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Aufräumarbeiten nach Lkw-Unfall: Jetzt mischt sich Spanka ein

Kritik an Hessen Mobil Aufräumarbeiten nach Lkw-Unfall: Jetzt mischt sich Spanka ein

In den Streit zwischen dem Kreisfeuerwehrverband und Hessen Mobil schaltet sich auch Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka ein, der frühere Befürchtungen der Bürgermeister im Kreis bestätigt sieht.

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Nach dem ­Unfall ­eines mit Speiseöl ­beladenen Lkw in der Nacht zum ­vergangenen Montag, der zu einer ­Vollsperrung und einem langwierigen Einsatz der freiwilligen Feuerwehr in Lahntal geführt hatte, hatte sich Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Lars Schäfer öffentlich darüber beschwert, dass die zuständige Straßenbaubehörde Hessen mobil die ehrenamtlichen Kräfte nicht durch eigene Kräfte abgelöst habe, das Personal von Hessen Mobil jedoch an der gesperrten Straße Reparatur- und Mäharbeiten ausgeführt hatte.  
In einem Brief an den hessischen Verkehrsminister Florian Rentsch greift Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka nun diese Kritik auf und nimmt Bezug auf die 2011 vom Land Hessen eingeschränkten Rufbereitschaftszeiten von Hessen Mobil, die hessenweit kritisiert worden waren. Unter anderem hatte seinerzeit die Arbeitsgemeinschaft der Bürgermeister im Landkreis vor diesem Schritt gewarnt.
Trotz aller Kritik habe der hessische Verkehrsminister in einem Schreiben vom  25. Mai 2011 mitgeteilt, dass an dem Plan festgehalten werde und zugleich versichert, dass es bezüglich der Erreichbarkeiten und Ansprechbarkeit keine Einschränkungen geben werde, da ein Alarmierungsplan bestehen.

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In Befürchtungen bestätigt

Durch den Ablauf nach dem Verkehrsunfall auf der B 62 sieht sich Spanka in seinen Befürchtungen bestätigt. Gegenüber Rentsch moniert er, „dass genau diese Zusicherungen offensichtlich keinen Bestand haben. Im Gegenteil, genau die in unserem Schreiben skizzierten Szenarien sind während dieser Schadenslage eingetreten.“
Spanka begründet seine Kritik mit dem Ablauf bei der Beseitigung der Unfallfolgen.Die Feuerwehr sei gegen 2 Uhr zum Einsatz gerufen worden. Aufgrund der erheblichen Schäden an dem Lastwagen und der Ladung  seien weitere Arbeiten, insbesondere das Beseitigen von ausgelaufenem Rapsöl und die Bergung des havarierten Lkw, erforderlich gewesen, die nur bei einer Vollsperrung zu leisten waren.
Die Bemühungen der Polizei, über Hessen Mobil beziehungsweise die Straßenmeisterei das notwendige Absperrmaterial für eine Vollsperrung und die entsprechende Umleitungsbeschilderung stellen zu lassen, scheiterte daran, dass in der Nacht offenbar nur ein Mitarbeiter in Rufbereitschaft war. So sei zunächst gegen 2.50 Uhr die Bauamtsleiterin der Gemeinde Lahntal und danach der Leiter des Zweckverbandes Kommunaler Bauhof Lahntal/Wetter/Cölbe angerufen und im Rahmen der Amtshilfe ­angefordert worden. So wurden die nächtlichen Absperrungen in Zusammenarbeit mit der Polizei realisiert. Am Morgen zum Dienstbeginn übernahmen dann die Straßenwärter die weiträumige Umleitungseinrichtung.
 

So ist es „nicht akzeptabel“

Kritisch sieht Spanka zudem, dass im Anschluss an die Personenrettung des eingeklemmten Lkw-Fahrers die Einsatzkräfte der Feuerwehren den ganzen Tag über zum Beseitigen der Ladung und zum Aufräumen der Unfallstelle „herangezogen“ wurden. Spätestens nach dem Beseitigen der konkreten Gefahren „wäre eine Übernahme der Einsatzstelle vom zuständigen Straßenbaulastträger opportun gewesen“ – damit ist Hessen Mobil gemeint.
In seinem Brief spricht ­Wetters Bürgermeister davon, dass man die Vorgehensweise in dieser Form nicht akzeptieren ­könne. „Weder der Zweckverband Kommunaler Bauhof noch unsere ehrenamtlichen Feuerwehren sind für derartige Aufgaben auf den Bundes- und Landesstraßen in unserem Bereich zuständig“, so Spanka. Er  bittet „dringend um eine für alle Beteiligten befriedigende Regelung“.

Straßenanwärter über Vorwurf verärgert
Lutz Röse ist sauer. Sauer auf den Feuerwehrverbands-Chef Lars Schäfer. Der habe ihn und seine Kollegen von der Marburger Straßenmeisterei mit seiner Kritik am Ablauf der Lkw-Bergung auf der B 62 am vergangenen Montag persönlich verunglimpft und herabgesetzt.
Während die Freiwilligen von der Feuerwehr den verunglückten Lkw leer und die Straße freigeräumt hätten, so die Schilderung der Feuerwehr, seien die Mitarbeiter von Hessen Mobil an der gesperrten Strecke Mäh- und Reparaturarbeiten nachgegangen, anstatt sich an den Bergungsarbeiten zu beteiligen. Für den Straßenwärter Lutz Röse ist diese Schilderung eine Zumutung. Arroganz wirft er dem obersten Feuerwehrmann im Kreis vor, dessen Kritik höre sich an, als hätten die Straßenwärter „mit dem Läppchen die Brückengeländer geputzt“. Er und seine Kollegen hätten an diesem einen Tag – aufgrund der günstigen Gelegenheit der gesperrten Bundesstraße – Arbeiten erledigen können, für die sie sonst – unter Verkehr – zwei Werktage gebraucht hätten.
Den Autofahrern seien so mehrere Tage mit Baustellenampeln erspart geblieben, hatte gegenüber der OP zuvor auch schon der Marburger Hessen-Mobil-Bevollmächtigte Willi Kunze betont. Für die Mäharbeiten am Randstreifen hätte sonst eine Fahrbahn gesperrt werden müssen, so Kunze, weil zum Beispiel Mähfahrzeuge an dieser Straße entgegen der Fahrtrichtung eingesetzt werden müssten.
Es gehöre sich einfach nicht, wie Lars Schäfer in seinem Amt über ihn und seine Straßenwärterkollegen spreche und damit ihren Ruf beschädige, ärgert sich hingegen der 53-jährige Röse. „Schäfer kann gern mal einen Tag ein Mähfahrzeug fahren, ein Mähwerk vorne, eins an der Seite, unter der Leitplanke und dabei noch auf den fließenden Verkehr achten, damit nichts passiert. Dann würde er vielleicht nicht so sprechen.“ Und: „Ich hätte an dem Tag auch lieber Ölflaschen in eine Container geworfen statt an der Straße zu arbeiten, die verschlissenen Nähte von Brückenübergangskonstruktionen herauszustemmen und heiß neu zu vergießen.
Aber noch etwas ärgert den Anzefahrer. Schäfer habe ja richtig festgestellt, dass die Aufgabe der Feuerwehren nur die Gefahrenabwehr sei. Für das Räumen der Straße sei ein Bergungsunternehmen zuständig, das auch vor Ort war, allerdings mit zu wenigen Mitarbeitern. Warum Schäfer dann seine Einsatzkräfte als Leiharbeiter für das Unternehmen zur Verfügung gestellt hatte, müsse er erklären. Eigentlich sei es Aufgabe der Bergungsfirma gewesen, für genügend Helfer zu sorgen. „Wir von Hessen Mobil haben gar nicht die Möglichkeit und die Geräte dafür, einen Lkw zu bergen oder einen solchen Ölsee zu beseitigen. Das Räumen einer solch großen Unfallstelle ist nicht unsere Aufgabe, sondern die einer Fachfirma.“ 
Auch die nächtliche Beschilderung der Unfallstelle durch den Bereitschaftsdienst von Hessen Mobil sei durch eine Person logistisch nicht möglich gewesen. Ein diensthabender Mitarbeiter könne unmöglich alle notwendigen Absperrungen in kurzer Zeit allein aufstellen. Für jedes einzelne Schild müsse jeweils auch ein 35 Kilo schwerer Fuß bewegt werden. Zum Vergleich: Am Morgen seien acht Kollegen in vier Fahrzeugen unterwegs gewesen, um die umfangreichen Umleitungsbeschilderungen an den verschiedenen Abfahrten der B3 und den Knotenpunkten rund um den Unfallort anzubringen.

von Michael Agricola

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