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„Aus meiner Sicht: Macht es!“

Bürgerhäuser „Aus meiner Sicht: Macht es!“

Münchhausens Bürgermeister Peter Funk wirbt bei Vereinen der Gemeinde für die Übernahme der Bürgerhäuser. Hintergrund: In der Dorferneuerung wird die Sanierung nur dann noch gefördert.

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In Simtshausen wird die untere Etage des Bürgerhauses bereits von den Vereinen verwaltet und getragen.Foto: Martina Koelschtzky

Münchhausen. Drei Münchhäuser Ortsteile sind derzeit in der Dorferneuerung: Simtshausen, Oberasphe und Wollmar. Und alle drei wollen Verbesserungen an ihren Bürgerhäusern vornehmen. Das Land Hessen fördert solche Vorhaben aber nur noch, wenn die Häuser anschließend nicht in der Trägerschaft der Gemeinde bleiben, erläuterte Funk.

„Die anderen Ortsteile vom Münchhausen sollten schon aus Solidarität überlegen, ob das bei ihnen nicht auch möglich ist“, meinte Funk bei einer Bürgerversammlung zum Thema am Montag in Münchhausen. Die beiden übrigen Häuser in Münchhausen und Niederasphe seien bereits 2000 und 2003 saniert worden.

Vor rund 50 Interessierten berichtete der Vorsitzende der Fördervereins „Unser Dorf“ Burgholz, Hermann Engst, wie in dem 390-Seelen-Ort die Bewirtschaftung des Dorfgemeinschaftshauses durch den Förderverein funktioniere. Der Verein sei als erster im Landkreis 2009 das Wagnis eingegangen und nun für die Strom- und Wärmekosten, die Reinigung sowie die Belegung des Hauses allein verantwortlich, berichtete er. „Das hat den Vorteil, dass wir der Herr im eigenen Haus sind und entscheiden können, was dort passiert und was eben nicht passiert.“

Schon bei der Dorferneuerung habe das Modell große Vorteile gebracht, denn durch viel Eigenleistung des Fördervereins sei die zugesagte Förderung von 75 auf 92 Prozent angehoben worden und die Stadt Kirchhain musste nur noch 20000 von den insgesamt 250000 Euro Sanierungskosten tragen.

Außerdem habe sich gezeigt, dass unter der Selbstverwaltung der Vereine die Strom- und Heizkosten gesunken seien. „Wenn es auf die eigene Kasse geht, achten alle einfach mehr darauf, dass Licht und Heizung aus sind.“ Für die Reinigung habe man für zehn Stunden im Monat eine Hilfe engagiert, das reiche aus, denn die Räume seien ja nach Benutzung sauber zu hinterlassen.

Belegung ist gestiegen

Mit der Stadt Kirchhain habe man ausgehandelt, dass die Einsparungen bei den Betriebskosten auf ein Treuhandkonto eingezahlt werden und für eventuelle Defizite zur Verfügung stehen. Das sei aber bisher nur einmal notwendig geworden, es blieben dem Verein in der Regel 300 bis 400 Euro Überschuss aus dem Getränkeverkauf. Für die „Dauergäste“ Feuerwehr, Ortsvorsteher und Jugendclub bekomme man von der Stadt jährlich 3000 Euro Kostenerstattung.

Auch die Belegung sei deutlich gestiegen, seiner Schätzung nach habe sie sich im Vergleich zu vorher fast vervierfacht. „Aus meiner Sicht: Macht es!“, schloss er seinen Vortrag.

Funk präsentierte anschließend eine Kostenaufstellung der Münchhäuser Dorfgemeinschaftshäuser. Allein die Hausmeisterkosten summierten sich für alle Häuser auf 26000 Euro im Jahr, sagte er. Die höchste Nutzung, aber auch die höchsten Heizkosten habe Niederasphe: Hier würden auch aufgrund des alten Heizkessels mehr als 8000 Euro im Jahr fällig. Ähnlich hohe Heizkosten hat nur noch Simtshausen, dort ist jedoch bereits die untere Etage an drei Vereine vergeben worden. Die niedrigsten Heizkosten hat Oberasphe mit etwas über 3000 Euro im Jahr. Dort ist der Kindergarten fester Bestandteil des Bürgerhauses.

Burgwaldhalle als Modell

Von der Münchhäuser Burgwaldhalle, die schon seit 14 Jahren von den sieben größten örtlichen Vereinen getragen wird, berichtete der Vorsitzende des Gesangvereins, Hermann Smentek. Dort sei man inzwischen zu einem Modell übergegangen, bei dem alle zwei Jahre der zuständige Verein wechsele. „Das funktioniert gut, indem wir den nächsten Verein immer schon als Vertretung mit einbinden. Das einzige Problem ist, dass die Halle im Winter oft lange leer steht und es dann Tage dauert, bis sie warm wird.“ Der Gesangverein habe deshalb seine Singstunden im Winter ins Jugendkulturhaus verlegt, das ebenfalls von drei örtlichen Vereinen getragen wird.

Die Zuhörer stellten Engst konkrete Fragen zur Nutzung, zum Aufwand der Buchführung und zum Winterdienst. Welche Aufgaben bei der Gemeinde bleiben und wie Defizite aufgefangen werden können, sei in jedem Fall verhandelbar, betonte Funk. Er könne aber berichten, dass in Simtshausen schon durch die Abgabe der unteren Etage an Vereine die Energiekosten deutlich gesunken seien.

Bis Ostern solle nun in den Orten der Gemeinde mit Vereinen und Ortsbeirat über die Bereitschaft zur Übernahme diskutiert werden, empfahl Funk. Dann seien nämlich die Förderanträge für die Sanierungen fällig. Bis zu den Sommerferien sollten dann konkrete Konzepte erarbeitet werden.

von Martina Koelschtzky

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