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Angeklagter gibt Partydroge an 14-Jährige

Aus dem Gericht Angeklagter gibt Partydroge an 14-Jährige

Eine kleine, rosa Pille mit Hello-Kitty-Motiv brachte ein 14-jähriges Mädchen zur Behandlung ins Krankenhaus. Dafür musste sich ein 34-jähriger Mann aus der Gemeinde Cölbe vor Gericht verantworten.

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Ein 34-Jähriger muss sich vor dem Marburger Amtsgericht wegen Drogenhandel an eine 14-Jährige und unerlaubtem Waffenbesitz verantworten.

Quelle: Archiv

Marburg. Warum er die Droge im vergangenen Jahr an die Minderjährige weitergab, konnte der reuige Dealer nicht erklären. Der Angeklagte erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Während einer polizeilichen Durchsuchung im April fanden die Beamten weitere Drogen in der Wohnung des Angeklagten – Marihuana und zahlreiche Pillen Ecstasy. Darüber hinaus tauchten illegale Waffen – ein Faltmesser und eine Teles­kop-Schlagrute – auf.

Vor dem Marburger Amtsgericht legte der Beschuldigte ein volles Geständnis ab, räumte den Vorwurf „vollumfänglich, ohne wenn und nur mit einem kleinen aber“ ein, wie sein Verteidiger Gerhard Rohm es ausdrückte. Das „kleine aber“ bezog sich auf das Faltmesser, von dem sein Mandant angeblich nicht wusste, dass derlei Waffen mit entsprechender Klingenlänge seit über zehn Jahren verboten sind.

Stellung zu den Taten bezog der Angeklagte nicht, berichtete jedoch über seine Drogenvergangenheit. Bis vor zwei Jahren habe er ein geregeltes Leben geführt. Der Tod eines Angehörigen zog ihn in ein tiefes Loch. Er flüchtete in den Drogenrausch und konsumierte zunehmend Marihuana und Ecstasy. Daraufhin verlor der gelernte Logistiker seinen Job, galt einige Zeit als arbeitsunfähig. Das wolle er nun ändern, zudem den Drogen abschwören, so seine Beteuerung. Als Beweis brachte er seinen Abstinenzausweis mit und gab an, dass er seit rund einem Monat völlig drogenfrei lebe.

Urteil: Freiheitsstrafe auf Bewährung

Dies hielt ihm Amtsanwältin Tina Grün zugute, so wie die Tatsache, dass sich die erst 14-Jährige „zum Glück ohne Schäden“ von dem Drogenrausch erholt hatte. Dennoch wiege gerade das geringe Alter der Jugendlichen schwer, betonte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Bei der Abgabe von Betäubungsmitteln gelte ein besonderer Schutz für Minderjährige, „das ist ein Verbrechen“, stellte Grün klar. Zusammen mit dem verbotenen Besitz von Betäubungsmitteln und den Waffen forderte die Anklagevertreterin eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung für den bislang noch nicht vorbestraften Mann.

Die Verteidigung betrachtete die beiden erwiesenen Vorwürfe als minderschwere Fälle und sprach sich daher für ein geringeres Strafmaß von neun Monaten aus. Das Schöffengericht schloss einen Milderungsgrund jedoch aus und folgte gänzlich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft. Auch wenn der Mann „kein normaler Dealer“ sei, die Abgabe an die Minderjährige gelte es, streng zu ahnden, betonte der Vorsitzende Richter Dominik Best. Dazu kommen
150 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie drei Beratungsgespräche bei der Drogenhilfe.

von Ina Tannert

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