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Zwischen Patenten und Publikationen

House of Pharma Zwischen Patenten und Publikationen

"Präklinische Forschung" lautete das Thema der Konferenz "House of Pharma", die weltweit angesehene Wissenschaftler in Marburg versammelte. Zu den Rednern zählten unter anderen zwei Nobelpreisträger.

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In der ersten Reihe saßen unter anderem die Marburger Uni-Präsidentin Professor Katharina Krause (rechtes Bild von links), Organisator Professor Gerhard Klebe, Nobelpreisträger Professor Tom Seitz und Dr. Erin Duffy. Dahinter Professor Ulrich Koert und Professorin Katja Becker. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ziel der Tagung war der „enge Schulterschluss zwischen der forschenden Wissenschaft, der pharmakologischen Industrie und der klinischen Praxis“, wie der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) erklärte. Mittelhessen als „traditioneller Pharmastandort“ solle gemeinsam mit der forschenden Industrie weiterentwickelt werden, so Rhein. Die Region und ihre Hochschulen stünden mit den Namen großer Persönlichkeiten wie Emil von Behring und Justus Liebig für „eine lange pharmazeutische Forschungstradition“, hob auch die Marburger Uni-Präsidentin Katharina Krause hervor.

„Wenn man die verzwickte Geschichte unserer Universitäten kennt, dann ist es etwas besonderes, dass wir hier in Marburg alle zusammenkommen“, sagte der Gießener Uni-Präsident Professor Joybrato Mukherjee in seinem Grußwort anlässlich der Pharma-Tagung. Neben der Gießener und der Marburger Universität, beteiligten sich auch die Technische Hochschule Mittelhessen und die auf Technologietransfer spezialisierte Gesellschaft „Transmit“ an der Ausrichtung des hochkarätigen Wissenschaftsveranstaltung. Co-Organisator war die Goethe-Universität Frankfurt. Als Hauptredner der Konferenz fungierten der Chemie-Nobelpreisträger von 2009, Professor Tom Steitz von der Yale-University in den USA und Professor Harald zur Hausen, Medizin-Nobelpreisträger aus dem Jahr 2008 von der Universität Heidelberg.

Ideen als Domäne der Universitäten

Die renommierten Wissenschaftler und Vertreter der Pharmaunternehmen tauschten Erfahrungen aus und diskutierten über aktuelle Projekte sowie grundsätzliche Probleme in der Arzneimittelforschung. Verstärktes Interesse lag dabei auf der präklinischen Forschung, also der Forschung im universitären Bereich, dessen Ziel nicht primär die Anmeldung eines Arzneimittel-Patents ist.

An dieser Stelle ergäben sich interessante Möglichkeiten zur Kooperation zwischen Universitäten und Pharmaunternehmen, sagte Professor Jochen Maas von der Firma Sanofi Aventis. Nach einigen Jahren, in denen vornehmlich das schnelle und große Geld im Vordergrund gestanden habe, besännen sich die großen Unternehmen nun vermehrt wieder auf die Forschung zu zwischenzeitlich vernachlässigten Infektionskrankheiten, die weniger Profit versprechen.

Sie müssen beides wollen: Publikationen und Patente

Universität und Pharmaindustrie seien zwei „unterschiedlichen Kulturen“ zugehörig, so Maas. Während die Akademiker eher auf Publikationen abzielten, läge das Interesse der Konzerne auf Patenten. Beide Seiten müssten sich jedoch klar werden, dass Innovation mehr sei „als nur eine Idee“.

Zunächst müsse es diese Idee geben und dies sei „eine Domäne der Universitäten. Anschließend komme es jedoch darauf an, die Idee auch mithilfe hoher Investitionen auf den Markt zu bringen und sie zu vermarkten. In diesem Bereich seien wiederum die Pharmakonzerne gefragt.

Maas schloss daraus, dass beide Seiten „einfach beides wollen müssen“ - Publikationen und Patente. Mittels ständigem Austausch und gemeinsamer Labore könne dies gelingen und zu einer „Win-Win-Win-Situation“ führen. Neben Uni und Unternehmen würden schließlich nicht zuletzt auch die Patienten profitieren.

von Peter Gassner

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