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27-Jähriger soll seine Freundin geschlagen haben

Aus dem Gericht 27-Jähriger soll seine Freundin geschlagen haben

Einmal verzichtete die Geschädigte 25-Jährige nach eigenen Angaben auf eine Anzeige, doch als ihr Freund erneut aggressiv wurde, brach sie den Kontakt zu ihm ab.

Marburg. Am 12. März und am 12. April des vergangenen Jahres soll der Angeklagte seine damalige Freundin geschlagen, getreten, mit einem Blumentopf und einen eisernen Kerzenständer beworfen haben und sie an den Haaren über den Boden gezogen haben - so jedenfalls lauten einige der Vorwürfe in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Ein „Unschuldslamm“ sei er nicht, das gab der Angeklagte selbst gleich zu Anfang der Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht zu. In allen Fällen sei ein heftiger Streit voraus gegangen. Eine „Ohrfeige“ habe er ihr gegeben, das treffe so zu, aber alle anderen ihm vorgeworfenen Schläge und Tritte stimmten nicht. Immer wieder betonte der Mann aus dem Nordkreis er selbst könne auch Geschichten über die „Mutter seiner Tochter“ erzählen, das wolle er aber gar nicht. Richter Dominik Best fragte ihn dann ganz konkret, ob er einen Blumentopf in Richtung seiner Freundin geworfen habe.

Es könne durchaus sein, dass er einen Blumentopf geworfen habe, aber nicht wirklich gezielt auf seine Ex-Freundin. „Ich habe ihn gegen die Wand geworfen“, wiederholte der Angeklagte mehrmals in seiner Aussage. Er sei sich hingegen nicht sicher, ob ein eiserner Kerzenständer überhaupt in ihrer Wohnung vorhanden gewesen sei.

Seiner Aggressionsproblematik sei er sich durchaus bewusst, betonte der Angeklagte mehrfach. Mittlerweile sei er zu der Überzeugung gekommen, dass nur eine richterlich angeordnete Therapie ihm dabei helfen könne, diese zu überwinden.

Schon sehr früh war der Verteidiger Sascha Marks bemüht, ohne die Vernehmung der Zeugen ein Urteil für seinen Mandanten zu erreichen. Eine Aussage der Geschädigten wollte er vermeiden, denn „ich glaube, wir würden ihr damit keinen Gefallen tun“, begründete er seinen Vorschlag. Richter Best jedoch bestand auf eine Aussage der 25-Jährigen. Diese stellte die Geschehnisse der beiden Tage ganz anders dar. Sowohl mit der flachen Hand, als auch mir der Faust habe er sie geschlagen, sodass sie auch auf den Boden gefallen sei. Der Blumentopf sei ähnlich wie der eiserne Kerzenständer gezielt auf sie geworfen worden.

Immer wieder stockte die junge Frau während ihrer Aussage und schien um Fassung zu ringen. Sie habe ihm wohl im Weg gelegen, als er sie an den Haaren packte und so über den Boden zog, berichtete sie. Nach dem Vorfall im März des vergangenen Jahres war sie nicht zum Arzt gegangen, denn ihr Freund habe sich mehrfach bei ihr entschuldigt und ihr einen Brief geschrieben. Vier Wochen später alarmierte sie aber ihre Eltern, ging zum Arzt und brach jeglichen Kontakt zu dem Angeklagten ab. Alle weiteren Zeugen entließ das Gericht, denn es war der Überzeugung, dass sie nichts Entscheidendes zur Klärung des Sachverhaltes beitragen konnten.

Zu einem Urteil kam das Gericht an diesem Verhandlungstag noch nicht. Die Bewährungshelferin war im Urlaub und hatte noch keinen Bericht eingereicht. Nach Überzeugung des Gerichts kann ihre Einschätzung zur Entwicklung des Angeklagten noch entscheidend zur Urteilsfindung beitragen und so vertagte Richter Best die Verhandlung.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 17. Januar, um 14.15 Uhr fortgesetzt.

von Sonja Achenbach

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