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Anwohner wehren sich gegen Vorwurf der Untätigkeit

Goßfelden Anwohner wehren sich gegen Vorwurf der Untätigkeit

Polizei bestätigt den Eingang eines Notrufs während Schlägerei in Goßfelden. Bürger organisieren sich

Goßfelden. Die brutale Schlägerei vermutlich rechtextremer Täter am Freitagabend, bei der zwei Goßfeldener schwer verletzt wurden ( die OP berichtete), erhielt am Dienstag eine etwas andere Wendung.

Entgegen der ersten Informationen hat es doch Anwohner gegeben, die die Polizei gerufen haben. Es sei um 23.05 Uhr ein Notruf eingegangen, und aus einem Haus heraus sei gerufen worden, dass die Polizei alarmiert worden ist, sagte Polizeisprecher Martin Ahlich gestern.

Daraufhin, so Ahlich weiter, hätten die Schläger von ihren Opfern abgelassen und seien verschwunden. Noch während des Telefonats mit der Zeugin hätten sich aber auch die Opfer aufgerappelt und den Tatort verlassen. Da in den nächsten Minuten keine weiteren Anrufe, auch nicht von den Geschädigten, eingingen und aus Sicht der Polizei keine akute Gefahr mehr bestand, entschied der Wachhabende, zunächst keine Streife nach Goßfelden zu schicken.

Dies geschah erst, nachdem gegen 0.20 Uhr ein weiterer Anruf eines Zeugen eingegangen war, der auf eine Gruppe von 20 bis 25 Personen mit offenbar rechtsgerichteten Tendenzen im Rathausweg hinwies. Im gestern verbreiteten Pressebericht der Polizei heißt es: „Aufgrund dieses Hinweises auf mutmaßlich rechtes Klientel und weil aufgrund der örtlichen Nähe ein Zusammenhang mit dem um 23 Uhr gemeldeten Vorfall nicht gänzlich auszuschließen war, fahndete die Polizei unmittelbar nach dem Anruf nach der Gruppe. Diese hatte sich aber bei Eintreffen der Polizei nur wenige Minuten nach dem Anruf bereits aufgelöst. Außer ein paar Gläsern und Bierflaschen im Rathausweg gab es keine weiteren Hinweise.“

Am Montag hatte sich dies noch anders dargestellt. Gerade aufgrund des schweren Vorwurfs, dass keiner geholfen oder wenigstens die Polizei gerufen habe, hatte die OP im Gespräch mit Ahlich mehrfach konkret nachgefragt, ob zum Zeitpunkt der Schlägerei ein Notruf bei der Polizei eingegangen sei oder nicht.

Ahlich berichtete in diesem Gespräch nur von einem Anruf um 7.25 Uhr wegen eines in der Lahn liegenden Kleinstmoped (Pocketbike). Erst da sei den Beamten die Körperverletzung und die Identität der Opfer bekannt geworden, sie hätten Ermittlungen aufgenommen und Zeugen befragt. Ahlich erklärt diese gravierend abweichenden Informationen mit einem Missverständnis.

Einige Anwohner fühlten sich durch die Berichterstattung gestern deshalb zu Unrecht an den Pranger gestellt und meldeten sich bei der OP und bei der Polizei. Unter diesen Vorzeichen habe die Person, die die Polizei angerufen habe, richtig gehandelt, stellte Ahlich fest – weil sie Hilfe geholt und sich bemerkbar gemacht habe, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Die Opfer, die sich im Stich gelassen fühlten, hätten davon möglicherweise einfach nichts mitbekommen.

Unabhängig davon hat die Berichterstattung über den Vorfall am Freitagabend auch erste Reaktionen der Bürger hervorgerufen, die sich solche Vorkommnisse im Ort nicht gefallen lassen wollen. Einige Goßfeldener haben sich bereits bei Ortsvorsteher Wilfried Lies gemeldet. Sie wollen sich im Vorfeld der nächsten Ortsbeiratssitzung – wo es auch um das Thema gehen wird – treffen, um darüber zu sprechen, wie man den rechten Tendenzen entgegenwirken kann. Wer mitmachen will, kann sich beim Ortsvorsteher melden.

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