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Astrid Mergel-Diehl ist als "Nikoläusin" in ihrem Element

OP-Serie: 50 mit 50 Astrid Mergel-Diehl ist als "Nikoläusin" in ihrem Element

Der Nikolaus hat für Astrid Mergel-Diehl eine ganz besondere Bedeutung: Seit 50 Jahren feiert sie an diesem Tag ihren Geburtstag - und meistens kommt auch der Heilige vorbei.

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Am 6. Dezember ist Nikolaustag und auch der Geburtstag von Astrid Mergel-Diehl. Der Brauch, diesen Tag mit kleinen Geschenken zu feiern und Kinder zu befragen, ob sie brav waren, geht auf den heiligen Nikolaus von Myra zurück.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Kernbach. Mit ihrem Geburtstag verbindet Astrid Mergel-Diehl immer auch den Nikolaus. Das hängt einerseits damit zusammen, dass die Kernbacherin am 6. Dezember 1964 zur Welt kam und andererseits mit ihrem Beruf. Denn die 50-Jährige ist Erzieherin und Diplom-Pädagogin. „Ich hatte immer einen tollen Geburtstag - ob als Kind oder als Erwachsene“, erklärt Mergel-Diehl. An ihrem Geburtstag sei immer etwas los gewesen.

Die Eltern des Geburtstagskindes hatten eine Gastwirtschaft in ihrem Geburtsort Speckswinkel. „Und meine Mutter hat zu meinem Geburtstag immer einen Nikolaus organisiert“, erinnert sie sich zurück. Heute organisiert Mergel-Diehl den Nikolaus - oder spielt ihn gleich selbst. Seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet die Diplom-Pädagogin nämlich für das Kinderzentrum Weißer Stein in Wehrda. Selbst hat die 50-Jährige nie einen Kindergarten besucht. „Meine Schwester und ich, wir wurden von meinen Großeltern betreut“, erzählt Mergel-Diehl. In der Nachbarschaft seien sie immer mit ganz vielen Kindern gewesen, „da war es nie langweilig“.

Langweilig wurde es der gebürtigen Speckswinklerin auch nicht, als sie in die dortige Grundschule kam. „Ich habe mich sehr auf die Schule gefreut und war ganz wild darauf, etwas zu lernen“, berichtet sie heute. Alle Klassen seien damals in einem Raum untergebracht gewesen, „einzig die Tischgruppen unterschieden, wer in welche Klasse ging“. Nach der Grundschule wechselte Mergel-Diehl auf das Gymnasium nach Treysa.

„Da waren wir 39 Jungen und Mädchen in der Klasse. Das war schon heftig“, sagt die Erzieherin. Der geburtenstärkste Jahrgang der deutschen Geschichte habe sich dort auf jeden Fall bemerkbar gemacht. „Und das hat sich dann auch weiter durchgezogen bis zur Ausbildung“, ergänzt die 50-Jährige. Schon früh stand nämlich fest, dass sie Erzieherin werden wollte.

Und mit diesem Berufswunsch stand sie nicht allein da. „Jeder hat mir gesagt: Da bekommst du eh keine Stelle. Ich habe es dennoch gewagt“, berichtet sie. Nach einem sozialen Jahr beginnt sie in Hephata die Ausbildung. Anschließend arbeitet sie für das Kinderzentrum Weißer Stein.

Nach der Geburt des ersten eigenen Kindes beginnt sie ein Pädagogik-Studium. Noch während des Studiums kommt Kind Nummer 2. „Mein Mann und ich, wir sind ein gutes Team. Ansonsten hätte das alles gar nicht so gut geklappt“, betont Mergel-Diehl. Beim dritten Kind ist es dann nämlich auch ihr Mann, der in den Erziehungsurlaub geht, damit sie weiterarbeiten kann. „Es muss sich immer etwas bewegen. Stillstand ist Rückschritt“, erklärt die 50-Jährige. Das ziehe sich durch ihr ganzes Leben. Weil ihr Mann im Biedenkopfer Stadtteil Wallau arbeitet und sie in Marburg, suchten sie sich einen Wohnort dazwischen. Die Wahl fiel auf den Lahntaler Ortsteil Kernbach. Nachdem die Familie zuerst zur Miete wohnte, folgte vor 13 Jahren der Bau des eigenen Hauses. Dort schöpft Astrid Mergel-Diehl auch neue Kraft für die Arbeit. Gerne ist sie in der Natur unterwegs, ob zu Fuß mit dem Hund oder per Rad mit dem Mann. Daneben zählen lesen, kochen und reisen zu ihren Hobbys. „Das sind meine Inseln im stressigen Alltag“, erklärt sie.

Mit ihrem Geburtsjahrgang 1964 verbindet die „Nikoläusin“ nicht nur die „Vielen“ anderen. „Ich glaube, wir waren auch schon ein sehr offener Jahrgang und eine emanzipierte Generation“, erklärt sie. Sie habe den Motorradführerschein machen dürfen, ein eigenes Pferd besessen und andere Freiheiten gehabt. „Das war nicht selbstverständlich“, betont sie.

Ganz selbstverständlich ist für das heutige Geburtstagskind allerdings, dass in diesen Tagen wieder das Nikolaus-Kostüm aus dem Schrank geholt und angezogen wird: „Es ist einfach ein tolles Gefühl, die Kinderaugen leuchten zu sehen“, sagt Mergel-Diehl und auch ihre Augen leuchten ein wenig.

von Katharina Kaufmann

Hintergrund: Der Heilige Nikolaus von Myra

Über das Leben des heiligen Nikolaus (geboren zwischen 270 und 286 in Patara und gestorben am 6. Dezember 326, 345, 351 oder 365) gibt es nur wenige belegte Tatsachen. Sein Wirken hat allerdings zu einer vielfältigen Legendenbildung beigetragen. Das nächtliche Füllen der Schuhe basiert beispielsweise auf der Legende von den drei Jungfrauen, die nachts vom heiligen Nikolaus beschenkt worden sein sollen.

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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