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Am Anfang steht die Folklore

Gemeinde-Partnerschaft Am Anfang steht die Folklore

Mit Reden, Ehrungen und Gesang feierten Cölbe und Koscierzyna 15-jähriges Bestehen ihres Partnerschaftsvereins und die schon 25 Jahre währende Freundschaft zwischen beiden Gemeinden.

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Partnerschaftsvereinsvorsitzender Hartmut Reiße und Bürgermeister Volker Carle (von links) erhielten von Zdzislaw Czucha, Bürgermeister der Stadt Koscierzyna, und Grzegorz Piechowski, Bürgermeister der Gemeinde Koscierzyna, zwei kaschubische Teufelsgeigen. An den ersten Spielversuchen hatte die stellvertretende Vorsitzende und Dolmetscherin des Abends, Agnieszka „Aga“ Sauerwald, viel Spaß.

Quelle: Manfred Schubert

Cölbe. Etwa 90 Gäste, darunter 17 aus Cölbes Partnerstadt Koscierzyna, nahmen an dem Festakt in der Gemeindehalle teil, der musikalisch vom Frauenchor und dem Männerchor Cölbe gestaltet wurde.

Den Reigen der Redner eröffnete Bürgermeister Volker Carle, ohne selbst viel zu sagen. Seine Ansprache lag auf Deutsch auf den Sitzen aus. Die stellvertretende Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Cölbe-Koscierzyna, Agnieszka Sauerwald, besser bekannt als „Aga“, trug die polnische Übersetzung vor.

1991, so Carle, fand die offizielle Verschwisterung zwischen Cölbe und Koscierzyna statt, aber bereits mehrere Jahre vorher gab es Kontakte und wurden Beziehungen geknüpft. 1970 hatten sich Hartmut Reiße, späterer Vorsitzender des 1974 gegründeten Arbeitskreises Internationales Folklorefestival Marburg-Biedenkopf, und der in Kassel lebende ehemalige polnische Zwangsarbeiter Boleslaw Bodys für eine erste Teilnahme einer polnischen Gruppe an dem Festival im Jahre 1974 eingesetzt. Bodys stellte 1984 den ersten Kontakt mit Koscierzyna her, über den von Heinz Wilhelm Wilke seit 30 Jahren zugunsten des Folklorefestivals organisierten Cölber Ostermarkt kam der erste Besuch dort zustande. Auch zu Zeiten des kalten Krieges und sogar des Kriegsrechts in Polen wurden die Cölber von der polnischen Gastfreundschaft überwältigt, die bis heute bewahrt wurde und den Deutschen leider nicht ganz so zu Eigen sei.

1988 reisten 20 Vereins- und Gemeindevertreter zu ersten Gesprächen nach Koscierzyna, was zu jener Zeit noch ein wahres Abenteuer war. Mittlerweile waren praktisch alle Cölber Vereine in Koscierzyna, die Partnerschaft baue auf einem regen Austausch auf. Aus den Anfängen sei eine tiefe Freundschaft herangereift, geprägt von Offenheit, Herzlichkeit, Vertrauen und engem Miteinander.

Landrat Robert Fischbach hob die Rolle der Trachtengruppen als Botschafter des Landkreises hervor. Aus der Fahrt von Mitgliedern der Cölber Gruppe 1984 sei diese „wunderbare Partnerschaft“ entstanden. Mit seinem Engagement habe Hartmut Reiße dafür gesorgt, dass die Partnerschaft im ganzen Landkreis, nicht nur in Cölbe, und in drei weiteren Gemeinden so gut funktioniere. Und Aga Sauerwald sei ein „Kind“ und ein wichtiger Faktor dieser Partnerschaft.

Kreistagsvorsitzender Detlef Ruffert schwärmte von der bei seinem Besuch in Koscierzyna erfahrenen Herzlichkeit und Offenheit. Er hob den vor 25 Jahren in viel kritischerer Zeit bewiesenen Mut hervor, über Grenzen zu gehen. „So mutig miteinander zu reden, feiern und Grenzen zu überwinden, das müssten wir immer wieder tun.“ Reiße ging in seiner Rede nochmals ausführlicher auf die Entwicklung der Partnerschaft, zu der auch zahlreiche private Initiativen einen großen Beitrag geleistet hätten, und die bedeutendsten Stationen ein. Heute sei es wichtig, junge Menschen für die Idee Europa und die kommunalen Partnerschaften zu begeistern. „Als wir 1988 zum ersten Mal nach Polen fuhren, hätten wir jeden für verrückt gehalten, der prognostiziert hätte, dass 2013 Polen und das wiedervereinte Deutschland zu den stabilen Faktoren der Europäischen Union gehören würden. Dies sollten wir nie wieder aufs Spiel setzen“, sagte Reiße.

Auch die polnischen Redner, Mieczyslaw Nowopolski, Schatzmeister des Klub Koscierzyna-Cölbe, des polnischen Partnerschaftsvereins, Grzegorz Piechowski, Bürgermeister der Gemeinde Koscierzyna, und Zdzislaw Czucha, Bürgermeister der Stadt Koscierzyna, betonten den Beitrag der Partnerschaft zur Völkerverständigung. Vor 25 Jahren hatten einige Menschen ein großes Herz, denn es sei nicht einfach gewesen, damals eine Partnerschaft anzustreben. Das Treffen mit anderen Menschen, die Begegnung trotz sprachlicher Schwierigkeiten, einander zu ehren und zu respektieren – das sei wichtig.

Ehrungen:

Hartmut Reiße ehrte mit Urkunden und Präsenten Helmut Templer, Hermann Boudemont, Jochen Breitenstein, Robert Zwick und Helmut Fiedler, die 1989, als in Polen Kriegsrecht herrschte, den ersten Hilfstransport initiierten, sowie Elfriede Lindner, die sich seit 25 Jahren um Unterkünfte für polnische Besucher kümmert. Den „Großen Bären“, die höchste Auszeichnung der Gemeinde Koscierzyna, überreichten Grzegorz Piechowski, Bürgermeister der Gemeinde Koscierzyna, und Zdzislaw Czucha, Bürgermeister der Stadt Koscierzyna, an den Partnerschaftsverein sowie an Heinz-Wilhelm Wilke, Hartmut Reiße, Marieta Wege, Peter Seim und Agnieszka Sauerwald.

 

von Manfred Schubert

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