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6,8 Meter pro Sekunde - das lohnt sich

Windkraft im Wollenberg 6,8 Meter pro Sekunde - das lohnt sich

Der geplante „Windpark Wollenberg“ auf dem Gebiet der Kommunen Lahntal und Wetter kann aus bis zu sechs Windrädern bestehen. Bis Ende des Jahres 2014 soll das Projekt umgesetzt sein.

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Ein mehrere Kilometer umfassender Spaziergang führte die Teilnehmer am Samstag zu den sechs angedachten Windräder-Standorten im Wollenberg.

Quelle: Götz Schaub

Sterzhausen. Dass die Energiewende nur mit und nicht gegen die Bürger zu schaffen ist, wissen die beiden Bürgermeister aus Lahntal und Wetter, Manfred Apell und Kai-Uwe Spanka sehr genau. Auch die Stadtwerke Marburg als Investor wissen, dass nur Transparenz und Offenheit zum Ziel führen kann. Deshalb wird das Thema „Windpark Wollenberg“ schon in einem sehr frühen Stadium öffentlich diskutiert. Im Juni gab es beispielsweise eine Bürgerversammlung in Wetter. Am Samstag hatten die Bürgermeister zusammen mit den Stadtwerken zu einem Spaziergang zu den sechs möglichen Standorten eingeladen.

„Es lohnt sich, die Flächen einmal selbst gesehen zu haben, um eine bessere Vorstellung von dem Vorhaben zu bekommen“, sagt Diplom-Ingenieur Thomas Brandherm, Projektleiter von den Stadtwerken Marburg. Er sowie Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Kühne standen ebenso für Fragen zur Verfügung wie Arno Süssmann, kommissarischer Leiter des Forstamts Burgwald, Revierförster Jörg Reinl aus Sterzhausen und die beiden Bürgermeister Apell und Spanka. Möglicherweise hielt der gegen 9 Uhr einsetzende Regen einige Menschen davon ab, am um 10 Uhr beginnenden Spaziergang teilzunehmen, Denn es fehlten schon einige, deren Erscheinen allgemein erwartet wurde.

So fanden sich nur wenige Kommunalpolitiker sowie einige Privatpersonen ein, hingegen niemand von der BI Wetter, die aber eine Stellungnahme verfasst hat (siehe HINTERGRUND). Viele Teilnehmer wollten wissen, ob es zu der geplanten Nabenhöhe von 140 Metern eine Alternative gebe. Brandherm verneinte dies entschieden. „Wir benötigen diese Höhe, um das Optimum an Windkraft nutzen zu können.“ Die Höhe habe aber noch einen zweiten Vorteil: Der Rotortiefpunkt liege dann bei 90 Metern und ermöglicht somit einen Freiraum über den Bäumen für die Tier- insbesondere die Vogelwelt.

Auch der generelle Eingriff in die Natur an den Standorten interessierte die „Spaziergänger“ sehr. Jörg Reinl machte darauf aufmerksam, dass die meisten Standorte auf Flächen vorgesehen sind, die sich gerade nach den Sturmschäden durch Kyrill in der Aufforstung befinden, so dass wertvolle Altbaumbestände nicht betroffen sind.

„Zum Aufbau der Anlage werden 4000 Quadratmeter benötigt“, informierte Brandherm. Allein 3000 Quadratmeter würden für den Baukran verbraucht. Nach dem Aufbau könne natürlich ein Teil der Fläche wieder der Natur zurückgegeben werden, meinte er. Brandherm stellte aber auch heraus, dass nicht „blind“ investiert werde. „Bisher steht nur fest, dass es bis zu sechs Anlagen werden können. Die Standorte können durchaus noch ein bisschen variieren, es könnten vielleicht auch welche wegfallen.“ Sobald wie möglich möchten die Stadtwerke einen 100 Meter hohen Versuchsturm aufbauen, der ihnen weitere Werte liefern kann.

Kühne: „Schön wäre es, wenn es noch Ende dieses Jahres klappen würde. Aber vielleicht können wir ihn auch erst Anfang 2013 aufstellen.“ Das komme ganz darauf an, wie schnell ein solcher Turm geliefert werden könne. Generell geht Brandherm als Projektleiter davon aus, auf dem Höhenzug des Gebietes Wollenberg Windgeschwindigkeiten von 6,8 Meter pro Sekunde vorzufinden. „Das ist für Mittelhessen ein sehr gutes Ergebnis“, führte er aus.

Wie schon bei der Bürgerversammlung zeigten die Stadtwerke-Vertreter auch Fotos, die den Höhenzug von verschiedenen Seiten zeigen und auf denen die Anlagen bereits als existent eingearbeitet wurden.

Wenn auch der eine oder andere Bürger noch etwas skeptisch reagierte, so fand sich keiner unter den Teilnehmern, der der Idee von Windkraft im Wollenberg kategorisch ablehnend gegenüberstand. Apell und Spanka sind sich indessen auch sicher, dass das Thema in ihren Kommunen weit weniger emotional als anderswo diskutiert werde und durch die Transparenz des Investors sich auch niemand übergangen fühlen könne.

HINTERGRUND: Horst Althaus und Andreas Ditze für die BI Wetter: Die BI Windkraft Wetter begrüßt die offene Informationspolitik der Stadt Wetter und der Gemeinde Lahntal zum Windpark Wollenberg. Ebenso die Einbindung eines regionalen Investors, den Stadtwerken Marburg. Das Vorgehen ist deutlich sinnvoller als die monatelange Hängepartie mit Rostocker Renditejägern rund um den ungewollten Windpark Todenhausen-Mellnau.

Windräder müssen dahin wo Wind weht. Hierfür ist der Wollenberg prädestiniert. Bei der Beplanung des Wollenbergs gilt es nun, die Belange von Mensch und Natur sicherzustellen:

Die Bevölkerung muss vor Schattenschlag, Befeuerung und Lärm geschützt werden.

 1000 Meter Abstand zu jeglicher Wohnbebauung muss eingehalten werden. Der Schaden am europäischen Flora-Fauna-Habitat (FFH) muss sorgfältig untersucht und abgewogen werden.

Sollte der Windpark Wollenberg wie geplant kommen, produzieren Wetter und Lahntal Strom für über 6000 Haushalte. Die beiden Kommunen sind damit (ideell) stromautark – und versorgen sich rechnerisch selbst. Zählt man unsere übrigen regenerativen Stromerzeuger (Biogas, Photovoltaik, Wasserkraft) hinzu, sind beide Kommunen bestens versorgt. Das Ziel der kommunalen unabhängigen Stromversorgung unterstützt die BI. Aber sobald dieses Ziel erreicht ist, soll Schluss sein mit der Errichtung neuer Windparks.

Die BI fordert daher von den Abgeordneten der Parlamente in Wetter und Lahntal, sich umgehend mit der Festlegung eines verbindlichen Flächennutzungsplans Windenergie zu befassen. Dieser Plan ist dringend notwendig, um dauerhaft weitere Windräder auf unserem Gemeindegebiet zu verhindern.

Die BI Windkraft Wetter unterstützt drei sinnvoll platzierte Windräder im Stadtgebiet Wetter, keine 13 oder 30 wie in anderen Kommunen.

von Götz Schaub

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