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87 Prozent erwischt es in Niederwetter

Blitzerbilanz 87 Prozent erwischt es in Niederwetter

Die Jahresbilanz der stationären Blitzer auf der B252 im Stadtgebiet von Wetter gibt Hinweise auf das Verhalten der Autofahrer. Richtig gerast wird vor allem in Wetter. Das meiste Geld bringt erwartungsgemäß Niederwetter ein.

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Die Stadt Wetter hatte im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Euro Einnahmen durch stationäre und mobile Radaranlagen.

Quelle: Montage: Alexander Pavlenko

Wetter. Die Statistik über die Geschwindigkeitsüberwachung im Stadtgebiet Wetter war den Stadtverordneten vom Magistrat in der jüngsten Parlamentssitzung zur Kenntnis gegeben worden. Die Zahlen bieten einige interessante Hinweise, auch über die reinen Einnahmen hinaus. Die lagen im vergangenen Jahr nach Angaben der Stadt bei knapp 1,2 Millionen Euro. Davon entfielen knapp 57.000 Euro auf die Messung mit dem mobilen Gerät, das Wetter gemeinsam mit den Nordkreiskommunen betreibt. Der Rest kommt aus den sieben Messsäulen an der B252 in Wetter (4 anlagen), Niederwetter (1) und Todenhausen (2). Vergleichbar sind die Zahlen der erfassten Fahrzeuge und der „Temposünder“ allerdings nur bedingt. Sie bieten zum Beispiel keine Aufschlüsse darüber, wie sich die Zahl der Geblitzten über die Monate hinweg an den einzelnen Standorten entwickelt haben - Stichwort Lerneffekt.

Blitzerstatistik 109,83 kB

Auch ist die Datenbasis sehr unterschiedlich. Während in Niederwetter fast das ganze Jahr über gemessen wurde (352 Messtage), waren zwei Säulen in Wetter und in Todenhausen zum Beispiel nur an 80 beziehungsweise 69 Tagen „scharf“, andere zwischen 112 und 179 Tagen. Diese Unterschiede liegen zum einen an den unterschiedlichen Zeitpunkten der Erstmontage der Anlagen, aber auch daran, dass die Anlagen in Wetter und Todenhausen nicht immer besetzt sind, weil die Kameras dort untereinander gewechselt werden. Grund für die fast durchgehende Messung in Niederwetter ist laut Bürgermeister Kai-Uwe Spanka die Tatsache, dass durch die enge Ortsdurchfahrt dort auch das größte Gefahrenpotenzial gesehen wird.

Kritik an der "Blitzer-Falle"

Andererseits steht gerade die Messsäule in Niederwetter seit Beginn an in der Kritik, weil die Beschilderung mit zu verschiedenen Zeiten gültigen, aufeinanderfolgenden Tempo-30-Zonen viele Durchfahrende in die „Blitzer-Falle“ locke. Betrachtet man die absoluten Zahlen, erscheint das Problem weniger dramatisch. In Niederwetter wurden im Jahr 2012 in Fahrtrichtung Wetter rund 1,5 Millionen Fahrzeuge erfasst, in die andere Richtung gut 1,2 Millionen. Der Anteil der Lkw am erfassten Verkehr war in Niederwetter (Fahrtrichtung Süden) mit etwa 13,6 Prozent übrigens am höchsten, in Wetter (Anlage Marburger Straße, ebenfalls Richtung Marburg) mit 7,3 Prozent am niedrigsten.

Als zu schnell registrierten alle sieben Radaranlagen insgesamt 68.416 Verkehrsteilnehmer, das sind 1,07 Prozent aller erfassten gut 6,35 Millionen Fahrzeuge. Allerdings: Knapp 87 Prozent aller Verstöße wurden in Niederwetter begangen (59499 Fälle). Da dort aber auch mit Abstand die meisten Fahrzeuge 2,75 Millionen gemessen wurden, war in Kombination mit der einzigen durchgängig gültigen Tempo-30-Zone (in Todenhausen und Wetter gilt nur zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30) eine entsprechende Häufung zu erwarten, wenn auch vielleicht nicht so extrem.

Sechsmal fuhren Autos schneller als 100 km/h

Rechnet man die Verstöße im Verhältnis zu den insgesamt durch die Orte gefahrenen Pkw und Lkw um, führt auch hier Niederwetter mit einer Verstoßquote von 2,27 (Fahrtrichtung Wetter) und 2,01 Prozent (Richtung Süden). Wetter folgt mit deutlichem Abstand und Quoten zwischen einem Viertelprozent und 0,55 Prozent. Letzterer Wert wird am Ortsausgang (Marburger Straße) in Richtung Niederwetter erreicht.

In Todenhausen fuhren die Autolenker demnach - zumindest während der Messungen - am diszipliniertesten. Mit Werten von 0,09 und 0,07 Prozent blieben die Verstöße deutlich unter den Werten in den anderen beiden Stadtteilen.Grob gesagt heißt das: Während in Niederwetter vergangenes Jahr statistisch gesehen jedes 50. Fahrzeug zu schnell unterwegs war, wurde in Wetter nur alle 200 bis 400 Fahrzeuge der Blitz ausgelöst. In Todenhausen traf es nur jeden 1000. Fahrzeuglenker.
Auch der Blick auf die schnellsten Raser ist interessant. Insgesamt sechsmal löste eine Radarsäule bei einem Fahrzeug über 100 km/h aus, stets aber auf der breit ausgebauten Ortsdurchfahrt in Wetter. Bei Tempo 80 bis 100 wurden insgesamt 119 Fahrzeuge geblitzt, davon entfiel mit 99 ebenfalls der Löwenanteil auf die Wetteraner Anlagen. Nur der nördliche Ortsausgang von Todenhausen war - während der Messphasen - mit 19 Fällen ebenfalls von solchen Rasern betroffen.

Im Bereich zwischen Tempo 60 und 80 verteilen sich die Verstöße schon etwas breiter. 4891-mal blitzte es insgesamt in diesem Geschwindigkeitskorridor, 474 Fälle davon wurden in Todenhausen registriert, 135 in Niederwetter. Allerdings, so Spanka einschränkend zu diesen Zahlen, können unter solche Schnellfahrer auch Rettungsfahrzeuge oder Polizeifahrzeuge im Einsatz fallen. Übrigens: Die Ermittlung der Gesamtzahl der Fahrzeuge und die Zuordnung Lkw und Pkw erfolgte anhand der gemessenen Länge des die Messsäule passierenden Fahrzeugs. Es wurden dafür also keine Fahrzeuge erfasst, die die Geschwindigkeitsbegrenzung einhielten.

von Michael Agricola

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