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Auf der Suche nach dem wahren Klang

Car-Hi-Fi Auf der Suche nach dem wahren Klang

Wie unverfälscht ist die Musik in meinem Auto zu hören? Dieser Frage gingen die Teilnehmer des Klangwettbewerbes für Automusikanlagen in Amönau nach.

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Der Amönauer Markus Muth (kleines Bild) ist Beisitzer im Verein AYA und holte erstmals einen der bundesweiten Klangwettbewerbe in die Region. An seinem Golf V hat er zwar die Türverkleidung komplett umgebaut, aber das Ziel, fast wie original auszusehen, hat er erreicht. Insgesamt präsentierten 47 Teilnehmer die Musikanlagen in ihren Autos einer Jury.

Quelle: Manfred Schubert

Amönau. Lautes Dröhnen, wummernde Bässe und parallel dazu schepperndes Karosserieblech - nichts von alldem war am Samstag vor dem Bürgerhaus zu hören. Dabei fand dort ein Klangwettbewerb für Musikanlagen in Autos statt. Aber entgegen aller Klischees ging es dort nicht um größtmögliche Lautstärken.

Veranstalter war der Verein AYA, der bundesweit 130 Mitglieder hat. Die Abkürzung steht für „Are You Authentic?“, was übersetzt so viel heißt wie: „Bist du authentisch?“

Ziel der Tüftler ist es, dass ihre Anlagen die Musik möglichst originalgetreu, also unverfälscht, wiedergeben. Sechs Sound- und drei Einbaujuroren bewerteten anhand der speziellen Test-CD „AYA - Authentic Audio Check“ den Klang, beispielsweise die Bereiche Tiefbass, Grundton und Hochton und die Dynamik sowie die Sicherheit. Bei Letzterem geht es zum Beispiel um die Verkabelung oder die Befestigung der Anlagenteile - aber auch um die Frage, ob eventuell die Sicht des Fahrers eingeschränkt wird.

Die 47 Teilnehmer, unter denen sich auch Nicht-Mitglieder des Vereins fanden, gingen in acht Klassen an den Start. Die Einstufung richtet sich nach den Erfahrungen der Teilnehmer sowie dem betriebenen Aufwand.

In der Einsteigerklasse darf die „unverbindliche Preisempfehlung“ der verbauten Anlagenteile 2500 Euro nicht übersteigen. In der Premier-Klasse gehen Autofahrer mit ihren Car-Hi-Fi-Anlage an den Start, die sie mit extremem Aufwand an Material, Arbeit und Know-how gebaut haben.

Wettbewerb klingt mit Party aus

Der Amönauer Markus Muth, Beisitzer im AYA, hatte erstmals einen der bundesweiten Klangwettbewerbe in die Region geholt. Er war zugleich der einzige Teilnehmer aus dem Landkreis. Ansonsten waren auf dem Parkplatz Kennzeichen aus dem Vogelsberg und dem Lahn-Dill-Kreis, zumeist aber von weiter her, zum Beispiel aus Hannover und München, zu sehen.

Mit 18 Jahren hatte Muth erstmals eine Anlage in sein Auto eingebaut. Das stete Basteln, um den Klang zu verbessern, ließ ihn nicht mehr los. Dann kamen Freunde und Bekannte, auf ihn zu und bestätigten die Qualität seiner Arbeit. Mittlerweile bietet der 26-Jährige Komplett-umbauten an und finanziert damit sein Studium der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik in Karlsruhe.

Eine individuell eingebaute Anlage müsse keineswegs teuerer sein als eine fertige vom Autohersteller, aber könne genau auf das Fahrzeug oder die Bedürfnisse des Besitzers abgestimmt werden, sagt Muth und erklärt: Es sei beispielsweise egal, ob er nun Klassik oder Rock mag.

Doch bei der Veranstaltung geht es um mehr als um Plaketten und Punkte (die zwölf Besten dürfen zum Finale am letzten Septemberwochenende in Duisburg): Die Teilnehmer kennen sich zum Teil schon seit Jahren, nutzen die Treffen zum Austausch und zur Fachsimpelei. Im Bürgerhaus fand auch eine Home-Hi-Fi-Vorführung statt. Zudem gab es eine Tombola, bei der es natürlich Preise wie Lautsprecher zu gewinnen gab. Mit einer Party am Abend klang der Wettbewerb aus.

Lokalmatador landet bei „Outlaws“ auf Platz drei

Muth selbst belegte mit seinem Golf V diesmal den dritten Platz in der „Outlaw-Klasse“. Insgesamt 24 Teilnehmer in den acht Klassen freuten sich am Ende über die begehrten AYA-Plaketten. Sieger in der Premier- Klasse wurde Carsten Balzer aus Minden. Seinen Scirocco habe er im Jahr 2009 „nackt“, also ohne Radio, bestellt. Auf der Fahrt nach Hause habe er damals sehr darunter gelitten, dass es keine Musik gab, erinnert er sich. Danach scheute er keine Kosten und Mühen mehr: Etwa 120 Kilogramm wiegen die Anlage in seinem Fahrzeug, die Kabel und die für die Komplettdämmung verbauten Materialien.

Auf das Fahrzeug komme es gar nicht so an, erklärte der 38-jährige AYA-Schriftführer und Soundjuror, den mit 18 Jahren das Car-Hi-Fi-Fieber gepackt hatte. Er sei sogar schon erfolgreich mit einem umgebauten Traktor angetreten - und nicht einmal Letzter geworden. Damals habe ihn der Ehrgeiz gepackt - ein Jahr später gewann er in seiner Klasse.

Kurios ist der Car-Hi-Fi-Fan, der keinen Führerschein besitze und sich immer von seiner Frau fahren lässt. Bei ihrem Fahrzeug ist die Anlage entsprechend auf den Beifahrersitz ausgerichtet.

von Manfred Schubert

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