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Zwischen Stress und Ferienfreuden

Sommerferien Zwischen Stress und Ferienfreuden

Ferien - das bedeutet Freizeit, Spaß und Spiel für die Kinder. Die Kehrseite der Medaille: Der Nachwuchs muss sechs Wochen lang betreut werden und stellt Eltern damit vor eine Herausforderung.

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„Hurra Ferien“ – was für Schüler die schönste Zeit des Jahres bedeutet, stellt Eltern oft vor organisatorische Probleme und nerven­aufreibende Wochen.Foto: Stephan Jansen

Quelle: Stephan Jansen

Marburg. „Vermehrte Anmeldungen gibt es bei uns in der Ferienzeit nicht“, berichtet Frank Harries von der Familienberatungsstelle des Diakonischen Werkes im Philippshaus. Dennoch, so sagt er über die Sommerferien, „ist es eine Zeit, die schon einmal Fragen aufwirft“. Freunde sind möglicherweise verreist, das Training im Sportverein findet nicht statt und auch die Eltern haben meist weder Zeit noch Muße zur Dauerbespaßung.

Sechs Wochen aufeinander zu hocken führt nicht selten zu angespannten Nerven bei den Eltern und Langeweile bei den Kindern. Diese hegten häufig die Hoffnung, in der schulfreien Zeit möglichst viele Stunden an Fernseher oder Computer verbringen zu können, doch aus Elternsicht sei wichtig, diese nicht zum „medialen Babysitter“ werden zu lassen. Selbst aus Sicht der Schüler könne dies zum Ende der Ferien hin eintönig erscheinen, meint Harries.

Absprache mit Eltern und frühzeitige Organisation

Ein weiteres Problem: Sechs Wochen Urlaub am Stück erhält kaum ein Arbeitnehmer. Für Erziehungberechtigte von jüngeren Kindern bedeutet das, dass Personen organisiert werden müssen, die auf die Kleinen aufpassen. „Es ist eine Herausforderung - besonders für Alleinerziehende“, sagt der Familien-Psychologe.

Daher erfordere die Betreuung der Kinder eine gewisse Vorplanung. Doch selbst dann können noch so einige unerwartete Schwierigkeiten auftauchen. Der Onkel, die Oma oder der Nachbar, die sich zum Aufpassen bereit erklärt haben, könnten beispielsweise erkranken, oder aber die Kinder selbst sind unzufrieden mit einer erdachten Lösung. Ratsam sei in jedem Fall die Erwartungen im Vorfeld abzuklären und sich frühzeitig mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass das Kind während der Ferien möglicherweise mehr Aufmerksamkeit braucht.

„Man sollte eventuell auch mal andere Dinge liegen lassen“, rät Harries und verrät, dass auch sozial schwächer gestellte Familien genügend Möglichkeiten haben, gemeinsam etwas zu unternehmen. „Es muss nicht immer der teure Freizeitpark sein“, so Harries. Auch eine Radtour, ein Tag im Schwimmbad oder ein einfacher Spaziergang zur Eisdiele seien Unternehmungen, die ein Kind zu schätzen wisse.

Oft zu hohe Erwartungen an Familienurlaub

Für die restliche Zeit sei es zudem von entscheidendem Vorteil, sich mit anderen Eltern abzustimmen, die vor denselben Problemen stünden. So könnte man sich nicht nur die Zeit aufteilen, sondern gleichzeitig auch den eigenen Kindern Gleichaltrige an die Seite stellen.

Sehr gute Lösungen seien zudem etwa Ferienspiele oder Ferienfreizeiten, bei denen ebenfalls Spielgefährten angetroffen werden. Auch hier empfehle sich aber der Kontakt mit anderen Eltern, da Kinder eine solche Freizeitaktivität ungern ohne Freunde antreten würden.

Vorfreude herrscht hingegen zumeist auf einen Familienurlaub. „Ereignisse wie Weihnachten oder eben der Sommerurlaub sind oft mit Erwartungen überfrachtet“, sagt Harries. „Diese kann dann auf allen Seiten schnell in Enttäuschung umschlagen“. Absprache sei daher auch vor einer Reise hilfreich.

Ob am Strand oder auf dem heimischen Balkon aber gilt: „Eltern sollten nicht das Gefühl haben, Animateur sein zu müssen“. Langeweile gehöre zu den „wichtigen Gefühlserfahrungen“. Dennoch wüssten Kinder es zu schätzen, wenn Eltern „sich zwischendurch einmal Zeit nehmen“.

von Peter Gassner

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