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2191 Tage wollen ausgefüllt werden

Apell beginnt letzte Amtszeit 2191 Tage wollen ausgefüllt werden

Den Ruhestand hat Manfred Apell bewusst noch einmal verschoben. Denn er hat die Energie und vor allem die Lust, noch ein bisschen weiter an der Entwicklung seiner Heimatgemeinde mitzuarbeiten.

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Die „Blaue Villa“ mitten im Wohngebiet in Sterzhausen ist eigentlich ein ganz normales Wohnhaus. Derzeit fungiert es aber als Kinderkrippe. Eine geniale und zukunftsweisende Idee, findet Bürgermeister Manfred Apell.

Quelle: Archivfoto

Lahntal. Aufhören, wenn es am Schönsten ist? Das kann Manfred Apell wirklich nicht. Denn wie und vor allem wann soll man aufhören, wenn man den schönsten Beruf hat, den man sich vorstellen kann? Okay, das Alter wird dann doch einmal eine Rolle spielen. Aber jetzt geht es erst einmal nur um die nächsten sechs Jahre. Dafür hat sich der 65-Jährige noch was vorgenommen. Denn wenn er sich das noch einmal im „Rentenalter“ aufbürdet, dann nur mit dem Vorsatz, auch wirklich die gesamte Amtsperiode auszufüllen – so lange es gesundheitlich geht. Und davon geht er erst einmal aus.

Sollte sich dann doch mal ein Zipperlein einstellen, weiß der Bürgermeister, dass er nicht weit fahren muss, um sich ärztlich behandeln zu lassen. Jedenfalls ist die ärztliche Versorgung in der Gemeinde Lahntal gut, unter anderem auch in der Neuen Mitte von Goßfelden angesiedelt. Das Projekt Neue Mitte sieht Apell (Archivfoto) nicht nur als einen Meilenstein für die Entwicklung des Ortsteils, sondern auch für die Gesamtgemeinde an. Der St.-Elisabeth-Verein verwirklicht dort nun auch die Betreuungseinrichtung für ältere Mitbürger. Das Projekt Wohnhof ist in der Umsetzung, das Gesundheitszentrum und das Kultur- und Gemeinschaftszentrum sind schon längst feste Bestandteile der Mitte. Hinzu kommt dort noch aktuell die Einrichtung der Kinderkrippe.

Die Seniorenarbeit läuft sehr gut, für die Feuerwehren wurde viel getan in Sachen Gerätschaften und Räume. Die Infrastruktur ist gut, der Anschluss Sterzhausens an das Netz der Marburger Stadtbusse erreicht. „Nun besteht die Arbeit nicht nur im Erhalt dieser Dinge, sondern auch darin, darüber nachzudenken, was die Anforderungen von morgen und übermorgen sein werden. Denn nur wenn wir rechtzeitig die notwendigen Schritte einleiten, können wir weiter so erfolgreich sein. Wir müssen uns auch permanent selbst hinterfragen, ob das, was wir gemacht haben, noch richtig ist oder ob wir aus aktuellen Anlässen korrigierend eingreifen müssen“, sagt Apell.

Verschiedene wohl schon fast lieb gewordene Gewohnheiten sind nämlich auch mal endlich. Definitiv. Etwa die Ausweisung von Bauland. „Wir haben seit meinem Amtsantritt 1993 mehr als 400 Bauplätze geschaffen. Das kann natürlich so nicht mehr weitergehen. Es muss jetzt auch vermehrt darum gehen, Wohnraum in der bestehenden Bebauung zu schaffen und die Ortskerne lebendig zu halten. Dazu müssen attraktive Angebote geschaffen werden, die Leute dazu animieren, ältere Häuser
zu sanieren und zu bewohnen.“

Angebote für alle Generationen

Die Gemeinde kann da eine gute Entscheidungshilfe bieten. Etwa die Verlässlichkeit einer Kinderbetreuung bis zum Ende der Grundschulzeit. Für Eltern mit kleinen Kindern sicher ein enormes Plus. Modernes Wohnen schließt aber noch mehr mit ein: etwa ein gutes Mobilitätsangebot. Der Bürgerbus, der die Lahntaler Ortsteile miteinander verbindet und von Bürgern aus der Gemeinde organisiert wird, ist ein Bestandteil dieses Konzepts.

„Dazu kommt noch die Förderung von Elekro-Autos durch eine entsprechende Infrastruktur und die Idee des Car­sharings. Wir wollen auf jeden Fall eine Gemeinde sein, die für alle Generationen ein attraktiver Wohnort ist.“ Deshalb werden die Angebote der Kindertagesstätte immer am Bedarf angepasst und die Seniorenarbeit nach den Bedürfnissen der Nutzer weiter ausgebaut, kündigt Apell an. Und die Themen werden nicht weniger. Im Frühjahr soll es eine Bürgerversammlung zur Zukunft der Friedhöfe geben. Apell möchte durch veränderte Angebote erreichen, dass Lahntaler auch in Lahntal bestattet werden können und nicht, weil sie sich einen Friedwald als letzte Ruhestätte ausgesucht haben, irgendwo weiter weg begraben werden müssen. Vielleicht geht der Trend zu der Einrichtung eines Gartens der Erinnerung, der ein ganz anderes Erscheinungsbild als ein Friedhof hat.

Apell ist jedenfalls ganz offen und gespannt, welche Richtung die dann angestoßene Diskussion nehmen wird. „Die immer neuen Herausforderungen machen die Arbeit als Bürgermeister so interessant“, sagt er. Das ist eigentlich schon Motivation genug. Wenn man dann noch eine tolle Verwaltung mit engagierten Mitarbeitern hat (Originalton Apell) – nun, was will man mehr? Ach ja: ehrenamtliches Engagement. „Diesbezüglich sehe ich mit Freude, dass sich in der Gemeinde sehr viele Menschen in unterschiedlichen Funktionen ehrenamtlich engagieren. Das ist für mich ein Beleg dafür, dass sie sich hier auch wohlfühlen“, sagt Apell.

PS: Auch der Bürgermeister kann mal danebenliegen. Er ging lange davon aus, heute mit Hillary Clinton zusammen ins Amt zu kommen. Dann hätte sich irgendwie ein besonderer Kreis für ihn geschlossen, denn als er am 20. Januar 1993 erstmals sein Bürgermeisteramt antrat, begann in den USA ein gewisser Bill Clinton seine Präsidentschaft. Nun muss er also mit Donald Trump die Geschäfte aufnehmen. Und was sagt er zu Trumps Wahl zum US-Präsidenten: „Auch daraus wird die Menschheit lernen. Viele Menschen glauben, dass sie etwas erreicht haben, wenn sie gewählt wurden. Stolz kann man aber erst sein, wenn einem dann in diesem Amt auch etwas gelungen ist.“

von Götz Schaub

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