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Angeblicher Exhibitionist freigesprochen

Amtsgericht Angeblicher Exhibitionist freigesprochen

Weil er sich nackt in einem öffentlich einsehbaren Garten selbst befriedigte, stand ein Mann aus der Gemeinde Lahntal am vergangenen Donnerstag vor dem Marburger Amtsgericht.

Marburg. Im April vergangenen Jahres hielt sich der exhibitionistisch veranlagte 33-Jährige auf einem kleinen Gartengrundstück eines Mietshauses auf. Dabei trug er keine Kleidung und befriedigte sich zeitweise selbst.

Seine Handlungen wurden von mehreren Passanten und Nachbarn beobachtet. Das Grundstück befand sich an einer zu diesem Zeitpunkt viel befahrenen Straße, die zugleich als Schulweg zu einer nahe gelegenen Grundschule dient. Ein vorbeifahrender Passant, der vor Gericht als Zeuge aussagte, sah den Angeklagten, stieg aus seinem Wagen und versuchte, den Mann anzusprechen. Als dieser ihn bemerkte, verschwand er jedoch eilig in dem Haus. Später betrat er erneut und immer noch nackt den Garten und fuhr fort, sich selbst zu befriedigen. Dies beobachtete wiederum die ehemalige Vermieterin des Angeklagten, die mit dem Mann im selben Haus wohnte. Als sie bemerkte, was er da im Garten tat, sei sie äußerst erschrocken gewesen: „Ich war total geschockt, das geht gar nicht“, sagte sie vor Gericht. Danach hatte sie ihm umgehend gekündigt und den Kontakt abgebrochen.

Ihre Angaben wiesen auf eine öffentliche Belästigung hin: Die Handlung des Angeklagten „verletzte gezielt das Schamgefühl der Zeugin“, so die Anklage.

Schon mehrfach vor Gericht wegen „Handbewegungen“

Um diese mögliche Straftat drehte sich schließlich der Prozess. Denn eine exhibitionistische Handlung ist nur dann strafbar, wenn sich eine andere Person durch diese belästigt fühlt oder die Handlung vor Kindern und Minderjährigen vollzogen wird.

Beides sei nicht der Fall gewesen und der Angeklagte habe auch nichts davon beabsichtigt, so der Verteidiger des Mannes. Eine andere Nachbarin sah den Angeklagten ebenfalls im Garten nackt herum laufen und „eindeutige Handbewegungen“ ausführen, jedoch habe er keinen Kontakt mit anderen Menschen gesucht und sich ins Haus zurück gezogen, sobald Passanten auftauchten, bestätigte sie die Stellungnahme der Verteidigung.

Der 33-Jährige ist bereits mehrfach wegen ähnlicher Handlungen vorbestraft und befindet sich aufgrund seiner Neigungen seit geraumer Zeit in therapeutischer Behandlung. Zur Tatzeit befand er sich zudem innerhalb einer Bewährungsfrist. Zu Beginn der Verhandlung beantragte die Verteidigung aufgrund der „höchst persönlichen und intimen Angelegenheit“ einen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Gericht wies den Antrag jedoch aufgrund des öffentlichen Interesses an der Tat zurück. Nur die Einlassung des Angeklagten und der Vertreterin der Bewährungshilfe fanden ohne Öffentlichkeit statt.

Nachdem sich die Prozessbeteiligten beratschlagt hatten, erklärte der Angeklagte sich bereit, eventuell einen anderen Therapeuten zu konsultieren und weitere Therapiestunden wahrzunehmen. Sein Mandant habe sich mittlerweile gebessert, betonte die Verteidigung in ihrem Plädoyer. Seine Handlungen habe er nicht mit dem Wunsch verbunden, öffentlich wahrgenommen zu werden. Seine zahlreichen Vorstrafen belegten diesen Wandel sogar, da er bei früheren Straftaten öffentliche Situationen gezielt gesucht und herbeigeführt habe, so der Verteidiger.

Therapie soll dem 33-Jährigen helfen

Strafrichter Best sprach den Angeklagten schließlich frei. Das Gericht sah keine exhibitionistische Handlung in diesem Fall, der Tatbestand der Belästigung sei nicht erwiesen. Eine gut gemeinte Warnung an den Angeklagten gab es trotzdem: „Das ist kein Freibrief für Sie“, betonte Best und riet dem Mann, ähnlichen Situationen aus dem Weg zu gehen und eine weitere Therapie in Betracht zu ziehen.

von Ina Tannert

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