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0Oberaspher wollten neue Kirche, Pfarrer nicht

Gotteshaus wurde vor 50 jahren versetzt 0Oberaspher wollten neue Kirche, Pfarrer nicht

Seit 50 Jahren steht die Oberaspher Kirche so, wie man sie heute kennt: 1964 wurde das Gebäude umgebaut und versetzt. Viele Dorfbewohner haben damals mitgeholfen. Am Wochenende wird das Jubiläum gefeiert.

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Die Oberaspher Kirche: Der rechte Fachwerkbau stammt aus dem 18. Jahrhundert, der hintere Teil wurde 1964 eingeweiht.

Quelle: Mark Adel

Oberasphe. Es war ein lang gehegter Wunsch der Bürger, der in Erfüllung ging. Im Januar 1964 trafen die drei neuen Glocken ein, im April wurde die umgebaute Kirche eingeweiht. 18000 Mark hatten die 340 Einwohner damals über Spenden aufgebracht – eine beachtliche Summe.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der „neuen“ Kirche und des zehnjährigen Bestehens des Anbaus lädt die Kirchengemeinde am Sonntag, 5. Oktober, zum Kirchspiel-Gemeindefest ein. Der Gottesdienst beginnt um 11 Uhr. Ein gemeinsames Mittagessen schließt sich an, am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen.

Der damalige Pfarrer und die Frohnhäuser Bürger seien gegen den Neubau der Kirche gewesen, erinnern sich ältere Bürger. Kindtaufen wurden in den Wohnhäusern vorgenommen, und für die Gottesdienste könnten die Oberaspher ja auch nach Frohnhausen, so die Meinung. Für die Konfirmanden war das damals schon völlig normal. Beide Gemeinden bilden bis heute zusammen mit Eifa ein Kirchspiel.

Doch schließlich siegte der Wunsch der Oberaspher nach einer eigenen, zumindest teilweise neuen Kirche. An dem Gebäude waren zuvor viele Balken verfault, stellten damals Studenten der Staatsbauschule Darmstadt fest, die die Kirche untersuchten. Sie berichteten auch von zwei Glocken: Eine ohne Zeichen, die andere mit der Jahreszahl 1724. „Letztere wurde der Gemeinde nach dem letzten Kriege wiedergegeben, obwohl sich niemand im Dorf entsinnen konnte, dass Oberasphe jemals eine zweite Glocke besessen haben sollte“ – so schrieben es die Studenten damals auf. Heute sind es vier Glocken, die auch alle genutzt werden – die kleinste als Totenglocke. Von den Bürgern, die den Bau damals vorangetrieben haben, lebt niemand mehr. Die älteren Oberaspher erinnern sich aber noch gut an die Arbeiten, viele haben mitgeholfen.

So auch Hermann Hallenberger (Foto: Adel). Er erinnert sich besonders gut an einen Unfall, der zum Glück glimpflich ausging: Beim Transport von Balken riss ein Drahtseil. „Das ging mir direkt aufs Auge.“ Bürgermeister Michael Koch fuhr ihn nach Frankenberg zum Augenarzt – zum Glück war die Verletzung nicht schwerwiegend. „Wir haben alles in Eigenleistung gemacht“, erinnert er sich. „Immer, wenn ein paar Leute Zeit hatten, ging es weiter.“ Wie die anderen Dorfbewohner hatte auch Hermann Hallenberger genug zu Hause zu tun, mit Landwirtschaft und Hausschlachtung. „Als die Glocken kamen, war beim Schlachten Hochsaison, da hatte ich kaum Zeit.“

Der älteste Teil der Oberaspher Kirche stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wobei wahrscheinlich ältere Bauteile verwendet wurden. Der Dachboden über dem alten Kirchenraum diente in früheren Zeiten als Speichergeschoss für den Kirchenzehnten. In den Jahren 2003 und 2004 wurde die Kirche erweitert. Der Taufstein stammt laut Inschrift aus dem Jahr 1913.

von Mark Adel

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