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32 Millionen Euro für 5,25 Kilometer

B 252 neu 32 Millionen Euro für 5,25 Kilometer

Auch nach der Planfeststellung 2012 und dem ersten Spatenstich Ende Juli dieses Jahres bleibt die B 252 ein Zankapfel. Die einen Bürger atmen auf, die anderen halten den Atem an.

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Quelle: Thorsten Richter

Wetter. Anita und Karl Dehnert wohnen in Niederwetter. Niederwetter? Ach ja, ist das nicht der Ort mit der unsäglichen 24-Stunden- Tempo-30-Zone mitten zwischen der Tempo-30 Zone, die von 22 bis 6 Uhr gilt? - Ja, genau der Ort. Es ist aber auch das einzige Dorf neben Wetter, das Hoffnung haben kann, vom ersten Bauabschnitt der neuen B 252 zwischen Wetter und Goßfelden zu profitieren. Und deshalb freuten sich Anita und Karl Dehnert sehr über den ersten Spatenstich zum Bau der Ortsumgehung. „Ja als direkte Anwohner des Straßenverlaufs der jetzigen B 252 in Niederwetter freuen wir uns außerordentlich auf den seit Jahrzehnten geplanten und nun endlich beginnenden Bau der Umgehungsstraße. Wir wollen und können es nicht mehr hinnehmen, dass trotz entsprechender Erhebungen und Gutachten, die belegen, dass der Lärm und die gefahrene Geschwindigkeit zur Nachtzeit zu Gesundheitsschäden bei uns Anwohnern führen, wir diesen weiter ausgesetzt sind“, so das Ehepaar.

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Gleichwohl wissen sie, dass es nicht nur Gewinner durch den Straßenbau geben wird, aber sie bitten zu differenzieren. „Wir Anwohner der B 252 sind nur aufgrund der (un-)günstigen Lage des Verkehrsweges vor unserer Haustür in diese Situation gekommen und ertragen seit Jahrzehnten den stetig steigenden Verkehrslärm und -schmutz tagtäglich und insbesondere nachts. Dies in einem viel größeren Ausmaß als es jemals diejenigen werden tun müssen, die später in der Nähe - mehrere hundert Meter entfernt der Umgehungsstraße leben werden.“ An die Adresse jener, die glauben, dass die derzeit im Bau befindliche K 123 bei Wetter langfristig den Verkehr von der jetzigen B 252 nach Goßfelden auf die B 62 leiten soll sagen die Dehnerts: „Die K 123 soll nach dem was zu lesen war nur vorübergehend als Anschluss für die Nordumgehung Wetters genutzt werden, sie sei nicht für den Verkehr einer Bundesstraße ausgelegt.“

Anwohner protestieren mit Plakaten

Bevor die Dehnerts nun tatsächlich wohl den Bau der B 252 verfolgen können, werden sie noch eine Veränderung in ihrem Dorfwahrnehmen. Ab dem 23. August werden im Landkreis wie vom hessischen Verkehrsminister Florian Rentsch angekündigt die Warnschilder vor festen „Blitzern“ montiert.

Auf Rentsch sind die Dehnerts aufgrund seiner Aussage, dass Kommunen mit den Blitzern nur abzocken würden, nicht gut zu sprechen.

„Tempo 30 alleine hat gar nichts gebracht und wurde schlichtweg ignoriert. Erst seitdem zusätzlich die Blitzer installiert wurden, finden wir nachts ein wenig Ruhe.“ Menschen, die nicht nach den Regeln fahren als Opfer der stationären Blitzgeräte“ und brave Autofahrer, die gemolken werden“ zu bezeichnen - nun, dafür haben sie kein Verständnis.

In Todenhausen wohnen Katharina und Ralf Funk an der B 252. Katharina Funk hatte zum Spatenstich ein Transparent mitgebracht. Es sollte daran erinnern, dass nur die komplette Ortsumgehung für alle einen Sinn macht. Denn zurzeit gibt es nicht wenige Menschen, die daran zweifeln, dass es mit dem Ausbau der weiteren Abschnitte zügig vorangeht. Ganz im Gegenteil, sie befürchten, dass der erste Bauabschnitt ein langes Provisorium werden könnte und der Verkehr über Jahre so laufen könnte und damit weiterhin Göttingen, Todenhausen, Simtshausen und Münchhausen sowie dann auch Goßfelden weit über Gebühr belasten könnte. Ganz egal wie die Hessenwahlam 22. September ausgeht. Die Menschen an der Straße wünschen sich den schnellen Weiterbau und fordern auch die Finanzierung ein. Schließlich handelt es sich um eine planfestgestellte Ortsumgehung. Doch gegen die Planfeststellung läuft noch eine Klage eines weiteren Landwirts aus Amönau, der sich in seiner Existenz bedroht fühlt.

Hessen Mobil als zuständige Planungsbehörde hofft, dass man sich über das eingeleitete Flurbereinigungsverfahren auch noch außergerichtlich einigen kann.

HINTERGRUND:

  • Die gesamte B-252-Ortsumgehung für die Orte Göttingen, Niederwetter, Wetter, Todenhausen, Simtshausen und Münchhausen beträgt 17,6 Kilometer und soll für rund 94 Millionen Euro realisiert werden.
  • Derzeit gibt es aber nur eine konkrete Finanzierungszusage über 32 Millionen Euro für den Abschnitt zwischen Wetter und Goßfelden.
  • Begonnen wird zunächst mit dem Bau einer Baustellenumfahrung für ein Brückenbauwerk bei Wetter, das künftig die L 3091 über die neue Ortsumgehung führen wird. Eine solche Lösung wurde auch beim Neubau der B-255-Ortsumgehung für Nieder- und Oberweimar angewandt. Dort wurde die Landesstraße, die nach Wenkbach führt auf eine Brücke verlegt, die Anschlüsse erfolgen über einen Kreisel.
  • Ab Frühjahr 2014 soll das Brückenbauwerk erstellt werden, 2016 sollen die Arbeiten für den eigentlichen Streckenbau beginnen.
  • Ein Landwirt aus Amönau wehrte sich per Eilantrag beim Verwaltungsgericht Gießen gegen eine vorzeitige Besitzeinweisung von Flächen im Zusammenhang mit dem Ausbau der B 252. Dieser Eilantrag wurde unter der Woche abgelehnt. Ihm bleibt jetzt noch der Gang mit einer Beschwerde vor den Kasseler Verwaltungsgerichtshof gegen den Beschluss aus Gießen.

von Götz Schaub

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