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Angeklagter: „Ich habe es freundlich gemeint“

Aus dem Gericht Angeklagter: „Ich habe es freundlich gemeint“

Mit Schlägen und Tritten soll eine Gruppe junger Männer einen Bekannten bei einer Disco-Schlägerei traktiert haben. Zwei der vermeintlichen Täter müssen sich jetzt vor Gericht verantworten.

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Schlägerei vor Diskothek: Zwei junge Männer wegen Körperverletzung angeklagt.

Quelle: dpa

Marburg. Zu später Stunde sollen die beiden Kumpel aus der Gemeinde Wetter gemeinsam mit einigen Freunden den Geschädigten zu Boden gezerrt und brutal auf ihn eingedroschen haben. Die angeblichen Schläger bestreiten die Vorwürfe.
Im Mai vergangenen Jahres trafen die beiden 22 und 24 Jahre alten Beschuldigten in der Nacht vor einer Diskothek in der Gemeinde Münchhausen auf einen Bekannten.

Einer der Männer nahm diesen in den Schwitzkasten und zog ihn einige Meter weiter auf einen Parkplatz. Insoweit stimmen alle Beteiligten mit dem Ablauf der Partynacht überein. Laut Anklage sollen die Männer gemeinsam mit weiteren, bisher Unbekannten grundlos auf den am Boden Liegenden eingeschlagen und getreten haben.

Die Angeklagten schildern die Ereignisse ganz anders

Die Ereignisse dieser Nacht stellen die beiden Angeklagten völlig anders dar. Nicht um ihn zu schlagen, sondern aus Sorge, dass er von anderen „auf die Schnauze kriegt“, hätten sie den Bekannten über den Parkplatz geschleppt, um ihn mit nach Hause zu nehmen. Zuvor sei der Geschädigte mit wiederum anderen Männern in Streit geraten.

Das Ganze drohte zu eskalieren – aus diesem Grund wollte er den alten Schulfreund von dort weg bringen. „Ich habe es freundlich gemeint“, beteuerte einer der Angeklagten. Dass er den anderen in den Schwitzkasten nahm, diente dabei dessen Sicherheit, „er war sehr betrunken, ich wollte nicht, dass er hinfällt“. Am Auto angekommen, weigerte sich das mutmaßliche Opfer angeblich einzusteigen und lief zurück zu der Diskothek. Die Gruppe junger Männer fuhr davon, „sonst war da nichts“, bestätigte der andere Angeklagte.

Der Geschädigte berichtete hingegen von einer gezielten Prügelattacke mehrerer Männer, die ihn brutal zusammengeschlagen haben sollen. Er erlitt mehrere Hämatome im Gesicht. Bereits zuvor wurde er angeblich von dem zweiten Angeklagten im Inneren der Disco „aggressiv angegangen“, während der andere draußen wartete.

„Ich war einfach der erstbeste Sündenbock“

Nachdem die Gruppe um die beiden Beschuldigten des Hauses verwiesen wurden, seien sie aus Wut auf ihn losgegangen, drohten ihm und seiner Familie, sollte er den Angriff verraten. „Ich war einfach der erstbeste Sündenbock, der da rumstand, ich hatte echt Angst“, so der Zeuge. Dass die jungen Männer in Streit gerieten, wiesen die Beschuldigten zurück. Er habe selber bereits Erfahrung mit handfesten Auseinandersetzungen, brach sich einige Monate zuvor bei einer Prügelei vor derselben Diskothek den Kiefer und erhielt Hausverbot, erklärte einer der Angeklagten, dass er mit Schlägereien nichts mehr zu tun haben wolle.

Wie so oft bei einer Kirmes- oder Disco-Prügelei nach ausgiebigem Alkoholgenuss lässt sich der genaue Tathergang nur schwer rekonstruieren, Aussage steht gegen Aussage. Weitere Zeugen sollen daher am 11. April vor Gericht gehört werden.

von Ina Tannert

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