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...wie grün sind deine Blätter!

Weihnachten ...wie grün sind deine Blätter!

Duften soll er, ein dichtes Astwerk muss er haben, seine Nadeln sollen noch in der zweiten Januarwoche taufrisch sein, und er sollte möglichst nicht mehr als 30 Euro kosten: der Weihnachtsbaum.

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Auf, auf, auf zum Weihnachtsbaumkauf: eine kleine Warenkunde und Tipps rund um den Festtags-Baum.

Quelle: Daniel Bockwoldt

Marburg. Der durchschnittliche Heimwerker holt den rostigen Fuchsschwanz und die von Opa geerbte Bügelsäge ziemlich genau einmal im Jahr aus der Garage - wenn es darum geht, einen Weihnachtsbaum zu schlagen. Macht man selbst, Ehrensache!

In Marburg-Biedenkopf geht das etwa in den Förstereien in Anzefahr und Neustadt. Da gibt‘s Fichten und Nordmanntannen en massè, „mit 30 bis 35 Euro für einen schönen Baum“ ist man dabei, meint Bernd Wegener vom Forstamt Kirchhain.

Bis zu 300 Fichten und Tannen werden jährlich am Anzefahrer Grainersberg, am Neustädter Krückelberg und am Bauerbacher Forsthaus auf die Dachgepäckträger geschnallt und landen in den Wohnzimmern (Termine auf der Internetseite des Forstamts Kirchhain: www.hessen-forst. Während in Anzefahr und Neustadt die Werkzeuge der Käufer zum Einsatz kommen, gibt‘s in Bauerbach für wenige ambitionierte Hobbyholzfäller bereits geschlagene Bäume.

Zu groß, zu klein, zu dicht, zu kahl

Was besser ist? Nun ja, selbst zur Säge zu greifen und ein wenig für den weihnachtlichen Zimmerschmuck zu schuften, das hat schon so ein kleines bisschen von Freiheit und Abenteuer. Ganz wichtig: Nie allein in die Plantage, sondern am besten mit der gesamten Familie den „richtigen“ Baum aussuchen.

Weihnachtsbaumverkäufer können ein Lied davon singen, dass Kunden eine Stunde nach dem Kauf verzweifelt wieder auftauchen und sagen: „Meine Frau findet ihn zu klein!“

Wer bei einem der Händler einen bereits geschlagenen Baum kauft, sollte sich die Schnittstelle genau anschauen - je heller sie ist, umso frischer ist die Pflanze. Die Nadeln an den Zweigen sollten eine gleichmäßige, kräftige Färbung haben und fest am Zweig sitzen, auch wenn sie „gegen den Strich gebürstet“ werden.

Der unangefochtene Star unter den Weihnachtsbäumen ist und bleibt die Nordmanntanne: 75 Prozent aller Käufer entscheiden sich für einen solchen Baum, der sich durch seine Haltbarkeit ebenso auszeichnet wie durch den Umstand, dass seine Nadeln nicht stechen. Blaufichten haben eine etwas kürzere Lebensdauer, aber diese Bäume haben starke Äste, und das ist natürlich überall dort wichtig, wo viel schwerer Schmuck aufgehängt werden soll.

Finger weg von Douglasien

Außerdem duften die Nadeln der Blaufichte herrlich, doch Vorsicht beim Schnuppern: Die Fichtennadeln können pieksen! Sehr elegant nach Orangen duften Edeltannen, und es soll Baumgenießer geben, die die Harztaschen am Stamm sogar noch anbohren, um den Duft zu intensivieren.

Auch Douglasien duften nach Zitrusfrüchten, doch diese Bäume sind nichts für Schmuckbehang - die Zweige geben unter der Last von Kugeln und Kerzen nach. Wer‘s rustikal mag, greift zur Kiefer, die zwar oft nicht von kerzengeradem Wuchs ist, dafür aber intensiv nach Wald riecht und sich sehr lange hält.

Apropos Haltbarkeit: Wer nicht schon am zweiten Feiertag mit dem Staubsauger um den Baum fegen will, sollte den einmal gekauften Baum noch so lange wie möglich draußen lagern - im Netz an einem licht- und windgeschützten Platz, mit dem Stamm in einem Eimer Wasser.

Einen Tag, bevor der Baum seinen Schmuck erhält, wird er in die Wohnung geholt und - noch verpackt - in den Baumständer gestellt. Um sicherzustellen, dass der Baum schön gerade steht, hilft am besten jemand beim Ausrichten und kontrolliert den Stamm von mehreren Seiten, bevor die Klemmvorrichtung zum Einsatz kommt.

Das geht mittlerweile mit Seilzug und Ratschenmechanik sehr komfortabel - lieber einmal mehr korrigieren, als sich das Fest des Friedens und der Freude mit bissigen Kommentaren über die Qualität der getanen Arbeit zu vermiesen. Dass früher mehr Lametta war, wissen wir seit Opa Hoppenstedt, doch dass die Tanne im letzten Jahr gerader stand, will nun wirklich niemand hören.

Baum vom Baumarkt meist weitgereist

Bevor jetzt das Netz fällt, bekommt der Baum erst einmal einen kräftigen Schluck Wasser verabreicht - ob mit einem Löffel Zucker oder nicht, darüber scheiden sich die Geister. Sagen wir es so: Schaden tut‘s nicht. Wichtig ist, dass es nicht beim einmaligen Gießen bleibt, denn die Bäume können in den warmen und trockenen Wohnzimmern gut und gern zwei Liter am Tag aufsaugen.

Noch ein Wort zum Thema Weihnachtsbaum aus dem Baumarkt: Preislich sind die Tannen und Fichten vom Do-it-Yourself-Discounter oft eine verlockende Alternative zum Baum aus der Region. Auch qualitativ kann man einen Glückstreffer landen. Doch zum einen haben die Baumarktbäume oft erhebliche Transportwege hinter sich.

Und zum anderen hat etwa der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Ende vergangenen Jahres in gut der Hälfte der Nadelproben von Plantagenbäumen Pestizidrückstände entdeckt. Wer den Händler seines Vertrauens nach der Herkunft der Bäume fragt, erhält meist Ortsnamen wie Winterberg oder Medebach zur Antwort - das Sauerland ist für unsere Breitengrade nach wie vor der wichtigste Lieferant.

Ach ja, und dann war da noch eine Baumsorte: der ähemm...Plastikbaum. Sollte der Vollständigkeit wegen nicht unerwähnt bleiben. Er nadelt nicht, er harzt nicht, muss nicht gegossen und entsorgt werden, und nach drei bis fünf Jahren fängt die Anschaffung an, sich im Vergleich zum jährlich neu gekauften Echtbaum zu lohnen. Aber ganz ehrlich: So richtig schön sind sie nicht, die Kunststoffkameraden, oder? Und das Kauferlebnis, die Suche nach dem passenden Baum, der Glühwein nach getaner Arbeit mit der Säge, der Spaß mit der Familie - all das entfällt, wenn Jahr für Jahr die einzige Frage lautet: Wer holt die Plastikpalme aus dem Keller?

von Carsten Beckmann

 
 Kleine Nadelbaumkunde: Serbische Fichte (von links), Blaufichte, Nordmanntanne, Gemeine Kiefer und 
Große Küstentanne. Fotos: Patrick Pleul
 
So bringt man den Baum sicher heim

Alle Jahre wieder stehen Weihnachtsbaumliebhaber vor der Frage, wie sie den frisch geschlagenen oder gekauften Baum am besten in die heimischen vier Wände befördern sollen. Verkehrsexperten des Gießener Regierungspräsidiums (RP) machen daher darauf aufmerksam, dass der Transport der sperrigen Waldgewächse für Ungeübte nicht einfach ist und dass damit erhebliche Risiken für Fahrer und Verkehrsteilnehmer verbunden sind. „Bei einer plötzlichen Bremsung können ungesicherte Bäume oder Skiboxen zu gefährlichen Geschossen werden“, erläutert Jürgen Freigang vom RP-Verkehrsdezernat.

„Bei einem Unfall entsteht aus 20 Kilogramm Baumgewicht ganz schnell eine Aufprallwucht von 800 bis 1000 Kilogramm. Das bedeutet enorme Verletzungsgefahr für die Insassen des Fahrzeugs und andere Verkehrsteilnehmer.“ Um zu verhindern, dass notdürftig verzurrte Weihnachtsbäume bei plötzlichem Bremsen meterweit fliegen, müsse unbedingt auf die richtige Ladungssicherheit geachtet werden – das heißt: Der Weihnachtsbaum muss mit geigneten Gurten fixiert werden. Und keinesfalls dürften Zweige die Sicht beeinträchtigen, betont Freigang. Kennzeichen, Scheinwerfer, Blinker oder Rückleuchten müssen frei bleiben. Das gelte auch, wenn der Baum aus dem offenen Kofferraum heraus ragt.

Nach vorn oder zu den Seiten darf ein Baum niemals über die Fahrzeugumrisse reichen. Ab einem Meter Überlänge nach hinten muss das Baumende zusätzlich durch eine rote Warnflagge, ein weiß-rotes Schild oder einen zylindrischen hellroten Körper von mindestens 30 mal 35 Zentimetern Durchmesser gekennzeichnet werden. Bei Dunkelheit sind eine rote Leuchte und ein Rückstrahler anzubringen. Die Ladung darf maximal eineinhalb Meter über das Fahrzeugheck hinausragen. Bei Nichtbeachtung dieser Vorschriften drohen Bußgelder oder Punkte in Flensburg.

 
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