßen sie sich ihre Totenwache im Treppenhaus, unter genauster Betrachtung des Toten, mit Schokolade.

„Der Einbau und Bruch von Tabu-Themen in den Kinderbüchern, geschildert aus der Sichtweise des Kindes und gemessen an seinen Empfindungen, seien kein Zufall,“ so der Autor Andreas Steinhöfel über seine Bücher. In einer Pause seiner Lesung äußerte er sich zu vielen Fragen aus dem Publikum. „Ursprünglich habe er zu Beginn der Reihe eine Geschichte zum Thema „Hochbegabung“ schreiben wollen. Entstanden sei so das ungleiche Jungenpaar, das zusammengesetzt aus dem hochbegabten Oskar und dem tiefbegabten Rico, dennoch vieles gemeinsam hat. Beispielsweise den gemeinsamen Stress darüber, „dass die Welt nicht so funktioniert, wie sie es sich wünschen.“

Der heute in Biedenkopf lebende Autor hat genauestens auf den Kindermund geschaut. Er verwendet dessen deutliche, ehrliche, unumwundene und direkte Sprache, die für die Erwachsenen als feinsinniger Humor und bei der Altersgruppe ab 10 bis 12 Jahren sehr lustig und auch mit Lerneffekten herüberkommt.

Die Direktheit des Autors und auch das Kratzen an den moralischen, in Frage gestellten Grenzen haben bei seinen Veröffentlichungen in verschiedenen Ländern auch immer wieder zu Kürzungen geführt. So zeigt beispielsweise das Cover des dritten Bandes Rico und Oskar nackt von hinten. Nur einer von ihnen ist mit einer Pudelmütze bekleidet und sie sind es deshalb, weil sie in Richtung Nacktbadestrand marschieren, antwortete der Autor auf eine Publikumsfrage.

Nur hierzulande erscheinen die Bücher unzensiert

Dieser Einband wurde in Amerika abgelehnt. Bisher seien die Bücher nur in Deutschland ohne Kürzungen oder Veränderungen erschienen. Am Freitagabend stellte der erfolgreiche Übersetzer, Kinderbuch- und Drehbuchautor Steinhöfel während einer Benefizveranstaltung im Sonnenforum der Firma Wagner Solartechnik die dritte und letzte Geschichte der beiden ungleichen Jungs vor. Eingeladen hatte ihn die örtliche Bücherei. Cölbe ist bundesweit der einzige Ort, an dem Steinhöfel aus allen drei Bänden vorlas. Der Erlös kommt in vollem Umfang dem Büchereiverein Cölbe unter dem Vorsitz von Bernadette Neckermann-Achterholz zugute. Der Autor verzichtete auf sein Honorar und die Firma Wagner Solartechnik stellte die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung. Wem es an dem Abend nicht mehr gelang, bei der mitwirkenden Buchhandlung „Lesezeichen“ aus Marburg Exemplare des vorgestellten Buches oder auch seiner weiteren, vielfältigen Veröffentlichungen zu erwerben, kann sie sich möglicherweise beim Büchereiverein Cölbe, Am Heuberg, ausleihen.

Denn ab Seite 80 wird es noch einmal richtig spannend, weil dann die kleine, integrierte Krimigeschichte in dem letzten Buch der Reihe beginnt. Die gesammelten und sich von selbst vermehrenden Steine des Toten Fritzke kommen nämlich abhanden.

von Elvira Rübeling

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr